Marianne von Werefkin

Sie konzentriert sich auf figürliche Motive mit oftmals symbolischer Bildsprache, komponiert aus klar abgesetzten Flächen mit teils starken Umrisslinien und kräftigen Farben.

Marianne von Werefkin (eigentlich Marianna Wladimirowna Werjowkina) wird 1860 in Tula, Russland, in eine wohlhabende Familie geboren. Mit 14 Jahren erhält sie privaten Zeichenunterricht, ab 1880 ist sie Schülerin des realistischen Malers Ilja Repin, dem späteren Petersburger Akademieprofessor. Sie studiert ab 1883 an der Moskauer Akademie und wird 1887 Repins Meisterschülerin. Durch ihn lernt sie ihren Weggefährten Alexej Jawlensky kennen.

1896 übersiedeln sie nach München. Obschon sie ihre Malerei für ein Jahrzehnt unterbricht, um Jawlensky künstlerisch zu fördern, wird Werefkin zu einer zentralen Persönlichkeit in der Münchner Kunstszene: In ihrer Privatwohnung initiiert sie einen Salon, in dem die aktuellen Entwicklungen der neuen Kunst intensiv diskutiert werden. Hier sowie auf ausgedehnten Reisen nach Italien und Frankreich sucht Werefkin die Auseinandersetzung mit der Kunst. Sie ist von der Malerei Gauguins, Munchs und dem Symbolismus tief beeindruckt. Kompositionen aus großen Farbflächen, leuchtendes Kolorit und ein kräftiger Duktus im Stil Van Goghs schlagen sich später in ihren Werken deutlich nieder. Sie konzentriert sich auf figürliche Motive mit oftmals symbolischer Bildsprache, komponiert aus klar abgesetzten Flächen mit teils starken Umrisslinien und kräftigen Farben. Für eine rhythmische Gliederung nutzt sie häufig serielle Anordnungen, wie im Bild Ballszene (um 1908) oder Wäscherinnen (1909). Im expressiven Selbstbildnis (1910) malt sie sich im Dreiviertelprofil mit rotem Hut, vollen Lippen und glühend roten Augen, mit denen sie den Betrachter ernst fixiert. Heute gilt Werefkin als eine der innovativsten Positionen in der expressionistischen Malerei in Deutschland.

1908 und 1909 verbringen Werefkin und Jawlensky gemeinsam mit dem Künstlerpaar Münter und Kandinsky den Sommer in Murnau. Werefkin beginnt wieder zu malen, und hier kristallisieren die vier Maler ihre Idee einer modernen Kunst heraus. In der Folge gründen sie mit weiteren Künstlern die N. K. V. M. (Neue Künstlervereinigung München). Ihr künstlerisches Programm ist die »Synthese … die neuartige Verschmelzung von Eindrücken der äußeren mit denen einer inneren Welt« (Helmut Friedel u. Annegret Hoberg: Zur Geschichte des Blauen Reiter, in: Der Blaue Reiter im Lehnbachhaus München: Ausst.-Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, hg. v. Helmut Friedel und Annegret Hoberg, München 2000, 13 41, 34). Werefkin greift in einem Brief die Murnauer Atmosphäre als Grundgedanken der Vereinigung auf: »ein gewaltiges Arbeiten in der sonnigen Atmosphäre kameradschaftlichen Mitempfindens« (zit. n. ebd., 69). Eine Wanderausstellung durch ganz Deutschland ab Dezember 1909 ruft fast ausschließlich empörte Reaktionen hervor, die Kunst wird nicht verstanden. 1911 kommt es zur Spaltung der Gruppe: Kandinsky als progressivstes Mitglied entwickelt mit dem befreundeten Franz Marc die Bewegung des »Blauen Reiter«. Werefkin und Jawlensky empfinden sich als ihnen zugehörig, treten aber erst Ende 1912 aus der N.K.V.M. aus, womit sich die Gruppe auflöst. Eine gemeinsame Ausstellung der N.K.V.M., des Blauen Reiters und der Brücke-Künstler findet dennoch 1911/12 in der Neuen Secession in Berlin statt. 1913 sind Werefkins Werke in der Berliner Galerie »Der Sturm« zu sehen, 1919 im Zürcher Kunstsalon und 1920 auf der Biennale in Venedig.

Als im August 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, emigrieren Werefkin und Jawlensky in die Schweiz. Ihre wirtschaftliche Lage verschlechtert sich, als Werefkin 1917 durch die Russische Revolution ihre Staatsbürgerschaft und fast ihr vollständiges Vermögen verliert. 1920 endet die Beziehung zu Jawlensky, jedoch nicht Werefkins künstlerischer Ehrgeiz. Sie lebt in Ascona, wo sie eine Kunstsammlung aufbaut, aus der 1922 das Museo comunale di Ascona hervorgeht. 1924 mitbegründet sie die Künstlervereinigung »Der große Bär«, die unter anderem in der Kunsthalle Bern, dem Kunsthaus Zürich, dem Kunstmuseum Luzern und 1928 in der Galerie Nierendorf in Berlin Ausstellungen zeigt.

Marianne von Werefkin stirbt 1938 in Ascona. Eine Ausstellung präsentiert ihr Werk von 1988 bis 1990 in Ascona, München, Hannover, Berlin, Bad Homburg und Hamburg.

Literaturauswahl

Salmen, Brigitte: Marianne von Werefkin. Leben für die Kunst, München 2012

Fäthke, Bernd: Marianne Werefkin. Leben und Werk: Ausst.-Kat. Marianne Werefkin und ihr Freundeskreis, Monte Verità, Museo Communale d’Arte Moderna, Ascona; Villa Stuck, München, hg. v. Bernd Fäthke, München 1988

Marianne von Werefkin 1860 1938: Ausst.-Kat. Städtisches Museum, Wiesbaden; Städtische Kunstsammlungen, Bonn; Kunstverein, Frankfurt am Main; Städtische Galerie, München; Kunsthalle, Bremen; Kunst- und Museumsverein, Wuppertal; Staatliche Kunsthalle, Baden-Baden; Museum am Ostwall, Dortmund, Wiesbaden 1958

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen

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