Marcia Hafif

Seit Anfang der 1970er Jahre kommen Hafifs Bilder einer grundlegenden Untersuchung der Malerei gleich, werden zu Teilen einer künstlerischen Theorie. Aus einer Vielzahl von Bildtafeln entsteht unter dem programmatischen Titel »Inventory« ein sukzessive erweitertes Inventar malerischer »Handlungen«.

Marcia Hafif wird 1929 in Pomona (Californien / USA) geboren. Sie studiert am Pomona College und an der University of California in Irvine.

Von 1961 bis 1969 lebt und arbeitet die Künstlerin in Rom. Dort entstehen an Pop und Hard Edge erinnernde Bilder. Diese künstlerischen Ansätze scheinen ihr jedoch weitestgehend überholt: »In the middle ›60s some expressed surprise that I was still using a brush‹ (Artforum 1978). Zunächst kehrt sie nach Kalifornien zurück und beginnt sich schließlich in New York künstlerisch radikal neuzuorientieren. Zunehmend gerät die Analyse des Malaktes selbst und auch das konkrete Ergebnis der Malerei als Handlung in ihr Blickfeld. Materialität und sinnliche Wahrnehmung von Farbe bestimmen nachfolgend ihre Arbeiten.

Seit Anfang der 1970er Jahre kommen Hafifs Bilder einer grundlegenden Untersuchung der Malerei gleich, werden zu Teilen einer künstlerischen Theorie. Aus einer Vielzahl von Bildtafeln entsteht unter dem programmatischen Titel ›Inventory‹ ein sukzessive erweitertes Inventar malerischer ›Handlungen’. Als bedeutsam erweist sich hierbei Max Doerners 1921 erschienes Standardwerk ›Das Malmaterial und seine Verwendung im Bilde‹. Doerners Lehrbuch dient der amerikanischen Künstlerin als Anregung zu einer konzeptuellen Neuformulierung ihrer Arbeit, in der das Malen im Rahmen einer Selbstanalyse neu erlernt werden kann. So bestimmen die objektivierenden Kategorien des Technischen in Hafifs Arbeiten Bildhandlung und Komposition. In dem Langzeitprojekt ›Inventory‹ werden nunmehr die malpraktischen Anleitungen anschaulich vermittelt. Mit Hilfe dieses Inventarbuchs untersucht sie sowohl den Akt des Malens als auch das Ergebnis dieses Tuns. In einzelnen Kapiteln, die als Reihen von Bildtafeln in Erscheinung treten, werden die Materialien und Techniken des Mediums systematisch erkundet. Dazu gehören die vorherige Festlegung der Formate und die Art des Bildträgers, die Beschränkung auf bestimmte Farbmaterialien und Malwerkzeuge sowie die Einschränkung der Technik des Farbauftrags. Die Farbe selbst wird als konkrete physikalische Substanz untersucht, wobei Hafif ebenso historische Bildmaterialien wie ein grundsätzlich weites Spektrum von Farbsubstanzen einbezieht, das von der Pigmentverwertung und Rezeptur über verschiedene Medien (Öl, Enkaustik, Ei Tempera, Kasein etc.) bis hin zu variierenden Trägermaterialien reicht. Die Eigenschaften der Farbe im Auftrag oder mit Blick auf Modulation und Tonigkeit werden nachgeprüft und im jeweiligen Farb-Material real erprobt.

Marcia Hafif benennt ihre Arbeiten nach der jeweils verwendeten Farbe. Jedes Einzelwerk ist Teil des ‹Inventory« weil es sich als Analyse von Malerei gleichzeitig in den Gesamtkontext des übergeordneten Konzeptes einordnet und als systematische, wissenschaftliche Erkundung der Malerei angelegt ist. Umgekehrt ist auch jedes der 15 Kapitel des »Inventory« dementsprechend als Handlungsanweisung zu verstehen und thematisiert ein Problemfeld der Malerei. 1978 fasst Hafif in dem Artikel »Beginning Again« (Artforum, 1978) ihre Überlegungen zu einer »neuen Malerei« zusammen.

Die Umsetzung dieser neu bestimmten Malerei erfolgt zunächst mit Bleistiftstrichen auf Papier, gefolgt von Werkgruppen wie Extended Gray Scale oder Table of Pigments. Ihre Arbeiten positionieren sich als malerische Reaktion auf die Minimal Art und werden in der Sonnabend Gallery in New York und Paris und im Rahmen von Themenausstellungen (»Wall Painting«, 1979; »Bilder ohne Bilder«, 1977) in diesem Zusammenhang rezipiert. Eigene kuratische Konzepte entwickelt Hafif 1981 für die Ausstellung »New Abstraction« in der Sidney Janis Gallery in New York und regt 1984 die Ausstellung »Radical Painting« im Williams College Museum in Williamstown an. 1985 werden ihre Arbeiten erstmals in Deutschland in der Münchener Galerie Rupert Walser gezeigt. Während und nach ihren Aufenthalten in München entstehen die Werkgruppen Enamel on Wood (1989), Sea Garden (1990), Acrylic Glaze Paintings (1994). Die Künstlerin beschreibt ihr Interesse an der kulturellen Gebundenheit der Farbbedeutungen folgendermaßen »Working in Munich in 1989 I looked for local colors, and then coming to Neuss found different ones available, and these were all different from those in New York. It seemed that people in each location had their own preferences. This year in Neuss I was influenced by my perception that there are very many red cars in Germany, and I began to look for the different red enamels in the stores (which is why this group in titled Red Colors)« (Hafif, Neuss 1990).

Auch wenn das »Inventory« ihre wichtigste theoretische Studie darstellt, beschäftigt die Künstlerin sich seit den 60er Jahren auch darüber hinausgehend mit theoretischen Fragestellungen, die auch in essayistische Schriften sowie autonomen Texten zusammengefasst sind.

Seit 1971 lebt Marcia Hafif in New York, Laguna Beach und zeitweise in Europa.

Literaturauswahl

Die Farbe hat mich, Positionen zur nicht-gegenständlichen Malerei: Ausst-Kat. Fulda, hg. v. Michael Fehr, Fulda 2000

Müller, Hajo: Paintings of the 1970s/1990s. Cortier, Erben, Griffa, Hafif, Mosset, Paatz, van Severen, Zenivk, Galerie Conrads, Düsseldorf 1992

Marcia Hafif, Red Paintings: Ausst.-Kat. Galerie Conrads Düsseldorf, hg. v. Helga Weckop-Conrads, Düsseldorf 1990

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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