Josef Albers

Er gilt nicht nur als Avantgardist der Hard-Edge-Malerei, sondern neben Victor Vasarely auch als Vorreiter der Op-Art. Bei Josef Albers finden Farbe und Form zu einer mimetischen Identität, die einen einzigen physisch und psychisch wahrnehmbaren Wirkraum erzeugen. kombiniert.

Josef Albers wird am 19. März 1888 in Bottrop geboren. 1905 — 07 besucht er das Lehrerseminar in Büren und arbeitet nach seinem Abschluss als Volksschullehrer. 1908 sieht er im Folkwang Museum in Essen eine Ausstellung zu Paul Cézanne und Henri Matisse, nach der 1913 erste abstrakte Arbeiten und Experimente mit Linolschnitten entstehen. Noch im gleichen Jahr nimmt er das Studium der Malerei an der Königlichen Kunstschule in Berlin auf. 1916 — 19 lernt er an der Kunstgewerbeschule in Essen das Arbeiten mit farbigen Gläsern, setzt jedoch zugleich das Studium in Berlin fort. 1919/20 studiert Albers in München bei Franz von Stuck und belegt Maltechnik bei Max Doerner. 1920 erfolgt Albers Eintritt in das Bauhaus in Weimar, 1925 folgt er dessen Umzug nach Dessau und wird dort Baumeister für die Klassen Glastechnik und Holzverarbeitung. Die Webtechnikerin Anneliese Fleischmann und Albers, die sich am Bauhaus kennen lernen, heiraten1925 in Berlin.

Albers Bauhauszeit ist bestimmt durch seine Entwürfe für farbige Glasfenster. er entwirft u.a. 1926/27 die Glasfenster für den Neubau des Leipziger Grassi-Museums und für die Druckerei des Ullstein-Verlages in Berlin Tempelhof. In Dessau steht er in engem Kontakt zu den anderen Bauhausmeistern wie Lyonel Feininger, Paul Klee, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer, Walter Gropius und Laszlo Moholy-Nagy. Ab 1930 ist Albers dort stellvertretender Direktor. 1932 hat er seine erste Einzelausstellung mit seinen Glasentwürfen. Die langjährige Erfahrung mit farbintensiven, transluziden buntfarbigen Gläsern beeinflusst später auchseine malerische Arbeit. Nach der Schließung des Bauhauses 1933 durch die Nationalsozialisten emigrieren Josef und Anni Albers in die USA. Er erhält dort,unterstützt von den Black-Mountain-College Gründern Philip Johnson und Edward M.M. Warburg, eine Professur und prägt bis 1949 die Lehrstruktur dieses Colleges.Seine Lehrtätigkeit am Black-Mountain-College prägt eine ganze Generation amerikanischer Künstler, so u.a. Willem de Kooning, John Cage, Robert Rauschenberg, Donald Judd und Merce Cunningham.

Kurzfristig ist Albers 1934 — 36 Mitglied der Pariser Gruppe Abstraction – Création. Doch sein eigentliches Interesse gilt dem Farb-Form-Raum und führt auch zuausgedehnten Reisen nach Südamerika, Kolumbien und Mexiko. Seine dortigen intensiven Farbstudien inspirieren Albers 1935 zu seinem ersten, abstrakten Ölgemälde. Konkret wirkt auf ihn die präkolumbische Architektur und die farbigen ornamental gemalten Adobe-Muster an mexikanischen Bauten. Ab 1949 hält Albers kontinuierlich Professuren für Malerei an verschiedenen, amerikanischen Universitäten. Zehn Jahre, von 1949 bis 1959, ist er Vorstand des Art Departments der Yale-University, an der Eva Hesse und Richard Serra zu seinen Schülern zählen.

1940 setzen Albers Farb-Raum-Form-Konzepte ein, die er bis 1970 konsequent in Serien erarbeitet. Seit 1943 variiert Albers seine geometrischen Abstraktionen und seine skalierten Farbvarianten unter dem Einfluss der Gruppe De Stijl, vor allem Piet Mondrians. Albers Konzept seiner Homage to the Square, seine Huldigung an das Quadrat verbindet er mit seiner »crasyness of colour«. Er schafft so eine suggestive Zusammenwirkung von Farbe und Raum, die in ihrer physisch-psychischen Wirkung zu optischen Täuschungen führt. So gilt Albers nicht nur als Avantgardist der Hard-Edge-Malerei, sondern neben Victor Vasarely auch als Vorreiter der Op-Art. Der quadratischen Bildform sind drei oder vier Binnenquadrate eingestellt, die mit mathematisch exakt nach Quadratzentimetern berechneter Größe und Position der Bildfläche kompatibel und kommensurabel sind. In einer monochromen Tonalität stehen sie in direkter Beziehung zu einander, sind jeweils ins Hellere oder Dunklere abgestuft. Diese tonale Skalierung führt zur räumlichen Wirkung von Albers Bildern, bewirkt ebenso ein Vortreten wie den Tiefenzug der Farbkompositionen. So nehmen die Betrachter keine Farbflächen, sondern intensive, leicht flirrende Farbräume wahr, deren Konturen, obwohl als klare geometrische Kante gemalt, sich für das Auge flimmernd auflösen – Albers Worten gemäß »Painting is colour acting«. Seine ab 1963 erscheinenden farbtheoretischen Publikationen (»Interaction of Colour«, 1963, »Homage to the Square«, 1967 und »Search versus Research« von 1969) erläutern die Konzeption von Farb-, Form- und Raumwirkung seiner Malerei.Albers gelingt es, ebenso das schwierige Format des Quadrates, das bereits Kasimir Malewitsch 1914 in schwarz oder weiß als fundamentale Formulierung der Abstraktion genutzt hatte, wie auch die Farbstrenge eines Piet Mondrian zu aktualisieren. Albers eigene Erfahrung mit der transluziden Buntheit von Farbgläsern fließt zugleich in die Malerei ein. Was James Turrell psychologisierend mit seinen realen Farbrauminstallationen für den Betrachter schafft, erreicht Josef Albers im Kern bereits mit seinen Arbeiten der 1960er Jahre: Farbraummeditationen, die geradezu synästhetisch wirksamen Klang- und Temperaturcharakter haben und für die Kunst des 20. Jahrhunderts in ihrem Suggestionspotential ganz entscheidend sind. Bei Albers finden Farbe und Form zu einer mimetischen Identität, die einen einzigen physisch und psychisch wahrnehmbaren Wirkraum erzeugen. Albers nutzt Serien von strukturierten Konstellationen. Er konzentriert sich auf die Interaktion von Komplementärfarben oder variiert subtil monochrome Konstellationen. Unter diesen Aspekten ist er zugleich Pionier der Konzeptkunst.

1946 hat Albers gemeinsam mit Arp und Bill eine Ausstellung in der Stuttgarter Galerie Herbert Hermann. Seit 1953 ist er mehrfach Gastprofessor an der Hochschule für Gestaltung in Ulm. Albers ist auf der Documeta I und IV (1955, 1968) präsent. 1970 ernennt ihn seine Geburtsstadt Bottrop zum Ehrenbürger, was für Albers der Anlass für eine großzügige Werkschenkung ist, aus der das Bottroper Josef-Albers-Museum-Quadrat entsteht. 1971 ehrt ihn das Metropolitan Museum of Art in N.Y. mit einer Retrospektive, die hier erstmalig einem lebenden Künstler gewidmet ist. In den USA gründen er und seine Frau die Josef & Anni Albers Foundation mit Sitz in Bethany bei New Haven, die bis heute Bestand hat. Den pädagogischen Anspruch seiner Stiftung formuliert Albers folgendermaßen: »Art problems are problems of human relationship. Note that balance, proportion, harmony and coordination are tasks of our daily life, as are also activity, intesity, economy and unity. And learn that behavior results in form – and, reciprocally, form influences behaviour«.

Am 25. März 1976 stirbt Josef Albers in New Haven.

Literaturauswahl

Anni und Josef Albers. Begegnung mit Lateinamerika: Ausst.-Kat. Centro de Arte Reina Sofia Madrid, dt. Ausgabe, hg. v. B. Danilowitz, Ostfildern-Ruit 2007

Albers, J.: Formulation – articulation, dt. Ausgabe, Leipzig 2006

Albers, J.: Poemas and Drawings, 3. Auflage, London 2006

KunstOrt Ruhrgebiet, Bd.2: Das Josef-Albers-Museum in Bottrop, Essen 2003

Albers, J.: Interaction of Colour – Grundlegung einer Dialektik des Sehens, Nachdr. von 1963, Köln 1997 //www.albersfoundation.org

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

Zu Sammlung hinzufügen…

×
×
×

Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 gibt die museumsplattform nrw einen umfassenden Einblick in die Sammlungen und Aktivitäten ausgewählter NRW-Museen – und regt damit zugleich auch ein neues Publikum zum Museumsbesuch an. Monatlich 13.000 Besucher*innen belegen das Interesse an diesem einzigartigen Instrument zum interaktiven und kommunikativen Umgang mit Kunst im Netz.

Ein intensiv gepflegter und konstant ausgebauter Newsbereich mit Hinweisen zu Ausstellungen und Veranstaltungen oder Features aus der Kunstszene NRWs gehört ebenfalls dazu. 2013 erhielt die bereits seit zehn Jahren aktive Online-Plattform den bedeutenden Grimme Online Award.

Für den Ausbau dieses Online-Angebots sind wir auf den dauerhaften Beteiligungswillen der Museen angewiesen. Auch wenn die aktive Ausgestaltung derzeit nicht erfolgen kann, laden wir Sie doch herzlich ein, unser breites Angebot zum interaktiven und kreativen Umgang mit der Bildenden Kunst und ihren vielfältigen Formen medialer Vermittlung spielerisch zu erkunden.

Ihr NRW KULTURsekretariat