Katharina Grosse

Sie kombiniert in ihrer seit Mitte der 90er entstehenden Malerei häufig grell leuchtende, selten deckend aufgetragene Farben, die in horizontalen und vertikalen Strukturen einander zugeordnet sind. Seit 2001 zeigt Grosse veränderte Lineamente der Bewegungsspuren auch an Spraybildern, die die Malerei zu einem kontrollierten Akt destillieren.

Katharina Grosse wird 1961 in Freiburg/i. Br. geboren. Sie studiert an den Kunstakademien in Münster und Düsseldorf bei Johannes Brus, Norbert Tadeusz und Gotthard Graubner. Seit 1997 ist die Künstlerin als Gastdozentin an verschiedenen Hochschulen, der Hochschule der Bildenden Künste Karlsruhe (1997 — 98), im Rahmen des Programms »Artist in Residence« der Chinati Foundation, Marfa / Texas und 1999 — 2000 an der Hochschule für Künste Bremen tätig. Seit Oktober 2000 hat Katharina Grosse eine Professur an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee.

Grosse kombiniert in ihrer seit Mitte der 90er entstehenden Malerei häufig grell leuchtende, selten deckend aufgetragene Farben, die in horizontalen und vertikalen Strukturen einander zugeordnet sind. Die Farben bleiben transparent, geben darunterliegende Schichten zu erkennen, formieren sich zu lang gezogenen, klar konturierten Pinselzügen, die vertikale und seitliche Körperbewegungen nachvollziehbar machen. Es entstehen lineare Spuren, die durch die Pinselbreite, Auftragsrichtung und -schwung bestimmt sind. Dabei entstehen Strukturen von gestisch dynamischer Qualität, wenn die Farbe beispielsweise in unterschiedlichen, zum Teil bildflächenparallelen Bahnen gesetzt ist oder auch nach unten verläuft. Grosse bezieht das Prozessuale, die Abwicklung der Aktion im Malen in ihre Arbeiten ein. Es sind malerische Entscheidungen, die den bildnerischen Prozess strukturieren. Zugleich gibt sich das Bild als Ergebnis räumlicher Erfahrung zu erkennen. Momente der Bewegung, des körperlichen Einsatzes und umgebenden Raums stellen ein wesentliches Element der malerischen Konzeption dar. Grosses Bilder sind an den Aktionsradius mit dem Pinsel gebunden: »Ich stelle meine Malerei stets in unmittelbare Beziehung zum Umfeld. (…) Die Malerei riskiert zwar in dieser Situation ihre Autonomie, etabliert jedoch im Bildfeld eine eigene Ortsqualität, die sich von den Gesetzen des Umfeldes unabhängig macht.« (Grosse, in: Der Tagesspiegel, 2000)

Seit 2001 zeigt Grosse veränderte Lineamente der Bewegungsspuren auch an Spraybildern, die die Malerei zu einem kontrollierten Akt destillieren. Grosse konzentriert nun jedoch den Prozess der Bildentstehung: »Beim Sprayen bin ich dagegen vom Umraum total entkoppelt, das heißt, ich bin in einen Schutzanzug mit Maske, Handschuhen und Brille eingepackt. Manchmal habe ich sogar etwas vor den Ohren, dann höre ich meine eigenen Schritte nicht mehr. In dem Moment bin ich in der engsten und kleinsten räumlichen Hülle, die es gibt. Meine unmittelbare körperliche Beziehung zum Raum ist weitgehend reduziert, wodurch meine optische Wahrnehmung der räumlichen Situation ihr größtmögliches Potential entwickelt. Ich bin dabei sowohl Betrachter als auch Verursacher der malerischen Aktivität« (Grosse, in: Kunstaspekte 2004). Sie klammert außerbildliche Fragestellungen aus ihrer Arbeit aus. Prozess und Ergebnis sind auch hier kalkulierte, unlöslich miteinander verknüpfte Größen der Malerei.

Katharina Grosse lebt und arbeitet in Düsseldorf und Berlin.

Literaturauswahl

Katharina Grosse: Ausst.-Kat. Magazin 3 Konsthall Stockholm, Stockholm 2004

Katharina Grosse – Cool Puppen. Der weiße Saal trifft sich im Wald. Ich wüßte jetzt nichts: Ausst.-Kat. Lenbachhaus München, München, St. Gallen u.a. 2002

Katharina Grosse: Ausst.-Kat. Kunstverein Ruhr, Essen 2002

Katharina Grosse: Location, Location. Location. Ausst.-Kat. Düsseldorf 2002

Katharina Grosse: Ausst.-Kat. Rhein. Landesmuseum, Bonn 1998

Katharina Grosse: Ausst.-Kat. Nürnberg 1998

Katharina Grosse: Ausst.-Kat. Schmidt-Rottluff Stiftung, Düsseldorf 1995

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen

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