John Furnival

Wörter geraten zum Fundus planer, collagehafter Bildkompositionen und räumlich gesetzter Bildarrangements. Seine Arbeiten sind im Grenzbereich zwischen Kunst und Literatur, Bild und Sprache angesiedelt. John Furnivals gleichermaßen lautstarke wie zurückhaltende Werke werden im Kontext der visuellen Poesie international wahrgenommen. Seine Arbeiten sind Teil vieler Museumssammlungen, so u.a. des Arts Council of Great Britain oder auch des Dortmunder Museums am Ostwall.

John Furnival wird 1933 in London geboren. 1951 — 55 nimmt er das Kunststudium am College of Art in Wimbledon auf, 1957 — 60 am Royal College of Art. 1960 zieht Furnival nach Gloucestershire, wo er bis 1966 am Fine Art at Stroud College und am Cheltenham Art College lehrt. Nach einer Ausstellung am College of Art in Gloucestershire (1963) gründen der Benediktinermönch Dom Sylvester Houédard (1924 — 1992), kurz »dsh« und John Furnival 1964 die »Openings Press«. Zahlreiche gemeinsame Arbeiten, Performences, dreidimensionale Gedichte, Plakat-Gedichte, Künstlerbücher und Magazine folgen nun dem gemeinsamen Interesse an der visuellen Dimension von Sprache und Dichtung, an konkreter und visueller Poesie. Ab 1966 wendet er sich vornehmlich der Lehre zu, organisiert zahlreiche Ausstellungen, die auch aus Projekten mit Studierenden hervorgehen.

Seit den 1960er Jahren werden Furnivals Arbeiten auf Papier, Leinwand, Fotografien, Collagen und Objekte in Einzelausstellungen gezeigt (u.a. 1967 in der Galerie Riquelme, Paris; 1972 in der Richard Demarco Gallery, Edinburgh und der Arnolfini Gallery, Bristol; 1974 in der Thumb Gallery). 1971 organisiert das Ceolfrith Arts Centre, Sutherland eine Retrospektive in der Laing Art Gallery, Newcastle-upon-Tyne. 1972 ist Furnival auf der Internationalen Grafik Biennale in Bradford präsent. An zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen zur visuellen und konkreten Poesie ist Furnival in den Folgejahren beteiligt. Seine Arbeiten sind Teil vieler Museumssammlungen, so u.a. des Arts Council of Great Britain oder auch des Dortmunder Museums am Ostwall.

Dem Genre sprachbezogener Arbeiten und den gewählten Medien von oft kleineren grafischen Arbeiten oder Buchdrucken in Auflage verdankt, werden John Furnivals gleichermaßen lautstarke wie zurückhaltende Werke im Kontext der visuellen Poesie international wahrgenommen. Sie finden sich in grafischen Sammlungen, künstlereigenen Editionen, Buch- und Mappenwerken, so beispielsweise in dem bekannten 18-blättrigen Band »concrete poetry britain canada united states«, der 1966 in der edition hansjörg mayer erscheint und neben John Furnival auch Arbeiten u.a. von Stephen Bann, Ian Hamilton Finlay, Mary Ellen Solt und Emmett Williams enthält.

Furnivals Arbeiten sind im Grenzbereich zwischen Kunst und Literatur, Bild und Sprache angesiedelt, in dem Schriftzeichen zum Bildgegenstand erhoben sind, Schrift-Bilder engsten Bezug zwischen sprachlicher und bildlicher Äußerung herstellen. Die Konventionen der Objektbezeichnung und Benennung rücken in diesem sehr speziellen Bereich der Grafik seit den 1950er Jahren ebenso ins Zentrum wie bildliche Formation, Reihungen und Schichtungen von Buchstaben und Wörtern in ornamentalen und textilen Bildstrukturen (The Fall of the Tower of Babel, 1963). Wörter geraten zum Fundus planer, collagehafter Bildkompositionen (Manhattan,1973) und räumlich gesetzter Bildarrangements (Pyramids, 1973).

In den 60er und 70er Jahren sind es immer wieder die Insignien der Zeit, symbolhafte Architekturen oder Zeichen der Flower Power-Bewegung, die Furnival zu komplexen, oft humorvoll-kritischen Schrift-Bildern bewegen (the corridors of flower-power, o.J.; Statue of Liberty, 1977/78). Three Tile Panels (1978), eine serielle Arbeit aus Keramik, die eine Art Index der Pflanzen in Furnivals eigenem Garten darstellt, thematisiert dagegen generelle Systeme der Bezeichnung, die Benennung von (hier pflanzlichen) Objekten, die gesammelt, getrocknet und abgeformt, als Ausgangspunkt eines neuen, ordnenden und hier an die naturwissenschaftlichen Vorgehensweisen angelehnten Systems verwendet sind.

John Furnival lebt in Bath.

Literaturauswahl

Ernst, U.: Intermedialität im europäischen Kulturzusammenhang: Beiträge zur Theorie und Geschichte der visuellen Lyrik, Berlin 2002

Gomringer, E. (Hg.): Visuelle Poesie. Anthologie, Stuttgart 1995

Garlake, M.: Britain and the Sâo Paulo Bienal 1951 — 1991, The British Council, London 1991

Cratylus The English Artist and The Word: Ausst.-Kat. The British Council, London 1979

Williams, E. (Hg.): An Anthology of Concrete Poetry, Something Else Press, New York u.a. 1967

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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