Mark Tobey

Er entwickelt für sich ein in sich repetitives, ornamental erscheinendes und durch die vielfache Überlagerungen in den Strichebenen auch dynamisch gerichtetes Muster, das quasi eine Schriftebene bildet und kompositorisch, durchaus aber auch erzählerisch strukturiert ist. In den ersten White Writings ist bereits das flächendeckende All-Over präsent, das sich im Spätwerk Tobeys gestisch verdichtet.

Mark Tobey wird 1890 in Centerville / Wisconsin geboren. Bereits 1906 während seiner High School Zeit besucht Tobey Samstagskurse im Art Institute in Chicago. 1909 übersiedelt er dorthin und arbeitet als Industriedesigner und –zeichner in einem Eisen- und Stahlwerk. Spätere Arbeiten, deren Oberflächen an magnetisierte Metappspäne erinnern, scheinen durch dieses frühe Arbeitsfeld Tobeys inspiriert. 1911 zieht der Künstler nach New York und arbeitet dort als freier Modezeichner u. a. für die Zeitschrift Vogue.
Ab dieser Zeit setzt er sich mit großem Interesse und Ernst mit arabischer Dichtung, dem Islam und anderen fernöstlichen Religionen auseinander, was für seine gesamte künstlerische Entwicklung von richtungsweisender Bedeutung ist. Die New Yorker Galerie Knoedler & Co. zeigt 1917 Tobeys erste Einzelausstellung. 1918 tritt Tobey, angeregt durch die Malerin J. Thomson, zur Baha-’i-Glaubenslehre über. In den islamischen und fernöstlichen Religionskulturen, die diese vereint, ist die Kalligraphie, die ritualisierte und ornamental stilisierte Schrift ein wesentliches Element gläubiger Meditation. Tobey ist daran so interessiert, dass er in den Jahren 1922 — 25 an der Cornish Art School in Seattle Kalligraphie unterrichtet und sich selbst durch seine Freundschaft mit dem chinesischen Künstler Keng Kwei in der traditionellen chinesischen Malerei perfektioniert.

In den Jahren 1925 — 27 lebt Tobey in Paris und bereist von da den vorderen Orient, Persien. In den Jahren bis 1930 führen in erneute Reisen u.a. nach China und Japan. 1930 — 1938 unterrichtet er an der Dartington Hall School in Devonshire. Diese Unterrichtsphase in England unterbricht Tobey 1934 durch einen Studienaufenthalt in einem Zen-Kloster in Kyoto. Dort wendet er sich der Lehre der Zenmalerei zu, die die Einheit von Form und Bewegung und den meditativen Charakter in den Vordergrund stellt. Zugleich erlernt Tobey die dichterische Struktur des Hai-Ku.
Ritualisierung der malerischen Geste und strenge Strukturierung der malerischen und sprachlichen Formen führen Tobey zu seinen ersten White Writings, die ein dichtes, filigranes, weißes Strichmuster auf dunklem Malgrund zeigen. Tobey entwickelt für sich ein in sich repetitives, ornamental erscheinendes und durch die vielfache Überlagerungen in den Strichebenen auch dynamisch gerichtetes Muster, das quasi eine Schriftebene bildet und kompositorisch, durchaus aber auch erzählerisch strukturiert ist. In diesen White Writings ist bereits das flächendeckende All-Over präsent, das sich im Spätwerk Tobeys gestisch verdichtet. 1935 werden die White Writings im Art Museum in Seattle gezeigt. 1938, als die politische Lage in Europa unsicher wird – Tobey beschäftigt sich jetzt mit musikalischen Kompositionen – kehrt er in die USA zurück und lebt bis 1960 in Seattle.

Die Willard Gallery in New York präsentiert Tobeys Arbeiten 1944 in einer Einzelausstellung. 1948 ist er auf der Biennale in Venedig vertreten. Von da an beeinflussen seine Arbeiten die us-amerikanischen Künstler des abstrakten Expressionismus als auch die Maler des europäischen Informel entscheidend, wozu auch 1951 die große Retrospektive an den Ausstellungsorten Los Angeles, San Fransisco, Seattle und Santa Barbara wesentlich beiträgt. 1955 folgt Tobeys erste europäische Einzelausstellung in der Pariser Galerie Jeanne Bucher. 1959 und 1964 ist Tobey auf der Documeta II und III vertreten.

Auf den Ankauf von Werken durch die Galerie Beyerle hin übersiedelt Tobey im Jahr 1960 nach Basel. Dort entstehen die späten, ungemein verdichteten Kompositionen, die auch ein zwar tonal gedämpftes, aber buntfarbig weites Farbspektrum aufweisen.

Am 24. April 1976 stirbt Mark Tobey in Basel.

Literaturauswahl

Wedewer, R.: Die Malerei des Informel. Weltverlust und ICH-Behauptung, München 2007

Moeller, A.: Years of Friendship, 1944 — 1956. The correspondance of Lyonel Feininger and Mark Tobey, Stuttgart 2006

Klänge des inneren Auges. Mark Tobey, Morris Graves, John Cage: Ausst.-Kat. Kunsthalle Bremen, hg. v. W. Herzogenrath u. A. Kreul, München 2002

Mark Tobey. Bilder von 1940 bis 1975: Ausst.-Kat. Baukunst-Galerie, Köln 2001

Wang, C.-Y.: Die Leere chinesischer Malerei und abendländische Annäherungsversuche in den Bildern von Redon, Bissier und Tobey, Frankfurt/M. 2001

Mark Tobey. Werke 1935 — 1975: Ausst.-Kat. Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid, hg. v. M. Bärmann, Madrid 1997

Westgeest, H.: Zen in the Fifties: Interaction in Art between East and West, Zwolle 1996

 

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