Marcel Odenbach

In seinen Arbeiten thematisiert Odenbach die Eigen- und Fremdwahrnehmung des Selbst, bearbeitet konträre gesellschaftliche Wertvorstellungen, Formen der Erinnerung und Ausblendung, Imagination und Kommunikation und fordert von den Betrachtenden eine kritische Auseinandersetzung mit der je eigenen Geschichte. Immer bleibt dabei auch die persönliche Verantwortung perspektivbestimmend.

Marcel Odenbach wird 1953 in Köln geboren. Er studiert Architektur, Kunstgeschichte und Semiotik an der Technischen Hochschule in Aachen. Gemeinsam mit Ulrike Rosenbach und Klaus vom Bruch gründet er in den 1970er Jahren ATV, den ersten Kölner Piratensender. Wenn ATV auch lediglich wenige hundert Meter Reichweite hat, so verweist er gleichermaßen auf die Möglichkeiten neuer Technologien wie die Aktualität alter Ideale: Alle könnten nicht nur empfangen, sondern auch senden. Seit 1976 arbeitet Odenbach mit Video, Installation und Performance. Seit 1989 hält er (Gast-)Professuren an der Hochschule der Künste Berlin, der Rijksakademie Amsterdam, der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, der University of California, Los Angeles. Seit 2000 ist er Professor für Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien in Köln.

In seinen frühen Arbeiten thematisiert Odenbach die Eigen- und Fremdwahrnehmung des Selbst (Ich glaube, ich bin mir selbst verlorengegangen, 1978), klärt seine Position als Kunstschaffender in der Kunstwelt und reflektiert dabei stets auch die mediale Vermittlung der künstlerischen Genres selbst (Das große Mißverständnis,1978). Zunehmend bearbeitet er konträre gesellschaftliche Wertvorstellungen, Formen der Erinnerung und Ausblendung, Imagination und Kommunikation und fordert von den Betrachtenden eine kritische Auseinandersetzung mit der je eigenen Geschichte: mit der Ausblendung der Gegenwartskunst im Ausstellungswesen der beginnenden 1980er Jahre (Videorebellen »Westprotest«, 1981, gemeinsam mit vom Bruch, Mields u. Rosenbach), mit der Geschichte, Gegenwart und medialen Vermittlung der DDR, des Mauerfalls (Wenn die Wand an den Tisch rückt, 1990), mit dem neu aufkeimenden Nationalismus im wiedervereinten Deutschland (Niemand ist mehr dort, wo er hin wollte, 1990), dem Thema der Emigration im Videoclip Weep Not Child – Je Ka Bere 1994 oder auch dem Verhältnis von afrikanischer und deutscher Geschichte, bei dem Odenbach erneut historische Aufnahmen mit Eindrücken aus der Gegenwart verknüpft (Ach, wie gut, dass niemand weiß, 1999). Es sind die Fehlleistungen der Erinnerung, die Leerstellen der medialen Vermittlung, denen sich Odenbach auch in der Arbeit In stillen Teichen lauern Krokodile (2002/2004) zuwendet, in der der Genozid in Rwanda bearbeitet wird und die er auch in Jüdisches Leben in München (2006) beschreibt. Hier stehen die durch den Genozid erlittenen (kulturellen) Verluste im Vordergrund. Immer bleibt dabei auch die persönliche Verantwortung perspektivbestimmend.

Marcel Odenbach zeigt seine Arbeiten weltweit in Museen, ist 1988 auf der Documenta VIII in Kassel und den Biennalen in Sao Paulo (2002), Istanbul (2003), Sharjah und Göteburg (beide 2005) vertreten. Seine Arbeiten sind Teil internationaler Sammlungen (u.a. des Centre Georges Pompidou, der National Gallery of Canada, des Kunstmuseum Liechtenstein). Odenbach zählt gemeinsam mit Ulrike Rosenbach und Klaus vom Bruch zu den international anerkanntesten deutschen Videokunstschaffenden.

Marcel Odenbach lebt und arbeitet in Köln.

Literaturauswahl

Herzogenrath, W. (Hg.): Marcel Odenbach. Das im Entwischen Erwischte: Ausst.-Kat. Kunsthalle Bremen, Köln 2008

Schmitz, B.: Marcel Odenbach. In stillen Teichen lauern Krokodile: Ausst.-Kat. Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, Berlin, Köln 2006

Müller, V.; Schafhausen, N. (Hg.): Blenden. Ausst.-kat. Frankfurter Kunstverein u. Kunstraum Innsbruck, New York 2002

Kacunko, S.: Marcel Odenbach. Konzept, Performance, Video, Installation 1975 — 1998, Mainz 1999

Kittelmann, U. (Hg.): Marcel Odenbach. Ach, wie gut, daß niemand weiß: Ausst.-Kat. Kölnischer Kunstverein, Köln 1999

Vischer, Th.: Fremdkörper = Corps étranger = Foreign body. Videoinstallationen von Matthew Barney, Mona Hatoum, Gary Hill, Bruce Nauman, Marcel Odenbach, Bill Viola und speziell zusammengestellte Programme und Videobändern: Ausst.-Kat. Museum für Gegenwartskunst Basel, Basel 1996

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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