Jonathan Meese

Seine Medienwirksamkeit speist sich vor allem aus der Selbstinszenierung als Enfant terrible. Meese schöpft aus deutschen Nationalepen, aus mittelalterlichen Mythen und Ritterlegenden, und verwendet Motive und Figuren aus dem Fantasy- und Science Fiction-Genre. Er greift auch auf historische Personen aus der Zeitgeschichte zurück, deren Bilder negative Ikonen sind und die Meese daher – geschützt durch den künstlerischen Kontext – leicht zur Provokation einsetzen kann.

Jonathan Meese wird 1970 in Tokyo geboren. Seine Mutter zieht Mitte der 1970er Jahre mit ihren Kindern nach Hamburg, während sein Vater in Japan bleibt, wo dieser 1988 verstirbt. Nach dem Abitur (1989) bricht Meese ein Studium der Volkswirtschaft ab. Von 1995 bis 1998 studiert er an der Hochschule der Bildenden Künste in Hamburg, verlässt sie aber ohne Abschluss.

Meese positioniert sich zum einen in einer Form- und Regellosigkeit, die durch DADA und Surrealismus im frühen 20. Jahrhundert eingeführt wurden, zum anderen bedient er klar definierte Bilder und alte Symbole. Er produziert Malerei, Plastik, Performance und Installation, später auch Bühnenbilder. Seine Medienwirksamkeit speist sich vor allem aus der Selbstinszenierung als Enfant terrible. Meese schöpft aus deutschen Nationalepen, aus mittelalterlichen Mythen und Ritterlegenden, und verwendet Motive und Figuren aus dem Fantasy- und Science Fiction-Genre. Er greift auch auf historische Personen aus der Zeitgeschichte zurück, deren Bilder negative Ikonen sind und die Meese daher – geschützt durch den künstlerischen Kontext – leicht zur Provokation einsetzen kann: Diktatoren wie Stalin, Hitler und Mussolini sind vielfach in Meeses Arbeiten zu sehen, sowie Vokabeln einer völkischen Sprache, appellative oder imperative Aussprüche und selbst erfundene Komposita wie »Erz-Wagner«, »Erz-Richard«, zum Beispiel in The third man in the round house / Maldororturm (1998). Meese verwendet einfache Materialien wie Sperrholzplatten, Kreide, Ölfarbe, Papier, Alltagsgegenstände und vorgefundene Zeitungen, Zeitschriften und Plakate sowie Puppen, wie in der Arbeit Hagen von Tronje vs. Sigfried (2000).

Er arrangiert Rauminstallationen, die zunächst keinerlei Ordnung in der Komposition oder eine nachvollziehbare Narration aufweisen und sich allein in der Menge an Material und Schlagworten erschöpfen. Dennoch wachsen die Installationen Ende der 1990er Jahre räumlich weiter an, die Bildsprache konzentriert sich auf männliche, politische Figuren und mythische Gestalten mit ihren Attributen und Symbolen. Die Szenerien werden dunkler und sakraler und lassen an Heldenverehrung denken. In den 2000er Jahren entstehen viele großformatige Ölmalereien von einfachen Figuren mit übergroßem Phallus. Sexuelle Obsession gesellt sich, auch in Form pornografischen Materials, zu Meeses bisherigem Repertoire. Kultische Gegenstände wie Kreuze und Kerzen, Fetisch-Objekte und SM-Instrumente nehmen einen zentralen Platz ein.

Auf Einladung Frank Castorfs darf Meese 2004 als Bühnenbildner an der Volksbühne Berlin debütieren, 2005 gestaltet er eine Inszenierung der Wagner-Oper »Parsifal« an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin und 2010 entwirft er für die Salzburger Festspiele das Bühnenbild für »Odysseus«. Im Jahr 2012 proklamiert Meese das Schlagwort einer »Diktatur der Kunst«, und 2013 macht er mit einem Gerichtsverfahren wegen eines – von ihm als Kunst deklarierten – Hitlergrußes auf sich aufmerksam.

Meeses Arbeiten sind in vielen privaten und musealen Sammlungen vertreten. Soloausstellungen finden u. a. 2004 in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2006 in den Deichtorhallen Hamburg, 2010 im Centro de Arte Contemporaneo in Malaga, 2013 im Museum der Moderne in Salzburg statt. Meese nimmt außerdem an vielen Gruppenausstellungen teil, so 2005 im Centre Georges Pompidou, Paris, 2008 im ZKM, Karlsruhe, und an der Yokohama Triennale in Japan, 2010 im Deutschen Historischen Museum Berlin und 2012 in der Kunsthalle Düsseldorf.

Meese lebt und arbeitet ihn Ahrensburg bei Hamburg und in Berlin.

Literaturauswahl

Jonathan Meese und Robert Eikmeyer: Ausgewählte Schriften zur Diktatur der Kunst, Frankfurt 2012

Pamela C. Scorzin: »Über Jonathan Meese«, in: Detlef Bluemler (Hg.): Künstler. Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, Ausgabe 73, Heft 5, München 2006, o. S.

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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