Klaus vom Bruch

»Ziel meiner Arbeiten ist, zu untersuchen, was das eigentlich ist, in einer bestimmten Zeit zu leben, sich mit der politischen und kulturellen Atmosphäre auseinandersetzen zu müssen. Das ist so wie eine zwanghafte Massnahme. Ich muss etwas tun, das mir das Leben mit Bildern erklärt« (Klaus vom Bruch, in: Eikon 24/1998).

Klaus vom Bruch wird 1952 in Köln geboren. Er studiert Konzeptkunst am California Institute of the Arts in Valencia (1975 — 76) und anschließend Philosophie an der Universität Köln (bis 1980). Gemeinsam mit Ulrike Rosenbach und Marcel Odenbach gründet er die unabhängige Künstlerproduzentengruppe ATV, die den ersten Kölner Piratensender unterhält und gleichermaßen auf die Möglichkeiten neuer Technologien wie die Aktualität alter Ideale verweist. Klaus vom Bruch erhält zahlreiche Stipendien und Preise. 1992 — 98 hält er eine Professur an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, 1999 wechselt er an die Akademie der Bildenden Künste München. 2000 wird er Gastprofessor an der Columbia University in New York.

Klaus von Bruch setzt sich kontinuierlich mit politischen und historischen Kontexten auseinander und stellt sich dabei auch dem problematischen Zusammenhang von Technologie und Macht. Seine ersten Arbeiten sind Videobänder (u.a. The Propeller Tape, 1979; The Allies Tape 1982, Kobolds Gesänge, 1986), später entwickelt er Installationen. In der Arbeit Radarzylinder, Verdun-Stück Rot Nr. 3 (1991) thematisiert er die Schlacht um Verdun mit Hilfe von Radaraufnahmen und verweist auf technologische Innovation und deren zumeist militärischen Ursprung. In seinem Jam-Jam-Projekt (1993) lässt er sich auf die Anordnung zweier beweglicher Videoprojektoren ein, die auf Wägen und in Deckenschienen montiert sind und so den Ausstellungsraum abfahren. Zusammen mit zwei fixen Projektionen – sie zeigen Gaddafi und Walter Ulbricht – ergeben sich zahlreiche Überlagerungsebenen jenseits einer linearen Wahrnehmungsmöglichkeit der Arbeit. In Cuba, Cuba, Cuba (1997) installiert er drei überdimensionale sich drehende Scheiben, die als Projektionsflächen dienen. Der militärisch-industrielle Komplex (1997) zeigt zwei weibliche und zwei männliche Porträts abwechselnd nebeneinander montiert. Die Gesichter sind jeweils in ihrer Mitte gespalten und bewegen sich in einzelnen Hälften asynchron auf und ab. Ihr offenbares Funktionieren trotz Spaltung wird von militärischem Stampfen begleitet.

»Ziel meiner Arbeiten ist, zu untersuchen, was das eigentlich ist, in einer bestimmten Zeit zu leben, sich mit der politischen und kulturellen Atmosphäre auseinandersetzen zu müssen. Das ist so wie eine zwanghafte Massnahme. Ich muss etwas tun, das mir das Leben mit Bildern erklärt« (Klaus vom Bruch, in: Eikon 24/1998). Dazu bezieht sich vom Bruch konzentriert auf Fremdmaterial, auf Bilder der Massenmedien, Werbematerial, historische Ereigniskonstallationen, die er in oft räumlichen Kontexten mit seiner Gegenwartswahrnehmung konfrontiert – Collagen, Montagen, verwirrende Ton- und Klangkonstellationen und Bildsequenzen, Found-footage-Kompilationen.

Klaus vom Bruch zeigt seine Arbeiten u.a. auf den Biennalen in Paris, Venedig und Lyon, auf der Documenta VIII, sowie in zahlreichen Museen in Europa und den USA. Er ist in internationalen Sammlungen vertreten. 2009 sind seine Arbeiten im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg und im Los Angeles County Museum of Art zu sehen.

Klaus vom Bruch lebt und arbeitet in Köln und in Los Angeles.

Literaturauswahl

Ingo, W. (Hg.): Art of the 20th Century, Köln 2000

Rewind to the future: Ausst.-Kat. Bonner Kunstverein, hg. v. A. Pohlen, Bonn 1999

Malsch, Fr.: Klaus vom Bruch. Videobãnder 1975 bis 1984, Köln 1993

Haenlein, C. (Hg.): Klaus vom Bruch. Video-Installationen, Hannover 1990

Klaus vom Bruch, Radarraum: Ausst.-Kat. Städtisches Museum Abteiberg, Köln 1988

www.kvb.com

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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