Karl Marx

Auf großformatigen Leinwänden erarbeitet Marx in seinem ?uvre eine Art gestischen Existenzialismus. Sein grellfarbiges Kolorit pendelt bewusst zwischen den Nichtfarben Schwarz und Weiß, die jeweils die dramatischen Höhepunkte seiner Kompositionen bilden.

Karl Marx wird am 21. Januar 1929 in Köln geboren. Sein Vorname Karl geht auf die bewusste Wahl des Vaters zurück, der aus politischen Gründen die Namensgleichheit mit dem Philosophen und Sozialtheoretiker Karl Marx (1818 — 1883) herstellen will. Früh führt der Vater, der in Köln als Dekorateur arbeitet, Karl an das gestalterische Arbeiten heran, 1946 entscheidet sich Karl Marx schließlich zum Studium der freien Malerei an der Kölner Werkschule. Dort hat er mit Friedrich Vondemberge seinen Lehrer. Marx orientiert sich zunächst am deutschen Expressionismus und den Pariser Fauves. Beide Rezeptionsstränge lassen ihn immer nahe der Figuration bleiben, die von gestisch heftigem Farbauftrag der expressionistischen Abstraktion begleitet wird.

Von 1951 bis 1956 arbeitet Karl Marx freischaffend im Rheinland. 1956 erhält er eine Dozentur an der Kölner Werkschule und wird später dort zum Professor für freie Malerei berufen. Bis zu seiner Emeritierung 1986 erfüllt er seine Lehraufgabe, jedoch immer mit der Gewissheit, dass die Malerei im Grunde nicht erlernbar sei. Sein Ziel ist es, die Studierenden in ihren Entwicklungsprozessen zu begleiten und so wird er für die Rezeption kurzfristig zum »Vater« der »Neuen Wilden« – jener figurativen Strömung der Malerei, die in den beginnenden 1980er Jahren v.a. in Berlin, Köln, Düsseldorf und Hamburg entsteht. Als Dekan des Fachbereichs Kunst und Design an der Werkschule (an der zeitweise u.a. Jiří Georg Dokoupil, Gerard Kever studieren), ist Marx bemüht, dem künstlerischen Ausbildungsort zum Rang einer Akademie zu verhelfen. Doch erlebt er 1971 deren Umwandlung zur Fachhochschule für Kunst und Gestaltung und schließlich 1986 deren Wandlung zur Kunsthochschule für Medien in Köln (KHM), in der das von Marx vertretene Fach der freien Malerei eingestellt wird.

Auf großformatigen Leinwänden erarbeitet Marx in seinem Œuvre eine Art gestischen Existenzialismus. Sein grellfarbiges Kolorit pendelt bewusst zwischen den Nichtfarben Schwarz und Weiß, die jeweils die dramatischen Höhepunkte seiner Kompositionen bilden. Schwarz gilt ihm dabei als das Farbe verschlingende Nichts, symbolisiert Gefahr und Tod und steht im Kontrast zur überlichteten, hyperaktiven obersten Farbschicht des Weiß, das erzählerisch den Kulminationspunkt der sich kreuzenden Bewegungsvektoren begleitet.
Marx’ Buntfarben evozieren mimetisch naturräumliche Realität. Damit ist auch das Generalthema seiner Bildmotive erfasst, nämlich der Existenzkampf des Menschen in seiner monadischen Selbstbefangenheit auf der politisch sozialen Ebene. Zugleich rücken Geschlechterpolarität und letztlich der Kampf als zirzensisch inszenierter Wettkampf zwischen Mensch und Tier, sowohl im realen wie im metaphorischen Sinne, ins Zentrum seiner Arbeiten.

Karl Marx sammelt lebenslang in Kladden Polaroids, Postkarten und Zeitungsausrisse, auch aus Pornoheften, die zunächst nur als Ideenreservoir im Atelier verbleiben und erst im Jahr 2000 durch eine Publikation öffentlich gemacht werden. Sein Lebensthema »Kampf« scheint Karl Marx in der Komposition von Théodore Géricaults (1791 — 1824) Floß der Medusa, 1817/18 entstanden, in exemplarischer Form gefunden zu haben. In seinen drei letzten Schaffensjahren 2005 — 08 entsteht ein umfangreicher Zyklus von Zeichnungen, Collagen und Gemälden, die diese Komposition umspielen, variieren, verfremden und alludieren. Die Entstehungsbedingungen der Géricault-schen Komposition von 1817/18, die nicht nur im Pariser Salon 1818 einen politischen Skandal ausgelöst, sondern 1818 auch das Geburtsjahr des Namensvetters des Künstlers, Karl Marx markiert, scheinen auch für die Eigenbetrachtung der künstlerischen Biografie besondere Bedeutung zu erlangen.

Völlig ins Private zurückgezogen stirbt Karl Marx am 27. Dezember 2009 in Köln.

Literaturauswahl

D. Horkký, H.-N. Jocks (Hg.): Karl Marx. Skizzenbücher von 1955 — 1998, Köln 2000

K. Honnef, H.A. Peters (Hg.): Karl Marx. Gemälde, Köln 1994

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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