Konrad Lueg (Fischer)

Animiert von Schmela gründet Lueg, der ab jetzt wieder den Familiennamen seines Vaters trägt, 1967 seinen Raum Ausstellungen bei Konrad Fischer in der Düsseldorfer Altstadt. Unmittelbar reagiert die Fachpresse, auch in den USA, und schreibt ihm das Attribut des Avantgarde-Galeristen auf den Leib. Bald ist er eine Instanz und die Galerie ein Hot Spot der internationalen zeitgenössischen Kunst, vor allem für Concept und Minimal.

Konrad Lueg, geboren 1939 in Düsseldorf, ist von 1958 bis 1968 – im ersten Teil seines Lebens mit Kunst – Maler. Im zweiten Teil bis zu seinem Tod 1996 ist er einer der wichtigsten Galeristen in Deutschland. Zunächst studiert der Schulabbrecher ab 1958 an der Düsseldorfer Kunstakademie Malerei, ab 1960 in der Klasse von K.O. Götz, und führt ein beinahe klischeehaftes Künstlerleben in der Akademie und den Kneipen der Altstadt. Vermutlich auf Grund seiner politischen Unbequemlichkeit wird er 1962 der Hochschule verwiesen. Er betrachtet sein Studium wohl selbst als abgeschlossen, denn er verlässt sich ohnehin mehr auf seine eigene Tatkraft als auf ein offizielles Künstlerdiplom.

Lueg, der weitreichende Kontakte zu Künstlerkollegen pflegt, plant die Interessensgemeinschaft »Gruppe 63«, die junge Kunst fördern soll. Sie wird zwar nie gegründet, dennoch organisiert Lueg einen temporären Ausstellungsraum und zeigt zum ersten Mal deutsche Pop Art. In seiner Malerei und Druckgrafik wendet er sich dem Stil Roy Lichtensteins und Robert Rauschenbergs zu, nachdem er Reproduktionen ihrer Werke in Zeitschriften gesehen hatte: flächig, plakativ, auf Basis einfacher, gedruckter Bildmotive aus Alltagskultur und Warenwelt. Zuvor hatte er sich stärker an der informellen Kunst vor allem Cy Twomblys orientiert. Schnell folgen weitere Ausstellungen wie »Leben mit Pop – Eine Demonstration für den kapitalistischen Realismus« im Oktober 1963. Der Begriff »kapitalistischer Realismus« legt zwar eine gesellschaftskritische Botschaft einerseits an das gegenwärtige Wirtschaftswunderland BRD und andererseits an den »sozialistischen Realismus« der DDR nahe, die Werke der jungen Künstler aber bleiben ironisch und spaßig. Lueg schlägt als Künstler nie einen politischen Weg ein, unterstützt als Galerist später aber explizit politische Künstler wie Joseph Beuys.

1966 wählt Lueg Sportfotos aus der Zeitung als Vorlagen, beispielsweise im Bild Cassius Clay. Mit solchen Motiven bestreitet er seine erste Soloausstellung beim Galeristen Alfred Schmela in Düsseldorf. Im selben Jahr zeigt er bei René Block in Berlin »Waschlappen und Handtücher«; Leinwände, die vollständig mit Allerwelts-Mustern dieser Textilien bemalt sind. Im Siebdruck befasst er sich mit Karo- und Streifenmotiven, er baut große, luftgefüllte Würfel, und in seinem letzten Werkkomplex, Schattenwände (1968), experimentiert er mit Licht. Zwar hat Lueg mit seiner Kunst einigen Erfolg, von ihr leben kann er jedoch nicht und so zieht er sich 1970 endgültig zurück. Umso mehr Erfolg hat er mit seinen Ausstellungen: Als er 1968 nicht zum lokalen »Kölner Kunstmarkt« eingeladen wird, organisiert er eine internationale Kunstmesse in Düsseldorf, den »Prospekt 68«. Sie zieht mehr als 14.000 Besucher an und wird bis 1976 mit großer Resonanz weitere vier Mal stattfinden.

Animiert von Schmela gründet Lueg, der ab jetzt wieder den Familiennamen seines Vaters trägt, 1967 seinen Raum Ausstellungen bei Konrad Fischer in der Düsseldorfer Altstadt. Unmittelbar reagiert die Fachpresse, auch in den USA, und schreibt ihm das Attribut des Avantgarde-Galeristen auf den Leib. Bald ist er eine Instanz und die Galerie ein Hot Spot der internationalen zeitgenössischen Kunst, vor allem für Concept und Minimal. Verschiedentlich eröffnet Fischer lokale und internationale Dependancen (Italien, USA, Schweiz), die aber keinen dauerhaften Bestand haben. Er fördert internationale ebenso wie junge Künstler aus dem lokalen Umfeld, insbesondere von der Düsseldorfer Akademie. Mit großem Erfolg – heute liest sich die Namensliste der Galerie Konrad Fischer wie das Who is Who der Kunst seit den 1960er Jahren. Konrad Fischer stirbt 1996.

Literaturauswahl

Kölle, Brigitte: Die Kunst des Ausstellens. Untersuchungen zum Werk des Künstlers und Kunstvermittlers Konrad Lueg / Fischer (1939 1996), Dissertation an der Universität Hildesheim 2005, im Netz erschienen: opus.bsz-bw.de/ubhi/volltexte/2011/91/ [19.05.2014]

Ich nenne mich als Maler Konrad Lueg: Ausst.-Kat. P. S. 1 Contemporary Art Center, New York; Kunsthalle Bielefeld; Stedelijk Museum voor Actuele Kunst Gent, hg. v. Thomas Kellein, Bielefeld 1999

Fischer, Dorothee (Hg.): Ausstellungen bei Konrad Fischer Düsseldorf, Oktober 1967 – Oktober 1992, Bielefeld 1993

Hans Strelow: »Leben mit Pop. Eine Demonstration für den kapitalistischen Realismus von Konrad Lueg und Gerhard Richter, Düsseldorf«, in: Katharina Hegewisch und Bernd Klüser (Hg.): Die Kunst der Ausstellung. Eine Dokumentation dreißig exemplarischer dieses Jahrhunderts, Frankfurt am Main/ Leipzig 1991, 166 171

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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