Leo Breuer

Seine Arbeit seit den 1960er Jahren ist von kompromisslos konstruktivistisch-systematischem Denken bestimmt. Die konsequente Reduktion der Mittel und der Wunsch nach Vermittlung von Bewegung und Dynamik führen Leo Breuer zur Bildform des Reliefs. Hier findet er zu einer eigenständigen Bildsprache, die von dem stark reduzierten Repertoire der gewählten Bildmittel profitiert.

Leo Breuer wird 1893 in Bonn geboren. Ab 1912 besucht er die Kunstgewerbeschule in Köln, an der er Zeichenunterricht erhält. Nach Teilnahme am I. Weltkrieg und russischer Gefangenschaft setzt Breuer von 1919 bis 1921 den Unterricht an der Kölner Kunstgewerbeschule fort und studiert 1921/22 an der Akademie der Bildenden Künste in Kassel.

Breuers erste künstlerische Arbeiten sind dem grafischen Medium verpflichtet. 1924 beteiligt er sich an dem Wettbewerb für die Plakatgestaltung der Jahrtausendfeier in Bonn, den er gewinnt. 1928 wird er Mitglied der Rheinischen Sezession, bis 1935 führen ihn seine Tätigkeiten als Bühnenbildner und Zeichenlehrer nach Koblenz, Berlin und wieder nach Bonn. Breuers Interessen sind vor allem auf das Porträt und Genre gerichtet. Hier entwickelt er eine realistische Formensprache, die der Neuen Sachlichkeit nahe steht (Der Kohlenmann, 1931). Auch Holzschnitte entstehen.

In der Zeit des Nationalsozialismus als »entarteter Künstler« verfemt, muss Breuer Deutschland verlassen. Zunächst in Den Haag, dann in Brüssel, wird er 1940 von den Nazis inhaftiert und in ein südfranzösisches Internierungslager deportiert.
Nach dem Krieg kommt Breuer als freischaffender Künstler nach Paris, richtet sich 1952 zugleich aber auch ein zweites Atelier in Bonn ein und pendelt zwischen den Städten. In Paris lernt er den französischen Maler Auguste Herbin kennen. Aus dem bald freundschaftlichen Kontakt erwächst seine intensive Auseinandersetzung mit der abstrakten Formgebung. Breuer gerät durch Herbin in den Dunstkreis der Organisatoren des »Salon des Réalités Nouvelles«, jenes durch ein Künstler-, Kuratoren- und Kritikerkomitee betriebenen Ausstellungs- und Publikationsforums, das sich der Präsentation abstrakt-geometrischer Kunst verschrieben hat. Er schließt sich dem Forum 1946 an, nun entstehen vor allem farbige, geometrische Arbeiten, die mit ihrer Reduktion auf Linien und Flächen die radikale Abkehr von seinen früheren gegenständlichen Bildern bezeugen.

Breuers Arbeit seit den 1960er Jahren ist von kompromisslos konstruktivistisch-systematischem Denken bestimmt. Die konsequente Reduktion der Mittel und der Wunsch nach Vermittlung von Bewegung und Dynamik führen ihn zur Bildform des u.a. auch von František Kupka, Hans Arp, Otto Freundlich oder Ernst Wilhelm Nay favorisierten Reliefs. Hier findet Breuer zu einer eigenständigen Bildsprache, die von dem stark reduzierten Repertoire der gewählten Bildmittel profitiert. In seinen Reliefs greift er meist auf einheitliche Holzquader und Leisten zurück, die er jeweils in Farbfassung, Anordnung und Ausrichtung variiert. Mit den Kompositionen bleibt er damit dem vorab festgelegten Vokabular verpflichtet und kann das stets veränderte visuelle Wirkpotenzial der geometrischen Strukturen, der Farbsubstanz und Objektoberfläche systematisch ausloten. Dabei legt Breuer besonderen Wert auf die Einbeziehung der Betrachtenden, deren Perspektivwahl jeweils zu unterschiedlichen visuellen Erfahrungen von Struktur, Farbe und Objekt führt. Neben den Reliefs entstehen auch weiterhin Grafiken, Zeichnungen, Holzschnitte, Serigrafien.

Ausstellungen der letzten Jahre zeigen Leo Breuers Arbeiten u.a. 1993 im Bonner Kunstverein und 2001 im Arithmeum Bonn. Seine Werke sind Teil zahlreicher musealer Sammlungen, so u.a. des Karl-Ernst-Osthaus-Museums in Hagen, des Kunstmuseums Bonn oder des Wilhelm-Hack-Museums in Ludwigshafen.

Leo Breuer stirbt 1975 in Bonn.

Literaturauswahl

Leo Breuer im Arithmeum: Ausst.-Kat. Arithmeum Bonn, hg. v. I. Prinz, Bonn 2000

Leo Breuer. Retrospektive 1893 — 1975: Ausst.-Kat. Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen/Rh., hg. v. R.W. Gassen, B. Holeczek, mit einem Werkverzeichnis v. A. Pohlmann, Heidelberg 1992

Leo Breuer. 1897 — 1975: Ausst.-Kat. Galerie Reichard, Frankfurt/M. 1990

Leo Breuer. Gemälde und Gouachen 1919 — 1968: Ausst.-Kat. Mittelrhein Museum u.a.O., Koblenz 1968

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen

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