Kuno Gonschior

In formalen oder thematischen Serien, auf der Grundlage der Farbtheorie von Josef Albers, sind ab 1959 für Gonschior die Raumwirkung der Farbe, die Farbinteraktion, die retinalen Nachbilder und Vexierungen in den Augen der Betrachter und das Ausreizen der Komplementärkontraste mit und in seiner Malerei grundlegend.

Kuno Gonschior ist am 10. September 1935 in Wanne-Eickel geboren. An der Kunstakademie in Düsseldorf studiert er von 1957 bis 1961 – ab 1959 in der Malklasse von Karl Otto Götz – zusammen mit Gotthard Graubner und HA Schult. Bereits 1959 löst er sich von der abstrakten, expressiv gestischen Malerei, die Karl Otto Götz lebenslang variiert, und wendet sich der konsequenten, nahezu wissenschaftlichen, malerischen Untersuchung der Farbsubstanz zu. In formalen oder thematischen Serien, auf der Grundlage der Farbtheorie von Josef Albers, sind ab 1959 für Gonschior die Raumwirkung der Farbe, die Farbinteraktion, die retinalen Nachbilder und Vexierungen in den Augen der Betrachter und das Ausreizen der Komplementärkontraste mit und in seiner Malerei grundlegend.

Von 1961 bis 1963 setzt er sein Studium in Köln fort. Zunächst als Kunsterzieher in weiterführenden Schulen bildet er ab 1972 an der Pädagogischen Hochschule in Münster selbst angehende Kunstlehrer aus. Zusammen mit anderen rheinischen Künstlern u.a. mit Günther Dohr gründet Gonschior die Künstlergruppe »B1«. Alle Beteiligten leben und arbeiten am ehemaligen Ruhrschnellweg B1, dem die heutige A40 in der Route folgt. Ein gemeinsames Ziel der Gruppe »B1« war, das durch Schwerindustrie und Bergbau geprägte Ruhrgebiet kulturell aufzuwerten.

Gonschiors malerisches Arbeiten, ob auf Leinwand, auf Sperrholzplatten, als Rauminstallation oder im öffentlichen Raum, ist als serielles Arbeiten sowohl der konkreten Kunst als auch der Op Art verpflichtet. Ab den 1960er Jahren setzt er auch Neonfarben ein, die erst bei Schwarzlicht ihre optische Farbsuggestion voll entfalten. Das formale Grundmodul ist meist der kleine Farbort oder Farbfleck, der die Leinwand im All-Over bedeckt. Diese kleinen, mit dem Pinsel gesetzten Farborte verdichten sich mitunter bis zur Überlagerung oder erweitern ihre Abstände. Gonschior setzt sowohl komplementäre Farbflecke gegen-, an- und übereinander oder arbeitet mit tonalen Valeurs. In beiden Fällen entstehen Farbräume, Farbwolken, hellere und dunklere Farbzonen, die ein bildinternes Farblicht sowie eine Farbbewegung erzeugen.

1977 ist Gonschior auf der Documenta VI in Kassel vertreten, ab da setzen für ihn internationale Ausstellungen besonders in den USA und in Japan ein. Im Jahr 1982 erhält Gonschior eine Professur für Malerei an der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin, die er bis zu seiner Emeritierung 2000 inne hat. In Rauminstallationen inszeniert Gonschior nun auch Farbzeit. Von der Decke lässt er in Schwarzlichträumen Buntfarben herab tropfen. Rezensenten seiner Ausstellungen bezeichnen ihn als Farbforscher, als Farbmagier und nennen seine Bilder »Farbhexereien«.

Mitte der 1990er Jahre werden Gonschiors Farbexperimente quasi lyrischer. Er nennt seine Serien nun Landscapes oder Paysages und erzielt über den erstellten Farbraum tatsächlich der menschlichen Naturerfahrung Adäquates. Dass Gonschior immer mit der Wahrnehmung des Betrachters künstlerisch kalkuliert, beweist der von ihm 2008 im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg gewählte Ausstellungstitel »nur für dich und mich«. Ganz intim teilt hier Gonschior sein großes Wissen um Farbsubstanz, ihrer Wirkung und ihrer Wahrnehmung mit dem Betrachter. 1999 mit dem Kritikerpreis geehrt verlegt Gonschior ab 2000 sein Lebenszentrum wieder nach Bochum. Dort verstirbt er am 16. März 2010.

Literaturauswahl:

Gabriel, John William: Malerei – Kuno Gonschior, Bönen 2003

Kuno Gonschior, nur für dich und mich: Ausst.-Kat. Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg, hg. von Walter Smerlin, Bonn 2008

Streletz, Werner: Kuno Gonschior – der Forscher auf dem Feld der Farbe, Nachruf vom 17.03.2010, in: WAZ

Zemter, Wolfgang (Hg.): Kuno Gonschior, Bönen 2000

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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