John de Andrea

Er wird zu Beginn der siebziger Jahre über Ausstellungen bekannt, die fotografische Detailtreue und die Illusion körperlicher Authenitzität als künstlerisches Darstellungsmittel verhandeln. Der verblüffende Effekt, den John de Andreas hyperrealistische Skulpturen hervorrufen, schließt nahtlos an die antiken Bildhauerträume an, die seit Pygmalion mittels der »Verlebendigung« des Kunstwerkes eine idealisierte »Neuschöpfung« des Menschen anstreben.

John de Andrea wird 1941 in Denver / Col. geboren. Er studiert von 1961 — 65 an der University of Colorado in Boulder, arbeitet 1966 — 68 als Assistent an der University of New Mexico in Albuquerque.

Seit 1964 steht die zumeist weibliche Aktskulptur im Mittelpunkt seiner Arbeit. Die hyperrealistische Imitation des Körpers wird ihm zum Anliegen, Experimente mit Fiberglas und modernen Lacken führen zu einer sich stetig steigernden Illusionswirkung, die von der Rezeption als frappierend empfunden wird. Damit steht de Andrea in einer künstlerischen Tradition, die sich vor allem seit dem 19. Jahrhundert mit modernsten technischen Mitteln dem Ideal körperlicher Perfektion verschrieben hat. De Andrea zielt weniger darauf, die Körperdarstellung als Mittel sozialkritischer Reflexion zu nutzen – eine Ausrichtung, die Douane Hansons Plastiken weit stärker auszeichnen. Bei de Andrea steht dagegen die befremdliche Spannung, die der scheinbar authentische unbekleidete Körper hervorruft, im Vordergrund. Neben Haut- und Haarfarbe variiert allein die zurückhaltende Mimik, Gestik und Haltung der Figuren. De Andrea nutzt den Ausstellungsraum nicht als Bühne, die den Betrachter mit ausgeblendeten Alltagsrealitäten konfrontiert. Vielmehr erscheinen seine Plastiken als Plädoyer für die moralische Vorbildhaftigkeit »natürlicher« körperlicher Unversehrtheit und Unschuld. In ihrer sportlich-schlanken Ausrichtung rufen die Figuren zugleich Erinnerungen an Schönheitsvorstellungen wach wie sie durch die Medien verbreitet werden (Standing Man, Standing Woman, 1970).

John de Andrea wird zu Beginn der siebziger Jahren über Ausstellungen bekannt, die fotografische Detailtreue und die Illusion körperlicher Authenitzität als künstlerisches Darstellungsmittel verhandeln: die Chicagoer Ausstellung »Radical Realism« von 1971, aber auch die Documenta 5 von 1972. 1980 nimmt de Andrea an der amrikanischen Wanderausstellung »The Reality of Illusion« teil und ist ebenso 1982 auf der Documenta 7 präsent.

Der verblüffende Effekt, den de Andreas hyperrealistische Skulpturen hervorrufen, schließt zugleich nahtlos an die antiken Bildhauerträume an, die seit Pygmalion mittels der »Verlebendigung« des Kunstwerkes eine idealisierte »Neuschöpfung« des Menschen anstreben. In dieser Tradition bildet de Andrea neben Variationen des sitzenden, stehenden und liegenden Körpers (Seated Japanese Woman with Legs Crossed, 1976) auch berühmte Werke und Motive der Kunstgeschichte nach (Manet: Dejeuner sur l’herbe 1982; Concealed Figure, 1989).

John de Andrea lebt in Denver / Colorado.

Literaturauswahl

John de Andrea. Skulpturen: Ausst.-Kat. Kunsthaus Wien 1994, Wien 1994

John de Andrea: Ausst.-Kat. ACA Galleries, hg. v. Martin Bush, New York 1993

John de Andrea. Sculptures 1978 — 81: Ausst.-Kat. The Aspen Center for the Visual Arts, hg. v. P. Yveline, Aspen 1982

Kultermann, Udo: Radikaler Realismus, Tübingen 1972

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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