Karel Appel

Die Teilnahme an der Biennale 1953 in Sao Paulo bringt Karel Appel den internationalen Durchbruch. Trotz seiner von ihm selbst so genannten »Barbarei« seiner Kunst bleibt er dem Figurativen stets verpflichtet. Masken, Fratzen, Torsi, menschliche, tierische und pflanzliche Körper entwickeln sich aus seinen schnell und heftig gemalten Form-Farbkonglomeraten.

Am 25. April 1921 wird Karel Appel, eigentlich Christiaan Karel Appel, in Amsterdam geboren, wo seine Eltern ein Friseurgeschäft führen. Er absolviert zunächst eine Friseurlehre, eine frühe Fotografie aus dem Jahre 1937 zeigt jedoch schon den 16-Jährigen malend vor einer Staffelei im Dachgeschoss des elterlichen Hauses in der Dapperstraat. 1940 setzt geht er seinem Berufswunsch, Maler zu werden, nach und studiert bis 1944 an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Amsterdam.

Appel reist 1946 nach Dänemark und lernt dort Asger Jorn kennen. Im gleichen Jahr stellt er erstmals in Het Beerenhuis in Groningen aus und ist auch in der Gruppenausstellung Jonge Schilders im Stedelijk Museum in Amsterdam vertreten. Seine Kunst dieser Jahre ist erkennbar beeinflusst von Picasso, Matisse und Dubuffet. Doch entstehen auch schon erste Relief-Assemblagen aus Holzstücken und anderen Fundstücken, die er zu dadaistischen, erzählerischen Kompositionen verknüpft.

Mittlerweile ist Karel Appel Mitglied der Künstlergruppe CoBrA, die sich am 8. November 1948 im Café de Ll’Hotel Notre Dame in Paris gründet. Der Name der Giftschlange Cobra vereint die Kürzel der Herkunftsstädte der Künstler: Copenhagen, Brüssel und Amsterdam. Neben Asger Jorn, Constant, Corneille und Lucebert ist Karel Appel das später international erfolgreichste Mitglied dieser losen Gruppierung, die sich 1952 schon wieder trennt. Ziel von CoBrA ist es, die starren geometrischen Abstraktionen der de Stijl-Künstler zu überwinden, doch auch die sublim elegante Psychologisierung der Surrealisten soll durch Spontaneität und Ursprünglichkeit abgelöst werden. Die Geste, starke Buntfarbigkeit, reliefartiger Farbauftrag und einfache Formen orientiert an außereuropäischer Kunst, der Malerei von Kindern und der Bildnerei der Geisteskranken sind Vorbilder der CoBrA-Künstler. Eine erste, skandalös empfundene Ausstellung findet 1949 im Stedelijk Museum statt. Im gleichen Jahr beauftragt die Stadt Amsterdam Appel, eine Wand der Kantine des Rathauses zu bemalen. Es entsteht sein Fresko Fragende Kinder, das dann aufgrund des Protestes der Kantinennutzer für zehn Jahre hinter einem Vorhang verborgen wird.

In Paris lässt sich Appel 1950 nieder. Er ist dort mit dem flämischen Lyriker, Novellisten und Stückeschreiber Hugo Claus für eine lebenslange Freundschaft und Arbeitsgemeinschaft verbunden. Hier manifestiert sich Appels große Affinität zum literarischen Ausdruck. Claus veröffentlich 1962 eine erste umfangreiche Würdigung des Künstlers. Im Auftrag der Stadt Amsterdam entsteht 1951 das Fresko im Foyer des Auditoriums des Stedelijk Museums, das als »Appel-Bar« legendär wird. In Paris ist Appel seit 1952 der Künstlergruppe Art Informel oder Art Autre verbunden und lernt dort durch den Kritiker und Kurator Michel Tapié auch Pollock, DeKooning, Wols und Hartung kennen.

Appels Teilnahme an der Biennale 1953 in Sao Paulo bringt ihm den internationalen Durchbruch. Die New Yorker Galeristin Martha Jackson besucht sein Pariser Atelier, kauft Arbeiten und stellt ihn 1954 in ihrer New Yorker Galerie aus. Bis dahin arbeitet Appel als Maler, Poet, Zeichner, Druckgraphiker, Freskant und Bildhauer, nun entstehen aber auch angeregt durch einen Italienaufenthalt Keramiken. 1956 fertigt Appel Buntglasfenster für die Kreuzkirche in Geleen, die Szenen der Genesis zeigen. Trotz seiner von ihm selbst so genannten »Barbarei« seiner Kunst bleibt er dem Figurativen verpflichtet. Masken, Fratzen, Torsi, menschliche, tierische und pflanzliche Körper entwickeln sich aus seinen schnell und heftig gemalten Form-Farbkonglomeraten, wie auch seine Grafik Zwei Figuren belegt. Gerade auch seine Skulpturen verweisen allein durch die assemblierten Fundstücke auf Formen der Realität und stellen in ihrer Kombination eine skurrile, humorvolle, mitunter poetisch märchenhafte Appel-Wirklichkeit her. Er begreift sein künstlerisches Schaffen als Fenster zu seiner Psyche, das er immer im aleatorisch spielerischen Vorgehen für den Betrachter »öffnet«. Die 60er und 70er Jahre prägen Reisen, den Kontakt und die Zusammenarbeit mit Allen Ginsberg ebenso, wie Appels Porträts von US-amerikanischen Jazzgrößen wie beispielsweise von Miles Davis. In der gleichen Zeit schafft Appel mehr als 40 Arbeiten für den öffentlichen und privaten Raum, und strebt so, geleitet von der Architektur, ein zeitgemäßes Gesamtkunstwerk an. Auf der Documenta II (1959) und III (1964) in Kassel ist Appel vertreten. Der niederländische Regisseur Jan Vrijman dreht 1961 den Dokumentarfilm »Die Realität des Karel Appel«.

Appels Arbeit erbringt eine große, dichte, vielgestaltige Werkfolge und führt ihn 1987 durch den Auftrag der Pariser Oper für das Ballett »Können wir eine Landschaft tanzen?« auch zu neuen inszenatorischen und bühnenbildnerischen Aufgaben. Ein Höhepunkt ist 1995 seine Inszenierung von Mozarts Zauberflöte im Auftrag der niederländischen Staatsoper. Im gleichen Jahr eröffnet in Amstelveen das Cobra-Museum. 1999 gründet er die Karel-Appel-Foundation, deren Ziel vor allem in der Erarbeitung eines Werkverzeichnisses liegt. 2001, zu seinem 80. Geburtstag finden in den Niederlanden mehrere, große Retrospektiven statt. Appels Gedichte gibt er 2000 unter dem Titel »Der Machtwille der Planeten heraus«.

Am 3. Mai 2006 stirbt Karel Appel in Zürich und wird auf dem Pariser Friedhof Père-Lachaise bestattet.

Literaturauswahl

Wismer, B. (Hg.): Le grand geste! Informel und abstrakter Expressionismus, 1946 — 1964, Köln 2010

Houts, C.: Karel Appel: De Biografie, Amsterdam 2003

Karel Appel. Der Machtwille des Planeten, Wien 2001

Lyotard, J.F.: Karel Appel: Ein Farbgestus. Essay zur Kunst Karel Appels, Bern, Berlin 1998

Karel Appel: Psychopathologisches Notizbuch. Zeichnungen und Gouachen 1948 — 1950, Bern 1997

www.karelappelfoundation.com

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen

Zu Sammlung hinzufügen…

×
×
×

Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 gibt die museumsplattform nrw einen umfassenden Einblick in die Sammlungen und Aktivitäten ausgewählter NRW-Museen – und regt damit zugleich auch ein neues Publikum zum Museumsbesuch an. Monatlich 13.000 Besucher*innen belegen das Interesse an diesem einzigartigen Instrument zum interaktiven und kommunikativen Umgang mit Kunst im Netz.

Ein intensiv gepflegter und konstant ausgebauter Newsbereich mit Hinweisen zu Ausstellungen und Veranstaltungen oder Features aus der Kunstszene NRWs gehört ebenfalls dazu. 2013 erhielt die bereits seit zehn Jahren aktive Online-Plattform den bedeutenden Grimme Online Award.

Für den Ausbau dieses Online-Angebots sind wir auf den dauerhaften Beteiligungswillen der Museen angewiesen. Auch wenn die aktive Ausgestaltung derzeit nicht erfolgen kann, laden wir Sie doch herzlich ein, unser breites Angebot zum interaktiven und kreativen Umgang mit der Bildenden Kunst und ihren vielfältigen Formen medialer Vermittlung spielerisch zu erkunden.

Ihr NRW KULTURsekretariat