Keith Sonnier

Mit seinem Werk hat Keith Sonnier dazu beigetragen, den Begriff der Plastik auf Raum-, Licht- und Bewegungsphänomene auszuweiten. Die Vertreter der New Sculpture, zu denen Keith Sonnier zählt, fordern eine ganzheitliche Wahrnehmung, die sie den Betrachtern auch als haptische Erfahrung ihrer Werke ermöglichen möchten.

Keith Sonnier, 1941 in Mamou, Louisiana, geboren, studiert von 1959 bis 1963 an der University of Southwestern Louisiana in Lafayette. Nach einer einjährigen Frankreich-Studienreise, unterrichtet er 1965 — 66 an der Rutgers University in New Brunswick. Mit Gary Kuehn, Robert Morris und Robert Watts gründet er dort die »Rutgers Group«. Seit 1967 lebt und arbeitet Sonnier in New York.

Mit seinem Werk hat Keith Sonnier dazu beigetragen, den Begriff der Plastik auf Raum-, Licht- und Bewegungsphänomene auszuweiten. 1966 stellt er unter der Regie der Kritikerin Lucy Lippard in der Ausstellung »Eccentric Abstraction« in der Fishbach Gallery in New York u. a. gemeinsam mit Bruce Nauman und Eva Hesse aus. In diesen frühen Jahren zeichnet sich sein Werk durch eine große Vielfalt der eingesetzten Materialien wie Draht, Stoff, Filz, Wachs, Blei oder Glas aus. Seine Konstruktionen besitzen dabei oft ephemeren Charakter und sind, wie etwa Installationen aus Latexfarbe, nur vorübergehend erfahrbar. Die Vertreter der New Sculpture, zu denen Keith Sonnier zählt, fordern eine ganzheitliche Wahrnehmung, die sie den Betrachtern auch als haptische Erfahrung ihrer Werke ermöglichen möchten.

Ab 1968 setzt Sonnier zusätzlich Licht ein, in Form von Neonleuchten und Glühlampen, wobei er das oft kühle Licht mit anderen Werkstoffen wie fließenden Stoffen in kontrastreicher Weise kombiniert. Später experimentiert er mit Stroboskop- und Schwarzlicht. Zu einem Markenzeichen sind die seit 1969 entstandenen BA-O-BA-Stücke (= haitianisch für Licht- oder Farbbad) geworden. Es sind meist rechtwinklige Wandarbeiten aus Glas- und Spiegelscheiben mit farbigen Neonröhren, die mittels der Leuchtfarbe Raumvolumen suggerieren. Die Serie hat Sonnier bis in die jüngste Zeit weiterentwickelt, wobei sich die kräftigen Farben der frühen Neons im Laufe der Jahre zugunsten pastellener Töne verändern. Die vielgestaltigen Installationsarbeiten ziehen den Betrachter als Agens durch integrierte Spiegel ein, die auf den Körper projizierte Lichtreflexe wieder in den Raum zurück reflektieren. »Bewegt sich der Betrachter durch diese Arbeiten hindurch oder nimmt er sie aus unterschiedlichen Perspektiven wahr, dann verändert das seine Sehweise, was auf die eigene Person abfärbt.« (K.S., Arbeiten in Deutschland, in: Keith Sonnier. Argon- und Neonarbeiten, Ausst.-Kat. Krefeld 1979, o.S.).

Raumerweiterung durch die Rezipienten als eine visuelle Kommunikationstheorie kristallisiert sich als durchgehendes Thema in Keith Sonniers Werk heraus, das er in den 1970er Jahren um akustische Elementen ergänzt. In der interaktiven Installation Air-to-Air (1975) können sich Besucher einer New Yorker Galerie mit denen in Los Angeles über eine Telefonleitung und Mikrofone austauschen, so dass das Werk tatsächlich erst durch das Publikum entsteht. Dieses Prinzip greift Sonnier in späteren Variationen erneut auf.
1978 widmet er sich mit der Serie SEL erneut dem Material Neon und wird dabei inspiriert durch chinesische Kalligrafie, die er in zarte Lichtspuren an den Wänden umsetzt. Diese Affinität zum ikonischen Zeichen nimmt er kurz darauf in Form von dreidimensionalen Piktogrammen – den in Indien entstandenen, farbig bemalten Figuren aus Bambus – wieder auf. Die Auseinandersetzung mit Symbolen und Materialien anderer Kulturen, die Sonnier auf vielen Reisen kennen lernt, fließt in sein Werk ein.

Sonnier versucht insbesondere, ein neues Rollenverhältnis zwischen Künstler und Betrachter zu definieren, das beiden Teil an einem Wahrnehmungsprozess haben lässt. Insofern bilden seine dem Postminimalismus zugeordneten Skulpturen auch eine explizite Gegenposition zum Minimalismus, deren autonome Werke entkontextualisiert konzipiert sind und keiner Resonanz seitens der Rezipienten bedürfen.

Auf seine Teilnahme in den 1960ern Jahre an legendären Gruppenausstellungen wie »Anti-Illusion: Procedures / Materials« und »When Attitudes become Form« und ein Simon Guggenheim Memorial-Fellowship folgen über 100 internationale Einzelausstellungen, darunter im MoMA New York (1971), Centre Pompidou Paris (1979) und eine erste retrospektiv konzipierte Wanderausstellung des Sprengel Museum Hannover (1993). Sonniers Werk wird 1972 auf der Documenta gezeigt, und ist zweimal auf der Biennale di Venezia (1972 und 1982) und bei der Whitney Biennale New York (1973 u. 1977) vertreten.

Von der individuellen Zwiesprache mit dem Betrachter entwickelt sich sein Anliegen allgemeiner auf möglichen Formen der gesellschaftlichen Kommunikation, wie er bei Großaufträgen im öffentlichen Raum, u.a. in New Orleans und am Flughafen München zeigt. 2002 gestaltet Sonnier eine Lichtinstallation in der Neuen National Galerie Berlin, wobei er in Bezugnahme auf die Architektur Mies van der Rohes die Grundidee der frühen BA-O-Ba-Plastiken in raumübergreifender Dimension reinszeniert. Durch diese Begegnung mit der Kunst gehen die Betrachtenden quasi in der Umgebung auf, werden Teil des energetisch aufgeladenen Raums: »Licht ist ein extrem wirksames Medium, nicht nur im physikalischen Sinne, dass es Dunkelheit in Licht verwandelt, sondern dass es die Dunkelheit durchdringt. (…). Als ich 1968 begann, Licht zu benutzen, wollte ich mein Werk mit Energie aufladen, ich wollte es beleben.« (K.S., in: Keith Sonnier. Lichtweg, Katalog Flughafen München, Ostfildern 1993, 26)

Literaturauswahl

Keith Sonnier. Skulptur, Licht, Raum: Ausst.-Kat. Münchner Rück, München 2002

Keith Sonnier. Environmental Works 1968 — 99: Ausst.-Kat. Kunsthaus Bregenz, Bregenz 1999

Keith Sonnier. Lightway – Lichtweg: Kat. Flughafen München, Ostfildern 1993

Keith Sonnier. Werke/Works: Ausst.-Kat. Sprengel Museum Hannover u.a., Ostfildern 1993

Keith Sonnier, Argon- u. Neonarbeiten: Ausst-Kat. Krefeld 1979

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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