Klaus Geldmacher

Seine künstlerischen Aktivitäten sind gleichermaßen von der Auseinandersetzung mit neuen, technisierten Formen der Objektkunst wie einem kontinuierlichen kunstpolitischen und anhaltenden musikalischen Interesse geprägt. Stets hat Klaus Geldmacher die Kunst im gesellschaftlichen und politischen Kontext gesehen.

Klaus Geldmacher wird 1940 in Frankfurt am Main geboren. Aufgewachsen im hessischen Röthges, macht Geldmacher in Frankfurt Abitur und wendet sich zunächst ganz der Musik zu. Ab 1957 spielt er als Trompeter in verschiedenen Jazz- und Bluesbands, nimmt an Festivals teil. Auch die anschließende Zeit in Hamburg, wohin er 1961 umzieht, steht zunächst noch unter dem Zeichen der Musik. Nach einigen Semestern im pädagogischen Fachbereich, absolviert Geldmacher zunächst einige Probesemester u.a. bei Alfonso Hüppi. 1965 erhält er die endgültige Zulassung und studiert bis 1970 bei Hans Michel. Im Anschluss setzt Geldmacher sein politisches Engagement als Student auch im Berufsleben fort. In Bonn arbeitet er 1972 — 73 als Gutachter für den SPD-Parteivorstand, dann als
Kunstsachverständiger und übernimmt schließlich die Geschäftsführung der Internationalen Gesellschaft der Bildenden Künste. In Berlin, wohin Geldmacher 1974 — 76 übersiedelt, arbeitet er als Sekretär des Deutschen Künstlerbundes, kehrt 1977 jedoch Hamburg zurück und wendet sich nach weiteren (kultur-) politischen Aufgaben 1982 — 84 der journalistischen Tätigkeit bei der Hamburger Rundschau zu. Ab 1987 in Düsseldorf, erhält er erste Werkstipendien und Preise, wird 1992 — 2001 Bundesvorsitzender der IG Medien-Bildende Kunst.

Geldmachers künstlerische Aktivitäten seit den 1960er Jahren sind gleichermaßen von der Auseinandersetzung mit neuen, technisierten Formen der Objektkunst wie einem kontinuierlichen kunstpolitischen und anhaltenden musikalischen Interesse geprägt. Stets hat der Künstler die Kunst im gesellschaftlichen und politischen Kontext gesehen, neben eigenen Lichtobjekten, elektrisch bzw. akustisch gesteuerten Arbeiten auch die institutionelle Seite des Kunstbetriebs begleitet. Während des Studiums in Hamburg entstehen zunächst noch figürliche wie ornamental ausgerichtete Grafiken und Aquarelle. Beim Besuch der Documenta III scheint Geldmacher aber auf lichtkinetische Arbeiten aufmerksam zu werden, die seine künstlerischen Schwerpunkte verändern. Auf der folgenden Documenta IV im Jahr 1968 ist er bereits mit dem gemeinsam mit Francesco Mariotti entwickelten Projekt Geldmacher – Mariotti, einer würfelförmigen Klangskulptur aus Stahl, Glühbirnen, Neonröhren und einem Rotor vertreten, an der sich über eine Klaviatur Klänge erzeugen lassen. Die Lichtobjekte sieht Geldmacher auch als Beiträge zu einem offenen, gesellschaftsrelevanten Kunstverständnis, das die Kunst als Informationsträger und Kommunikationsmittel der kritischen Auseinandersetzung versteht. So sind auch in den folgenden Arbeiten die politischen Ziele des Künstlers eng an die Konzeption der Objekte gebunden, die auch durch ihren technischen Aufbau und die Materialien erkennbaren Gegenwartsbezug suchen. Zu Geldmachers programmatischem Kunstverständnis zählt, wie auf der Documenta IV bereits ersichtlich, auch in den folgenden Jahren die enge Kooperation mit anderen Künstlern, so beispielsweise mit dem Objekt- und Akustikkünstler Edmund Kieselbach oder dem Maler und Objektkünstler Romen Banerjee, mit denen er auch gemeinsam an Ausstellungen teilnimmt.

Geldmachers Lichtobjekte zeichnen sich ebenso durch ihre technische Funktionalität wie durch ihre gleichermaßen reliefartig-skulptural wie grafisch wirkenden Qualitäten aus. So zeigen frühe Objekte (Gut Strom 1,1965) einen klaren, nach Funktionseinheiten strukturierten Aufbau der Paneele und flachen Kästen, an denen sich Systemfunktionen über Licht und Bewegung vermitteln. Ende der 1960er Jahre entstehen auch größere Objekte, in die zunehmend leuchtende Glühbirnen integriert werden, die zum Teil aber auch mit Elementen aus Spielautomaten oder Leuchtreklamen ihr Formenrepertoire aus dem städtischen Alltagsleben beziehen (Rabbeldiekatz, 1967) und erkennbar auf den Betrachter ausgerichtet sind – ein Aspekt, der ab 1975 in der gemeinsam mit Edmund Kieselbach und Rolf Glasmeier gegründeten Gruppe »multi« (Kunst zum ansehen-anhören-anfassen) programmatischen Charakter annimmt. Die Werktitel der nun auch als Multiples angelegten Auflagen-Objekte, die u.a. in der Edition MAT (Multiplication d’Art Transformable) erscheinen, der ausgehenden 1960er Jahre stellen oft auch spielerisch-hintergründige Bezüge zur ökonomischen und politischen Gegenwart her (GM-Aktie, 1968; Geldmacher 1, 1968). Auch die Fernsehtechnik hält, so beispielsweise mit Geldmacher 6 (1970), Einzug in die nun zum Teil auch in durchsichtigen Plexiglasgehäusen eingebauten Objekte.

Zu Geldmachers demokratischem, gegenwarts- wie publikumsbezogenen Kunstverständnis zählen ebenfalls gemeinsame Künstleraktionen und Umfragen, die – vergleichbar mit Beuys’ künstlerisch-politischen Aktivitäten der Zeit – auf die Aufhebung der Grenzen zwischen Kunst und Leben, Kunst und Politik rekurrieren und sich auf den Warencharakter der Kunst beziehen (Umfrage Kunst als Ware, 1971). In diesen Grenzbereich fallen auch architektonische Entwürfe für den öffentlichen Raum, so u.a. ein Entwurf für eine Fußgängerbrücke im Jahr 1972 (Steglitzer Kreisel), aber auch überdimensionierte, beleuchtete Alltagsobjekte mit Musik z.B. Gil Evans oder Udo Lindenbergs (Bleistift mit Spitzer,1975; Waschbecken mit Spiegel, 1976).

In den 1980er Jahren lassen Geldmachers Skulpturen Verbindungen von Lichtobjekt und Malerei, von Leuchtkörpern und hölzernen Bildträgern (Ohne Titel (Amok),1983) erkennen, die bisweilen an dadaistische Objektkompositionen erinnern (Ohne Titel (Sprossenobjekt), 1985), zum Teil auch Assemblagen mit zeichenhaft-grafischem Charakter darstellen. Auch in dieser Zeit bleiben Geldmachers musikalische Interessen wach, wo er beispielsweise mit transparenten Lautsprecherboxen oder der Arbeit Jean-Michel-Jarre: Oxagene (1985) klang- und musikerzeugende bzw. übertragende Objekte entwickelt. In Zusammenarbeit mit Edmund Kieselbach integriert er diese auch in größere Raum- wie Licht- und Klang-Installationen (Rauminstallation I, 1987; Heller Klang, 1987). Erneut in Kooperation mit Mariotti entwickelt Geldmacher seit den 1990er Jahren auch große, nun solargesteuerte Objekte und buntfarbene Lichtskulpturen für den öffentlichen Raum (Super-Lucciola, 1991; Euro, 1999; Firefly-Lichtinseln, 2002).

In jüngerer Zeit werden Geldmachers Lichtobjekte u.a. 2001 im Kunstverein Emsdetten, 2002 in der Neuen Galerie Kassel, 2004 im Skulpturenmuseum Glaskasten in Marl (»Licht- Klang-Medien«), im Kunstmuseum Celle und 2006 im ZKM Karlsruhe (»Lichtkunst aus Kunstlicht«) gezeigt.

Klaus Geldmacher lebt und arbeitet seit 1997 in Mülheim an der Ruhr.

Literaturauswahl

Kunst und Politik. Klaus Geldmacher, von 1940 bis heute: Ausst.-Kat. Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr, Mülheim 2000

Banerjee, R.; Geldmacher, K. (Hg.): Leuchtmontagen. Ein erotischer Konsens, Berlin 1995

Schüppenhauer, Chr.; Schmid, Karlheinz: Klaus Geldmacher: Lampenfieber – Tonstörung. Licht- und Klangobjekte 1986 — 1988, Köln 1988

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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