Konrad Klapheck

Vor die Aufgabe eines Stilllebens gestellt, entsteht mit der Schreibmaschine der Marke »Continental« im Jahr 1955 sein erstes Maschinenbild. Den anthropomorphen Maschinen Klaphecks eignet eine kalte Aggressivität an, die der hochindustrialisierten, beschleunigten modernen Welt ebenso begegnet wie den Strategien der Massenmedien und Konsumwelt.

Konrad Klapheck wird am 10. Februar 1935 als einziger Sohn der beiden Kunsthistoriker Richard und Anna Klapheck in Düsseldorf geboren. Sein Vater ist bereits seit einem Jahr seiner Professur für Kunstgeschichte an der Düsseldorfer Akademie durch die Nazis enthoben. Der frühe Tod des Vaters führt Klapheck später nach eigenen Aussagen zur Suche nach neuen engen Bezugspersonen, die er u.a. mit seinem Akademieprofessor in den Jahren 1954 bis 1958, Bruno Goller, findet: »… auch er einer meiner Ersatzväter. Er hatte ein Lebenswerk aus Kaffeemühlen, Hüten und Regenschirmen, das mich schon als Dreizehnjährigen verzauberte. Heute habe ich ein schlechtes Gewissen (…). Ich habe das Gefühl, ihn ausgebeutet, mich auf seine Schultern gestellt zu haben … Ich nahm seine Sicht der Dinge, fügte meine Neigung zur Perfektion und Brillanz hinzu und schob meine Bilder durch die Titel auf die Ebene einer Selbstanalyse.« (zit. n.: Konrad Klapheck: Warum ich male, in: Ausst.-Kat. Recklinghausen 2006, o.S.). Etliche weitere Künstlerbegegnungen – u.a. mit Marcel Duchamp, Max Ernst, Yves Klein, André Breton oder Renè Magritte – zeigen die künstlerischen Bezugspunkte Klaphecks, dem in der deutschen Malerei nach 1945 eine Sonderstellung zufällt.
Nach Leipzig umgezogen, erlebt Klapheck am 4. Dezember 1943 die Bombardierung und den Brand der Stadt, deren roter Feuerhimmel ihn fasziniert und bis zu dem späteren roten Grund eines seiner Hauptwerke Der Krieg von 1965 (1973 erworben für die Kunstsammlung NRW) seine Faszination behält. Während seiner Jugend und Gymnasialzeit in Düsseldorf fördert Kaphecks Mutter, die seit 1945 eine Professur für Kunstgeschichte an der Düsseldorfer Akademie inne hat, seine künstlerische Ausbildung. Die Zeichnung einer Schraube in vielfacher Vergrößerung aus dieser Zeit mag als erste Hinwendung zu industriell produzierten Materialien und Gegenständen gelten, die für seine künstlerische Arbeit elementare Bedeutung erlangen. Bis zur Aufnahme des Kunststudiums prägt eine klassische Bildungsreise durch Italien, aber auch die Beschäftigung mit den Jazzgrößen seiner Zeit – ein Themenfeld, auf das er auch mit einer späteren Motivreihe ab 2004 zurück kommt –Klaphecks Ausbildungszeit.

Nach dem Abitur und einem Besuch Max Ernsts in Paris nimmt Klapheck im Herbst das Studium der Malerei bei Bruno Goller an der Düsseldorfer Akademie auf. Nicht das zeitaktuelle Informel, sondern die gegenständliche Malerei wird sein Arbeitsfeld. Vor die Aufgabe eines Stilllebens gestellt, entsteht mit der Schreibmaschine der Marke »Continental« im Jahr 1955 sein erstes Maschinenbild. 1956/57 ist Klapheck erneut für sechs Monate in Paris und wird dort von seinem Malerfreund Christian d’Orgeix darin bestärkt, sich weiter dem Motiv Maschine zu zuwenden. Das erste Nähmaschinenbild Die gekränkte Braut entsteht. Nähmaschinen, Bügeleisen aber auch Bohrmaschinen folgen. Die Titel seiner Maschinen-, Duschen-, Armaturen- und Feuerwehrschlauchbilder zwingen sich ihm, so Klapheck, direkt auf. Die Konnotation der Motive, ihre ironische Dimension und verfremdende Lakonie bestimmt den Ausdrucksgehalt der Bilder, die nie Porträts sind, sondern immer die Disfunktion der Gegenstände fokussieren und damit zugleich Doppeldeutigkeit gewinnen.

Klaphecks glatter, unstrukturierter Farbauftrag, die Verfremdung der Objektfarbe selbst zu oft grisaillehaften Farbpaletten, der gestaltlose Malgrund als reine Farbfläche und die wie selbstleuchtende Gegenständlichkeit seiner Objekte sind künstlerische Eingriffe, die die Maschinen wie anthropomorph vitalisiert und als einer Eigengesetzlichkeit unterworfen erscheinen lassen. Klapheck konstruiert exakt mit Lineal, Zirkel und Kurvenlineal die Konturen in Vorzeichnung auf die Leinwand, Vorlagen sind Fotos von Werbeprospekten. Eine Zuordnung der Bilder ab den 1960er Jahren zum Hyperrealismus wie auch zu den Konsumikonen der Pop Art erscheint naheliegend. Erstaunlich sind die Parallelen zum Werk Richard Lindners (1901 — 1978), der in den USA ab 1950 die Pop Art antizipierend, sich mit maschinenartigen Figuren in grelle Großstadtumgebung stellt. Den anthropomorphen Maschinen Klaphecks eignet ebenso wie den uniformierten Homunkuli Lindners eine kalte Aggressivität, die der hochindustrialisierten, beschleunigten modernen Welt ebenso begegnet wie den Strategien der Massenmedien und Konsumwelt.

Bereits 1959 kauft der New Yorker Galerist Georges Stümpfli sechs Bilder Klaphecks und zeigt sie zusammen mit Yves Klein und Lucio Fontana. Im gleichen Jahr hat Klapheck seine erste Einzelausstellung in der Düsseldorfer Galerie Schmela. Von da an reussiert Klapheck international mithilfe weiterer renommierter Galerien für Gegenwartskunst – in den USA (Leo Castelli), in Frankreich, dann dem Galeristen Arturo Schwarz in Mailand verdankt, in Italien. Auf der Documenta III ist Klapheck 1964 vertreten, 1966 folgt seine erste von Wieland Schied zusammengestellte Retrospektive in Hannover und Wuppertal. 1976 bis 2002 leitet Klapheck die Klasse für Freie Malerei an der Düsseldorfer Akademie. Mit Radierungen beschäftigt er sich ab1976 intensiv. Umfangreiche Werkschauen widmen sich seinen Arbeiten 1985 in Hamburg, Tübingen und München. 1992 wendet sich Klapheck von der bis dato werkbestimmenden Maschinenmotivik ab und setzt seine Arbeit mit Akt- und Porträtstudien fort. Ab 2004 entstehen Jazzmotive unter dem Motto Swing Brother Swing, mit denen er noch einmal an seine frühen Interessen der 50er Jahre anknüpft.

Konrad Klapheck lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Literaturauswahl

Klapheck: Swing Brother Swing: Ausst.-Kat. Galerie Lelong, hg. v. F. Marmande, Paris, Zürich, New York 2010

Bell, K. (Hg.): Konrad Klapheck. Paintings from 1955 to 1998, Göttingen 2008

Klapheck, K. (Hg.): Konrad Klapheck – Werkverzeichnis der Druckgraphik, 1981 — 2007, Ulm 2007

Menschen und Maschinen. Bilder von Konrad Klapheck: Ausst.-Kat. hg. v. F. Ullrich, Recklinghausen 2006

Konrad Klapheck Porträtzeichnungen 1992 — 2002 mit Zeichnungen von Wanda Richter-Forgách, München 2002

A. Schwarz: Klapheck, Mailand 2002

Konrad Klapheck. Retrospektive 1955 — 1985, Ausst.-Kat. hg. v. W. Hoffmann, München 1985

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