Jan J. Schoonhoven

Ein entscheidender Schritt vollzieht sich seit den ersten 1957 entstehenden Papierreliefs, die Schoonhoven bald mit dem Kürzel Re (für Relief), Entstehungsjahr und laufender Nummer betitelt und damit deren seriellen wie systematischen Charakter klärt. Schoonhovens Reliefs zeichnen sich durch die Verwendung von alltäglichen Werkstoffen aus: Papier oder mit Latexfarbe weiß bemalte Pappe oder Pappmasché über Holz, die die dreidimensionale dingliche Struktur befördert.

Jan (Johannes Jacobus) Schoonhoven wird 1914 in Delft geboren. Nach der Schulzeit studiert er 1932 — 36 Zeichnen an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in Den Haag, ergreift jedoch anschließend keinen künstlerischen Beruf, sondern ist – trotz intensiver künstlerischer Arbeit – bis 1979 als Staatsbeamter bei der niederländischen Post in Den Haag beschäftigt.
Die frühen Aquarelle und Zeichnungen Schoonhovens zeugen noch von seiner Auseinandersetzung vor allem mit dem Werk Paul Klees, zunehmend gewinnen seine Arbeiten in den 1950er Jahren aber tachistischen Charakter. 1958 — 60 ist Schoonhoven neben Armando, Kees van Bohemen, Jan Henderikse und Henk Peeters noch Mitglied der niederländischen Informellen Gruppe, gründet jedoch 1960 gemeinsam mit Armando, Jan Henderikse und Henk Peeters die Gruppe Nul, die vergleichbar der Gruppe ZERO um Mack, Uecker und Piene u.a. mit einer gegen die gestischen Spuren der Künstlerhand einen grundlegenden, auf Objektivität zielenden Neuanfang in der Kunst proklamiert. Anfang der 1960er Jahre ist Schoonhoven auch in Ausstellungen von ZERO in Deutschland präsent.

Ein entscheidender Schritt vollzieht sich seit den ersten 1957 entstehenden Papierreliefs, die Schoonhoven bald mit dem Kürzel Re (für Relief), Entstehungsjahr und laufender Nummer betitelt und damit deren seriellen wie systematischen Charakter klärt. Zunächst sind es noch unregelmäßig kolorierte Reliefversionen, 1960 weichen diese jedoch vornehmlich monochrom weißen Reliefs auf geometrischer Struktur, deren Serien werkbestimmend werden.

Schoonhovens Reliefs zeichnen sich durch die Verwendung von alltäglichen Werkstoffen aus: Papier oder mit Latexfarbe weiß bemalte Pappe oder Pappmasché über Holz, die die dreidimensionale dingliche Struktur befördert. Der formale Aufbau ist reduziert, oft von bildfüllenden räumlichen horizontalen und vertikalen Strukturen bestimmt, die zum Teil – wie beispielsweise eines der ersten Reliefs R 60 — 22, 1960 – vorgegebene stoffliche Qualität und Materialstruktur nutzen. Von den umgebenden Wandflächen abgesetzt, je nach Lichtsituation und Anlage von Stegen und Hohlformen, rufen sie ein bewegtes und veränderliches Licht- und Schattenspiel hervor, das die Wahrnehmung herausfordert. Organisch anmutende Wabenstrukturen oder Stufenreliefs, akkurate Rillen, Fugen, flache Farbstreifen und Facetten-, Lamellen- und Gitterstrukturen zeigen Raumvorstöße und Raumvertiefungen (R69 — 19, 1969). Veränderlich ist gleichermaßen die Verteilung von Licht und Schatten, die die Bildhaftigkeit der Objekte dokumentiert, wie zugleich das Verhältnis des, so Max Imdahl, »Seh-Dings« zu umgebender Wandfläche und Raum.

Bisweilen entstehen auch Reliefausprägungen, die die Materialvorgaben – zum Beispiel von Wellpappe – nutzen und meist dichtere und kleinteiligere Strukturen ausbilden (Karton Relief, 1977). In den 1980er Jahren werden Schoonhovens Reliefs zunehmend klarer strukturiert, systematischer, puristischer. Dennoch kann in der sonst deckenden weißen Bemalung bisweilen der Farbauftrag dynamisch-gestische Spuren zeigen (R 84 — 2, 1984; R 89 — 1 ff., 1989) und damit einen malerisch bestimmten Objektcharakter bewirken.

Auf der Biennale de São Paulo ist Schoonhoven im Jahr 1967 ebenso vertreten wie 1968 auf der Documenta IV und VI (1977). Einzelausstellungen widmen sich seinem Werk, das neben den Reliefs auch eine Vielzahl filigran strukturierter Zeichnungen in ähnlich systematischer Betitelung (»Tekening« / Zeichnung, z.B. T 76 — 41, 1976) umfasst, u.a. 1985 in der Bochumer Galerie m oder 1995 im Rahmen einer Retrospektive im Museum Folkwang, im Bonefantenmuseum in Maastricht und im Aargauer Kunsthaus.

Jan Schoonhoven stirbt 1994 in Delft.

Literaturauswahl

Bardt, J.: Kunst aus Papier, Hildesheim 2006

Jan J. Schoonhoven – retrospektiv: Ausst.-Kat. Museum Folkwang u.a., Düsseldorf 1995

Situation Kunst: Best.-Kat. Kunstsammlungen der Ruhr-Universität, Bochum 1993

Nul – Die Wirklichkeit als Kunst fundieren: Ausst.-Kat. Villa Merkel Esslingen, Stuttgart 1993

Jan J. Schoonhoven – Reliefs und Zeichnungen: Ausst.-Kat. Galerie m, Bochum 1985

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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