Jeff Koons

Er nutzt Alltagsmotive in Serialität im Schein grell leuchtender Neonröhren, konzentriert sich auf kunsthistorisches Vorlagenmaterial wie barocke Skulpturen oder Kleinskulpturen zwischen Renaissance und Pop, sowie auf die Kitsch- und Kommerzkultur. Koons produziert Museumskunst, oft in monumentaler Dimension, kostenintensiv und mit großer öffentlicher Resonanz.

Jeff Koons wird 1955 in York / Pennsylvania geboren. 1972 beginnt Koons sein Studium am Maryland Institute College of Art in Baltimore auf, studiert zeitweise auch an der School of the Art Institute in Chicago. 1976 schließt er sein Studium ab und zieht nach New York City, wo er im Museum of Modern Art (MoMA) und einige Jahre als Warenbörsen-Broker arbeitet.

Koons künstlerische Arbeit ist von Beginn an zwischen Skulptur und Objekt angesiedelt. Seine seit Beginn der 1980er Jahre in neonbeleuchteten Plexiglas-Vitrinen platzierten Staubsauger und Poliermaschinen (New Hoover Deluxe Shampoo Polishers, 1980; New Hoover Convertibles, New Shelton Wet/Dry, Displaced Double-Decker, 1981 — 1987) profitieren vom Umgang der Pop Art mit der Populär- und Werbeästhetik. Auch seine entfunktionalisierten Basketbälle, in Vitrinen gehängt oder in Wasser schwimmend, halten eine gewisse Nähe zum Objektspektrum der Pop Art (Two Balls 50/50 Tank, 1985). Koons nutzt die Alltagsmotive in Serialität im Schein grell leuchtender Neonröhren, konzentriert sich bald aber auch auf kunsthistorisches Vorlagenmaterial wie barocke Skulpturen (Louis XIV, 1986) oder Kleinskulpturen zwischen Renaissance und Pop (Naked, 1988), auf die Kitsch- und Kommerzkultur. Dabei orientiert er sich am Fundus skurril anmutender Devotionalien (Saint John the Baptist, 1988) oder imitiert die grellfarbenen Produkte kommerzieller Massenkultur und Fanindustrie (Pink Panther, 1988), die er teils zu großen luftgefüllten Formen »aufbläst«. Koons sucht dabei nicht nur die Nähe zu den Produktionstechniken der Massenmedien, sondern auch zum Kunsthandwerk. Er lässt Skulpturen, so beispielsweise die Porzellanskulpturen (Michael Jackson and Bubbles, 1988) oder die Glasobjekte (Jeff eating Ilona (Kama Sutra); Position Three (Kama Sutra), beide 1991) von Kunsthandwerkern anfertigen. Auch farbig gefasste, zum Teil lebensgroße figurale Holzskulpturen wie die Made in Heaven-Serie werden eigens für Koons geschnitzt.

Die zur gigantisch-bunten Figurengruppe mutierte, absurde Engels-Schweine-Konstallation, die als übergroße Variation auch einem Oberammergauer Devotionaliengeschäft entstammen könnte, mag eine Art künstlerisches Motto preisgeben: Ushering in Banality von 1988, Koons »Einführung in die Banalität« steht nahezu programmatisch über dem kontrovers diskutierten, schrillen Œuvre des Pop-Phänomens »Koons«. Von Beginn an versteht er auch seine eigene Person erfolgreich zu vermarkten, ja forciert die Identität von Künstler und Werk. Koons Selbstportraits im Geist barocker Büstenproduktion, die er selbstinszinatorisch in eine Reihe mit Fürsten und Sonnenkönigen stellt (Selbstporträt, 1991) oder auch die pornografischen Gruppenportraits mit seiner Ex-Frau, dem italienischen Sexidol Ilona Staller alias »Ciccolina« (Bourgeoise Büste Jeff und Ilona, 1991 u.a.) lassen sich als ironische Kommentare zum visuellen Kulturkommerz verstehen.

Die Werke Koons sind selbst nicht Teil einer massenhaften Vermarktung, wenn auch durch Materialwahl, Herstellungsprozesse, Inhalte oder bisweilen durch seine Zusammenarbeit mit Unternehmen einige Bezugspunkte bestehen. Koons produziert Museumskunst, oft in monumentaler Dimension, kostenintensiv und mit großer öffentlicher Resonanz, wie bespielsweise den zwölf Meter hohen, floral bestückten Schoßhund Puppy (zeitw. Guggenheim-Museum in Bilbao).
Das kunsthistorische Zitat und die Neudimensionierung, Umdeutung und Verfremdung von Werken der westlichen »Hochkunst« zählen dabei zu den dominanten Strategien. Koons bedient sich dabei nahezu aller Gattungen, der Malerei, Installation, Fotografie und Skulptur aus Holz, Marmor, Glas oder Edelstahl. Seine Arbeiten werden unter den Begriffen »Post-ironische Kunst«, » Neo-Konzept-Kunst« gefasst oder – entgegen Koons eigener Vorstellung – mit dem »Neo-Geo-Stil« bzw. der Appropriation Art der 1980er Jahre in Verbindung gebracht und damit in den Kontext einer imitativ ausgerichteten, teils bewusst Urheberrechte verletzenden Kunst gestellt.

In den 1990er Jahren zieht sich Koons einige Zeit aus dem Kunstbetrieb zurück, dann entsteht die neue Werkserie Easy Fun-Ethereal (2000) – große fotorealistische Leinwandbilder unter Verwendung von collagierter und digital bearbeiteter Zeitschriftenwerbung. Auch in diesen Arbeiten wendet sich Koons der Welt der Alltagsgegenstände, der Nahrungsmittelindustrie und auch den um Sexualität und Pornografie kreisenden Bildsujets zu, die schon frühere Werkserien bestimmen.

Koons erste Einzelausstellung findet 1980 im New Museum of Contemporary Art in New York statt. Von da an ist er regelmäßig in Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten. Seine Werke werden u.a. 1987 und 1997 im Rahmen der Ausstellungen »Skulptur. Projekte« in Münster, auf der Biennale Venedig 1990, oder in der Ausstellung »Superstars« in der Kunsthalle Wien (2006) gezeigt. Retrospektiven werden Koons 2004 im Astrup Fearnley Museet, Oslo, 2005 und im Helsinki City Art Museum gewidmet.

Jeff Koons lebt und arbeitet in New York City and York, Pennsylvania.

Literaturauswahl

Jeff Koons, die Bilder 1980 — 2002: Ausst.-Kat. Kunsthalle Bielefeld, hg. v. Th. Kellein, Köln 2003

Jeff Koons: Ausst.-Kat. Kunsthaus Bregenz, hg. v. E. Schneider, Köln 2001

Jeff Koons, Easyfun-Ethereal: Ausst.-Kat. Deutsche Guggenheim Berlin, hg. v. J. Koons u. M. Taylor, Ostfildern-Ruit 2000

Zaunschirm, Thomas: Kunst als Sündenfall. Die Tabuverletzungen des Jeff Koons, (Quellen zur Kunst, 3) Freiburg i.Br. 1996

Das Jeff-Koons-Handbuch: Anthony d’Offay Gallery London, München u.a. 1992

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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