Kenelm Cox

Die frühen kinetischen bzw. motorisierten Objekte, die in Cox kurzer und 1968 jäh endender Schaffenszeit entstehen, machen sein Interesse an absurden und doppelsinnigen oder entkontextualisierten sprachlichen und zeitlichen Phänomenen erkennbar.

(Albert Richard William) Ken(elm) Cox wird 1927 in Wotton Under Edge/ Gloucestershire geboren. Ab 1949 studiert er am UWE Art College in Bristol. Nach Anfängen in der Zeichnungen und Wandmalerei wechselt Cox 1949 — 51 an die Camberwell Art School, an der er Malerei studiert. Nach dem Studium arbeitet er als Lehrer und wendet sich, ab 1955 in Lasborough/ Gloucestershire, der Landschaftsmalerei zu. 1958 — 62 lebt er in London und unterrichtet an der Acland Burghley School. In London entstehen weitere Landschaftsbilder. Mit dem erneuten Umzug nach The Park, Kingscote / Gloucestershire ändern sich die künstlerischen Interessen von Cox. Hier arbeitet er, wegweisend für seine weiteren Arbeiten, in engem Kontakt mit anderen Künstlern und Dichtern, so u.a. mit Dom Sylvester Houédard und John Furnival, an ersten Wall sculptures, motorisierten Objekten und Zeichenmaschinen (Harmonograph drawing machine, 1966), die ihn nun ganz von der Malerei wegführen. Seine Aufmerksamkeit liegt nun zunehmend auf Phänomenen des (Wort-) Spiels, der Beweglichkeit und Veränderlichkeit, von Licht und Schatten. Die Lehrertätigkeit setzt Cox 1962 — 68 am Gloucestershire College of Art in Cheltenham und Stroud fort.

Die frühen kinetischen bzw. motorisierten Objekte, die in Cox kurzer und 1968 jäh endender Schaffenszeit entstehen, machen sein Interesse an absurden und doppelsinnigen oder entkontextualisierten sprachlichen und zeitlichen Phänomenen bereits erkennbar: Auf dem ersten Brighton Arts Festival 1967 präsentiert er dieFloating Sculptures – auf dem Wasser treibende Worte (»Passion«, »Love«, »Beauty«), deren schwankende Präsenz sich gleichermaßen dem umgebenden Medium Wasser wie dem jeweiligen Betrachterstandort verdankt. Auch die beleuchteten wie beschrifteten Balloons (1966), mit denen Cox sich den Elementen in räumlich formierten Lichtskulpturen zuwendet, oder die Graces sculptures (1968), in denen er Buchstaben und Wortfolgen zu beweglichen typografischen Licht- und Schattengebilden formiert, und Objekten wie das Moving Letter Board, das er als uhrenähnliche automatisierte Wortmaschine konzipiert, verbinden skulpturale und installative Elemente mit Licht- und Bewegungsmomenten, die stets kreative sprachliche Prozesse einschließen. Neben Ian Hamilton Finlay einer der Exponenten der britischen Konkreten Poesie, richtet sich auch Cox Umgang mit der Sprache auf deren phonetische und visuelle Dimensionen. Der Bezug zu den Elementen (Erde, Feuer, Wasser und Luft) beispielsweise dokumentiert sich durch die Platzierung und meist bewegliche Anbringung seiner objekthaft-maschinellen Wortfolgen. Auch durch sprachliche Mittel – z.B. mit Reihungen oder Alliterationen – verleiht er Bewegungs- und Rhythmisierungsphänomenen sprachlichen Audruck.

Seit Cox Beteiligung an der ersten Londoner Ausstellung Konkreter Poesie (Between Painting and Poetry, 1965) und am International Festival of Concrete Poetry in Falmouth sind seine Arbeiten in den 1960er Jahren im Grenzbereich von Poesie und Kunst wahrnehmbar. Cox stellt seine Skulpturen und Objekte u.a. im ICA in London (1965) aus. Posthum werden seine Werke in Ausstellungen, u.a. in Münster (Art Beyond Poetry, 1979) gezeigt, seine Four Seasons Clock ist 1986 auf der Biennale Internationale de Poésie in Lüttich und Brüssel zu sehen. 2007 widmet seine Geburtstadt Wotton Under Edge dem Künstler und seinem medienübergreifenden Werk eine Retrospektive.

Ken Cox stirbt 1968 in London.

Literaturauswahl

Gomringer, E.: Von der konkreten Poesie zur visuellen Poesie, Ditzingen 1995

Ernst, U.: Text als Figur. Visuelle Poesie von der Antike bis zur Moderne, Weinheim 1987

Concrete Poetry: Gloup and Woup. Bob Cobbing, Kenelm Cox u.a., Gillingham 1974

Dencker, K.P.: Textbilder – Visuelle Poesie international, Köln 1972

Multiples: The first Decade: Künstlerbuch, Philadelphia 1971

Art & Project, Kinetic poetry, Kenelm Cox: Ausst.-Kat. hg. v. N. Godfrey, Amsterdam 1969

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

Zu Sammlung hinzufügen…

×
×
×

Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 gibt die museumsplattform nrw einen umfassenden Einblick in die Sammlungen und Aktivitäten ausgewählter NRW-Museen – und regt damit zugleich auch ein neues Publikum zum Museumsbesuch an. Monatlich 13.000 Besucher*innen belegen das Interesse an diesem einzigartigen Instrument zum interaktiven und kommunikativen Umgang mit Kunst im Netz.

Ein intensiv gepflegter und konstant ausgebauter Newsbereich mit Hinweisen zu Ausstellungen und Veranstaltungen oder Features aus der Kunstszene NRWs gehört ebenfalls dazu. 2013 erhielt die bereits seit zehn Jahren aktive Online-Plattform den bedeutenden Grimme Online Award.

Für den Ausbau dieses Online-Angebots sind wir auf den dauerhaften Beteiligungswillen der Museen angewiesen. Auch wenn die aktive Ausgestaltung derzeit nicht erfolgen kann, laden wir Sie doch herzlich ein, unser breites Angebot zum interaktiven und kreativen Umgang mit der Bildenden Kunst und ihren vielfältigen Formen medialer Vermittlung spielerisch zu erkunden.

Ihr NRW KULTURsekretariat