Mark Dion

Seine Installationen, Skulpturen, Filme, Videos und Performances geben sich als Inszenierungen einer visuellen Kultur zu erkennen, in der er Kunst und naturwissenschaftliche Exponate in enge Verbindung setzt, den Blickwinkel eines Archäologen, Paläontologen, Zoologen oder Botanikers einnimmt.

Mark Dion wird 1961 in New Bedford / Mass., USA geboren. 1981 — 82 studiert er an der Hartford School of Art in Connecticut, an der er 2002 den Ehrendoktor erhält. An der School for Visual Arts, New York setzt Dion 1982 — 84 seine Studien fort. Im Anschluss nimmt er an dem Independent Study Program des Whitney Museums of Modern Art in New York teil. Frühe Ausstellungsprojekte führen Dion in den 1980er Jahren nach Europa und Südamerika.

Seit der Mitte der 1980er Jahre nehmen kritische Untersuchungen der kulturell determinierten Ordnung und Repräsentation von Natur einen zentralen Stellenwert im Werk Dions ein. Seine Installationen, Skulpturen, Filme, Videos und Performances geben sich als Inszenierungen einer visuellen Kultur zu erkennen, in der er Kunst und naturwissenschaftliche Exponate in enge Verbindung setzt, den Blickwinkel eines Archäologen, Paläontologen, Zoologen oder Botanikers einnimmt.

Dions Beschäftigung gilt dem umweltbezogenen und ökologischen (Concrete Jungle, 1992), aber auch wissenschaftlich-systematischen Umgang mit Natur (Scala Naturae, 1994) und dessen ideologischen Vorgaben und Gehalten. So greift Dion mit strukturierenden Wegmarken kommentierend in bestehende Landschaftsstrukturen ein (The Crossroads, Skulptur-Biennale, Münsterland 1999), setzt sich aber auch mit historischen Wissensstrukturen auseinander, die nachhaltige visuelle Präsentationsformen hervorgebracht haben. Dion behält dabei stets auch die jeweiligen musealen Kontexte im Auge, in denen grundlegende Konstruktionen von Natur, Wissenschaft und Kunst verbreitet wurden und werden (Microsomosgraphia; Memento Mori (My Glass is Run), beide 2005).

Meist beziehen sich die Objekte und Installationen Dions unmittelbar auf Inhalt und Form naturwissenschaftlicher und naturkundlicher Publikationstypen (Field Guide to the Wildlife of Madison Square Park, 2002) oder forschungsbezogener Ordnungs-, bzw. Klassifizierungs-, Archivierungs- und Präsentationssysteme (A Tale of Two Seas: An Account of Stephan Dillemuth’s and Mark Dion’s Journey Along the Shores of the North Sea and the Baltic Sea and What They Found There, 1996). Auch wissenschaftliche Versuchsanordnungen im Labor sowie die Forschungseinrichtungen selbst stehen als Orte des Erkenntnisgewinns und der Wissensvermittlung auf dem Prüfstand. Dabei interessieren Dion u.a. spezielle Versuchsanordnungen (Frankenstein in the Age of Biotechnology, 1993; The N.Y. State Bureau of Tropical Conservation, 1992) oder auch der Aufbau von Beobachtungs- oder Forschungsstationen (Biologische Forschungsstation Alster, 2002, Hamburg). Stets betrachtet er deren kulturell bedingte Perspektiven und zeitbedingte Blickwinkel, aus denen Natur betrachtet, erforscht und vermittelt wird. »Es gibt eine Sprache einer wissenschaftlichen Gewissheit, die meiner Ansicht nach in Frage gestellt werden muss. Die Objektivität von Wissenschaft ist Mythos. Jede historische Betrachtung von Wissenschaft muss zugeben, dass Wissenschaft mit Ideologie durchtränkt ist und dass wissenschaftliche Wahrheit auf historischen Zufälligkeiten beruht, und was mich dabei stört, ist, dass die Wissenschaft mit absoluter Gewissheit spricht, was ahistorisch ist und häufig dazu führt, dass nicht erkannt wird, wie Wissen und Erkenntnis sich verlagern. Leute, die in der Forschung tätig sind, äußern sich nur selten in so unkritischer Weise, doch häufig wird ihre Arbeit für ein breiteres Publikum ohne kritische Reflexion übersetzt.« (M. Dion, 2000)

In den letzten Jahren zeugen Dions materialreiche Installationen von einer Weiterführung der früheren Themenfelder hin zum Verhältnis von Natur und urbanem Raum. Auch archäologisch orientierte Arbeiten, die Schichten einer objektbezogenen Geschichtsschreibung freilegen und damit erneut an der Nahtstelle von Natur und Kultur angesiedelt sind, entstehen.

Dions Ausstellungen sind überwiegend von jenen engeren inhaltlichen Werkzusammenhängen bestimmt – Werk und Exponat, Werktitel und Ausstellungstitel sind meist in eins gesetzt. Sie zeugen von einem grundlegenden Themen- und Werkverständnis, das ebenso Fragen der Wissenskonstruktion wie der räumlichen bzw. musealen Anordnung fokussiert (2006: »The Curiosity Shop«, Tanya Bonakdar Gallery, New York; 2005: »Seattle Vivarium, part of I AM SAM«, Olympic Sculpture Park, Seattle Art Museum; 2004 »Rescue Archaeology«, Museum of Modern Art, New York; 2003: »Microcosmographia, Mark Dion’s Wunderkammer«, University of Tokyo Museum, Tokio; 1997: »Natural History And Other Fictions«, Ikon Gallery, Birmingham, Kunstverein Hamburg, De Appel, Amsterdam; 1990: »The (Un)Making of Nature«, Whitney Museum of American Art, Downtown, N.Y.; 1989: »The Desire of the Museum«, Whitney Museum, N.Y.).

Mark Dion lebt und arbeitet in Beach Lake / PA und New York.

Literaturauswahl

Dion, Mark: The National History of the Museum, Ausst.-Kat. Nimes, Pfäffikon 2007

Natural Fictions and Other Fictions. An Exhibition by Mark Dion: Ausst.-Kat., Ikon Gallery Birmingham, Birmingham 1997

The End of the Game: Ausst.-Kat., De Vleeshal, Middelburg 1995

Kontext Kunst: Ausst.-Kat. Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum Graz, Steirischer Herbst 93, hg. v. P. Weibel, Köln 1994

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen

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