László Moholy-Nagy

Durch rege internationale Ausstellungsbeteiligungen, auch in den USA (1926 Brooklyn Museum, New York), Reisen und Künstlerfreundschaften ist Moholy-Nagy ab Mitte der 1920er Jahre international bekannt und reüssiert als Werbedesigner, Filmautor und -regisseur, als Maler und Architekt sowie als Fotograf und Licht-Bildhauer.

László Moholy-Nagy wird am 20. Juli 1895 im habsburgischen Bácsborsód im Süden Ungarns geboren. Das Gymnasium besucht er in Szeged, schließt es 1913 ab und studiert zunächst unter dem Einfluss seines Onkels, der selbst Jurist ist, Rechtswissenschaften in Budapest. Mit seinem Kriegseinzug 1915 bricht er dasStudium ab. Er muss am I. Weltkrieg teilnehmen und wird 1917 verwundet. Während seiner langen Rekonvaleszenz betätigt er sich in Budapest literarisch. Es entstehen Gedichte, Kurzgeschichten und Essays. Bereits während des Militärdienstes hatte er den dortigen Alltag in naturalistischen Skizzen zeichnerisch festgehalten. Diese frühen Zeichnungen sind reportierend, figurativ und naturalistisch. Ab 1918 überwiegt bei Moholy-Nagy das Interesse am bildnerischen Gestalten. Stilistisch orientiert er sich am Expressionismus. In seiner Autobiographie gesteht er rückblickend, dass er mit den zeitgenössischen Phänomenen wie Kubismus, Fauvismus und Futurismus nichts anfangen konnte. 1919 übersiedelt Moholy-Nagy nach Wien. Mit der dortigen Kunstszene unzufrieden, zieht er 1919 nach Berlin, wo er rasch an die Avantgarde der Konstruktivisten, Suprematisten und Dadaisten Anschluss findet.

1921 heiratet Moholy-Nagy die Photographin Lucia Schulz (1894 — 1989): Damit beginnt eine fruchtbare Zusammenarbeit, die seine lichtkinetischen Experimente fördert und unterstützt. Bereits 1922 hat er in der Galerie Der Sturm eine Einzelausstellung. Bei dieser Gelegenheit wird Walter Gropius auf Moholy-Nagy aufmerksam. Es entsteht ein lebenslanger freundschaftlicher Kontakt. 1923 beruft Gropius, der das Bauhaus in Weimar leitet, Moholy-Nagy als Leiter der Metallklasse zum Bauhauslehrer. Seit 1919 beschäftigt er sich mit Fotogrammen zunächst angeregt von der Budapester Photographin Érszi Landau. In Weimar und ab 1925 in Dessau unter dem deutlichen Einfluss von Laszlar El Lissitzky, beschäftigt sich Moholy-Nagy am Bauhaus weiter mit Fotogrammen, Fotografien, Film, lichtkinetischen Skulpturen und den so genannten Fotoskulpturen.
Seine Malerei zeigt abstrakte Kompositionen aus geometrischen Formen. Sein Farbauftrag ist glatt und sucht den Personalstil zu vermeiden, mitunter setzt er eine Farbpistole für die gleichmäßige Verteilung des Farbauftrages ein.

Moholy-Nagy interessiert sich nicht nur für den Stil der russischen Konstruktivisten sondern auch für deren sozialutopische Gesellschaftsideale. Dies fließt auch in seine Haltung als Bauhauslehrer ein. 1925 folgt er dem Umzug des Bauhauses nach Dessau. Mit Fritz Molnár und Oskar Schlemmer veröffentlicht er im gleichen Jahr »Die Bühne im Bauhaus« als 4. Band der Serie der Bauhausbücher. Ebenfalls 1925 entsteht sein erster Film Dynamik der Großstadt und er beginnt, am Filmskript zu Huhn bleibt Huhn (bis 1930) zu schreiben. 1928 als Walter Gropius das Direktorat des Bauhauses niederlegt, verlässt auch Moholy-Nagy Dessau und macht sich in Berlin mit einem eigenen Atelier, das auch Werbe- und Produktdesign anbietet, selbstständig. Bis zu seiner Emigration 1934 zunächst nach Amsterdam prägt er entscheidend die Werbung für die Gefäßentwürfe von Wilhelm Wagenfeld für die Schott’schen Glaswerke in Jena. Durch Moholy-Nagy Kampagnen wird das feuerfeste Jenaer Glas das erste Produkt das für die Devise »form follows function« steht.

Moholy-Nagy trennt sich 1929 von seiner Frau Lucia und heiratet ein Jahr später die Filmschauspielerin, Autorin und späteren Architekturhistorikerin Sibylle Pietzsch (1903 — 1971). Wieder kommt es zu einer fruchtbaren, künstlerischen Zusammenarbeit. Durch rege internationale Ausstellungsbeteiligungen, auch bereits in den USA (1926 Brooklyn Museum, New York), Reisen und Künstlerfreundschaften ist Moholy-Nagy ab Mitte der 1920er Jahre international bekannt und reüssiert als Werbedesigner, Filmautor und -regisseur, als Maler und Architekt sowie als Fotograf und Licht-Bildhauer. Ab 1934 unterhält er ein Atelier in Amsterdam, pendelt von dort häufig nach London, um seine photographischen Kenntnisse im Bereich der Farbfotografie zu erweitern. Dort erwirbt er eine Leica-Kamera im Mittelformat (35 mm), mit der bis zu seinem Tode experimentiert und arbeitet. Abzüge davon sind wenig erhalten, da die Prozesse der Farbentwicklung und –abzüge in dieser Zeittechnisch noch nicht ausgereift sind.

1935 übersiedelt Moholy-Nagy und seine Familie nach London, wo er bis 1937 zusammen mit György Kepes als Werbedesigner arbeitet. Dort beginnt Mohly-Nagy erstmals auf transparenten Acrylglasplatten zu malen. Die Idee, einen transparenten Malgrund zu nutzen, hatte Marcel Duchamp bereits in den Jahren 1915 — 23, in denen er mit seinem Großen Glas experimentierte. Zum Werk Mohly-Nagy läuft 1937 in London eine Retrospektive in der London Gallery. Im gleichen Jahr, durch Walter Gropius vermittelt, ist Mohly-Nagy Direktor des in Chicago gegründeten New Bauhaus-American School of Design, das bis 1938 besteht. Zugleich kann Moholy-Nagy seine Bauhausarbeiten und –projekte der Jahre 1919 — 28 im Museum of modern Art in New York zeigen. Im Februar 1939 eröffnet Mohly-Nagy in Chicago seine eigene School of Design, die er bis zu seinem Tod leitet. In den letzten sieben Jahren in den USA ist Moholy-Nagy erfolgreich in all seinen künstlerischen Sparten tätig und legt als Lehrer das Fundament für die amerikanische Designentwicklung der Zeit nach dem II. Weltkrieg.

Bis zu seinem Tod am 24. November 1946 in Chicago arbeitet Mohly-Nagy als Künstler und Lehrer.

Literaturauswahl

Stanic, M. (Hg.): Art et espace. Perception et représentation Paris 2007

Sahbi, J.: Filmische Sinneserweiterung: László Moholy-Nagys Filmwerke und Theorie, Marburg 2006

James, K. (Hg.): Bauhaus culture. From Weimar to the Cold war, Minneapolis 2006

Albers and Moholy-Nagy. From Bauhaus to the New World:Ausst.-Kat. Tate Modern, hg. v. A. Borchardt-Hume, London 2006

László Mohly-Nagy. Color in Transparency. Fotographische Experimente in Farbe, 1934 — 1946:Ausst.-Kat. Bauhaus-Archiv, hg. v. J. Fiedler u. H. Moholy-Nagy, Berlin/ Göttingen 2006

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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