Käthe Kollwitz

Im Rahmen ihrer Mitarbeit an der Satirezeitschrift Simplicissimus (1908 — 10) wendet sich Kollwitz mit ihren expressiv-figürlichen Grafiken, und den bald entstehenden Plakaten aktuellen sozialen Problemen, v.a. der Arbeiterschaft zu. Die Macht der Zensur erfährt sie nicht nur mit ihrem Plakat gegen Wohnungsnot für den Zweckverband Groß-Berlin, das ihr 1912 ein Plakatierverbot einbringt.

Käthe Kollwitz kommt 1867 in Königsberg / Kaliningrad als Käthe Schmidt zur Welt. Bereits ab 1881 erhält sie dort auf Betreiben des Vaters Kunstunterricht bei dem Maler Gustav Naujok und dem Kupferstecher Rudolf Mauer. Ab 1886 besucht sie Karl Stauffer-Berns Malklasse für Portraitstudien an der Berliner Künstlerinnenschule, kehrt ein Jahr darauf jedoch nach Königsberg zurück und erhält nun Unterricht bei dem Maler Emil Neide. 1888 — 90 studiert Kollwitz an der Münchner Künstlerinnenschule bei Ludwig Herterich und kehrt anschließend erneut nach Königsberg zurück, wo sie ihre Arbeit an Illustrationen fortsetzt und sich mit druckgrafischen Techniken beschäftigt. Nach ihrer Heirat mit Karl Kollwitz übersiedelt das Paar 1891 nach Berlin.

Hier konzentriert sich Kollwitz ganz auf die Grafik. Sie nimmt bald, angeregt durch das Drama »Die Weber« des ihr bekannten Gerhard Hauptmann, die Arbeit an ihrem druckgrafischen Zyklus Ein Weberaufstand (1897) auf, der bereits ein Jahr darauf mit großer Resonanz auf der »Großen Berliner Kunstausstellung« ausgestellt wird. Neben einer Prämierung im Rahmen der späteren Deutschen Kunstausstellung in Dresden und ersten Bildankäufen des Dresdner und Berliner Kupferstichkabinetts erhält sie nun einen Lehrauftrag an der Berliner Künstlerinnenschule für Radieren und Zeichnen. Nun bezieht die an der sozialen und politischen Geschichte und Gegenwart interessierte Kollwitz auch im Ausstellungsbetrieb Position und nimmt 1899 an der ersten Ausstellung der »Berliner Sezession« teil, deren Mitglied sie 1901 — 13 sie wird.

In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts wählt Kollwitz erneut ein historisches Thema für ihren zweiten grafischen Zyklus, den Bauernkrieg (1908). Im Rahmen ihrer Mitarbeit an der Satirezeitschrift Simplicissimus (1908 — 10) wendet sich Kollwitz mit ihren expressiv-figürlichen Grafiken, und den bald entstehenden Plakaten aktuellen sozialen Problemen, v.a. der Arbeiterschaft zu. Die Macht der Zensur erfährt sie nicht nur mit ihrem Plakat gegen Wohnungsnot für den Zweckverband Groß-Berlin, das ihr 1912 ein Plakatierverbot einbringt.
In der Absicht, sich mit den Techniken des plastischen Arbeitens auseinander zu setzen, verbringt Kollwitz, wie viele ihrer Zeitgenossen, 1904 einen Studienaufenthalt in Paris an der Académie Julian und besucht dort auch das Atelier Auguste Rodins. Es folgen längere, durch den Villa-Romana-Preis ermöglichte Aufenthalte in Florenz und Rom. Mit dem Bildnisrelief ihres Großvaters beginnt Kollwitz, plastisch-figürlich zu arbeiten (Julius Rupp, 1909). Weitere Plastiken und Denkmalsprojekte, in denen sie stets den einzelnen Menschen im Blick behält, entstehen vor und während des I. Weltkrieges, einem Zeitraum in dem Kollwitz eine engagiert pazifistische Haltung vertritt (Liebespaar, 1913 — 15; Denkmal für den gefallenen Sohn (Die trauernden Eltern), 1914 — 1931). Auch in grafischen Folgen, wie beispielsweise Krieg von 1918 (Holzschnitt 1921/22), mit Plakaten und Flugblättern gegen politische und soziale Missstände, die Kriegs-, Dürre- und Hungerkatastrophen der Zeit dokumentiert sie ihre kritische Haltung (Russland, 1921; Die Überlebenden. Krieg dem Kriege!; Deutschlands Kinder hungern!, beide1923; Nie wieder Krieg!, 1924). Unter ihren ersten Holzschnitten Kollwitz’ ist das Gedenkblatt für Karl Liebknecht, den sie auf Wunsch der Familie nach seiner Ermordung 1919 zeichnet. Der Holzschnitt bleibt ihr auch in den Folgejahren druckgrafisches Medium der Kritik und politischen Auflehnung (Proletariat, 1925). Unter ihren zahlreichen grafischen Zyklen und Mappenwerken ist auch Abschied und Tod von 1923, in das ein Text Gerhard Hauptmanns einleitet und die Grafikfolge Tod,die Kollwitz 1937 vollendet.

Ab 1912 im Vorstand der Berliner Secession, engagiert Kollwitz sich auch (kunst)politisch, wird 1913 auch Vorstand der »Freien Secession«, schließlich Mitbegründerin des Frauenkunstverbandes. 1919 wird sie als erste Frau in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen und zur Professorin berufen. 1928 — 32 leitet Kollwitz das Meisteratelier für Graphik an der Preußischen Akademie der Künste in Berlin. Sie erhält nun zahlreiche internationale Ehrungen.
Reisen führen Kollwitz in den ausgehenden 1920er Jahren nach Belgien und Moskau. Bereits vor der Machtübernahme setzt sich Kollwitz gegen die Nationalsozialisten ein und wird 1933 aus ihren Ämtern gezwungen. 1935 erhält sie Ausstellungsverbot, organisiert aber private Schauen und wird aufgrund ihrer poltischen Aktivitäten von der Gestapo bedroht.

Eine stärkere Hinwendung zu plastischen Arbeiten vollzieht sich seit den ausgehenden 1920er Jahren: Bis 1931/32 schließt Kollwitz die Arbeit an den Skulpturen derTrauernden Eltern und an ihrem Selbstbildnis ab. 1935/36 entsteht das Bronzerelief Ruht im Frieden seiner Hände für das Grab der eigenen Familie. Mit ihren Plastiken Mutter mit zwei Kindern (1936), Pietà (um 1938/39), dem Bronzerelief Die Klage oder den Kleinplastiken Abschied (1940/41) und Zwei wartende Soldatenfrauen knüpft die Künstlerin an zuvor auch grafisch bearbeitete Themenkreise an, die nun ebenso durch den Tod von Ernst Barlach und ihres Mannes wie auch durch politische Umstände und Kriegserfahrung motiviert sind.

Die Ausstellungen anlässlich Kollwitz’ 50. Geburtstag 1917 leiten eine Vielzahl von Präsentationen ihrer grafischen und plastischen Arbeiten bis heute ein. Unter den zu Lebzeiten der Künstlerin stattfindenden Ausstellungen kommt der gemeinsam mit Paul Cassirer 1917 in seiner Berliner Galerie, dann in Dresden und Königsberg gezeigten Schau eine bedeutende Rolle zu. Auf den »Schwarz-Weiß Ausstellungen« der Akademie der Künste zu Berlin ist Kollwitz 1921 — 1934 vertreten. Kollwitz Werke werden nach dem II. Weltkrieg kontinuierlich in temporären und dauerhaften Ausstellungen international gezeigt.

Kurz vor Kriegsende 1945 stirbt Käthe Kollwitz in Moritzburg.
Am 40. Todestag der Künstlerin 1985 wird das Käthe Kollwitz Museum in Köln eröffnet, ein Jahr später das private Käthe-Kollwitz-Museum Berlin gegründet.

Literaturauswahl

Käthe Kollwitz. Königsberger Jahre, Einflüsse und Wirkungen: Ausst.-Kat. Museum Stadt Königsberg, hg. v. L. Grimoni, Dresden 2007

Kollwitz: Selbstbildnisse: Ausst.-Kat. Käthe-Kollwitz-Museum, hg. v. M. Fritsch, Berlin 2007

Ernst Barlach und Käthe Kollwitz im Zwiegespräch: Ausst.-Kat. Käthe-Kollwitz-Museum Berlin, hg. v. M Fritsch, Leipzig 2006

Käthe Kollwitz: Die Tagebücher. 1908 — 1943, hg. v. J. Bohnke-Kollwitz, Berlin 1989, Neuausg. München 2007

Knesebeck, Alexandra von dem: Käthe Kollwitz. Werkverzeichnis der Graphik. Neubearbeitung des Verzeichnisses von August Klipstein, publiziert 1955. 2 Bde., Bern 2002

Pfeiffer, U.: Opfer und Tod im Werk von Käthe Kollwitz. Zur Bedeutung der Radierung »Aus vielen Wunden blutest du, oh Volk«. Oldenburg 1996

Schmalenbach, F.: Käthe Kollwitz. Königstein/Ts. 2. Aufl. 1984

 

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