James Lee Byars

Von Beginn an ist jede Äußerung, jedes Auftreten von James Lee Byars künstlerischer Ausdruck. Der extravagante Künstler ist ein Meister der Selbstinszenierung: Er tritt im weißen, schwarzen oder goldenen Anzug auf, in rotem Tüll, oder auch vollständig verhüllt mit Zylinder, Gesichtstuch und Handschuhen. Die Kunst ist in seinem Leben aufgegangen, seit er sich öffentlich präsentiert.

James Lee Byars wird 1932 in Detroit, USA, geboren. Bereits mit 16 Jahren nimmt er ein Studium der Kunst und Philosophie an der Wayne State University auf und besucht parallel die Merril Palmer School for Human Development in Detroit. Schon früh zeigt er eine äußerst entschiedene Form des Kunstschaffens. So räumt er 1955 für eine Ein-Tages-Ausstellung großer runder Steine das Haus seiner Eltern komplett aus. 1956 stellt er in einer winterlichen Vollmondnacht abstrakte Skulpturen auf einer dafür gemieteten Farm aus und lässt die Besucher um Mitternacht auf Schlitten vorbeifahren.

Seine erste Japanreise kann er dank eines Mäzens 1958 antreten. Er lässt sich für ein Jahr in Kyoto nieder und studiert Kunst, Sprachen und Philosophie. Außerdem lernt er traditionelles Keramik- und Papierhandwerk. Bis 1968 lebt er überwiegend in Japan, reist aber häufig in die USA.

Von Beginn an ist jede Äußerung, jedes Auftreten von James Lee Byars künstlerischer Ausdruck. Der extravagante Künstler ist ein Meister der Selbstinszenierung: Er tritt im weißen, schwarzen oder goldenen Anzug auf, in rotem Tüll, oder auch vollständig verhüllt mit Zylinder, Gesichtstuch und Handschuhen. Die Kunst ist in seinem Leben aufgegangen, seit er sich öffentlich präsentiert.

Mit Beginn der 1960er Jahre wählt er Stoffe und Papier zu seinen bevorzugten Materialien. Er arbeitet intensiv in Performances, in die er teils auch seine Zuschauer einbezieht oder für die er Performer engagiert, wie in den Kleidungsstücken für mehrere Personen: Four in a Dress (1967), Dress for Two oder Ten in a Hat (1969). Auf Basis seiner fernöstlich inspirierten Gedankenwelt kreist Byars’ Werk immer stärker um das Vergängliche, Transitorische und Flüchtige. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählt die Performance-Serie der 1970er Jahre zum Thema »Vollkommenheit«: The Perfect doubt, The Perfect Death, The Perfect Thought. In The Perfect Love Letter (1974) schreibt er »I love you« rückwärts mit dem Finger ins Nichts. In The Perfect Kiss (1973) küsst er zart in die Luft. Mit The Perfect Smile kauft 1994 erstmals ein Museum ein immaterielles Kunstwerk (Museum Ludwig, Köln).

Byars entwickelt das Fragen ohne Antworten zu seinem künstlerischen Prinzip. 1969 wird er Artist in Residence am Hudson Institute, New York, und konzipiert ein »World Question Center«. In einer Aktion in New York verbindet er das Fragen und das Flüchtige, indem er tausende farblose Luftballons mit kleinen Fragezeichen darauf an Passanten verteilt.

Ebenfalls 1969 hat er seine erste Einzelausstellung in Europa in der Galerie Wide White Space, Antwerpen. Er lebt nun vorwiegend in Europa und kommt dort in Kontakt mit vielen Künstlern, unter anderem Joseph Beuys. Mit diesem fühlt er sich sein Leben lang verbunden – er schreibt ihm in unterschiedlichsten Formen rund 150 Briefe, die unbeantwortet bleiben, aber als Werke im Museum Schloss Moyland verwahrt sind. Ein Stipendium des DAAD ermöglicht ihm 1974 einen einjährigen Aufenthalt in Berlin, wo er die Frage »Move all the Jews from Israel to Germany?« auf eine schwarze Flagge schreibt. In den 1980er Jahren lebt Byars überwiegend in Venedig und reist viele Male nach Griechenland und Ägypten.

Byars wird für sein Werk unter anderem 1960 mit dem William Copley-Prize der Cassandra-Foundation, New York, und 1981 mit dem National Endowment for the Arts-Prize ausgezeichnet.

Solo-Ausstellungen und Performances von Byars finden u.a. statt: 1958 im Notausgang-Treppenhaus des Museum of Modern Art, New York, 1963 im Kloster Shokokuji, Kyoto, Japan, 1970 im Metropolitan Museum, New York. Ab 1971 präsentiert ihn die Galerie Michael Werner, Köln. 1975 performed Byars im Louvre, Paris; 1986 stellt er in der Kunsthalle Düsseldorf und 1994 im SCAI, Tokyo, aus. 1972 und 1977 ist er zur Documenta eingeladen, 1989 ins Centre Georges Pompidou, Paris. Die erste Retrospektive findet 1983 im Stedelijk Van Abbe Museum, Eindhoven statt, 2004 eine weitere in der Schirn Kunsthalle, Frankfurt.

James Lee Byars stirbt 1997 in Kairo.

Literaturauswahl

I’m full of Byars. James Lee Byars – eine Hommage: Ausst.-Kat. Kunstmuseum Bern; Milton Keynes Gallery London; Museum of Contemporary Art Detroit, hg. v. Susanne Friedli und Matthias Frehner, Bielefeld 2008

James Lee Byars. Briefe an Joseph Beuys: Ausst.-Kat. Museum Schloss Moyland; Sammlung van der Grinten, Joseph-Beuys-Archiv des Landes Nordrhein-Westfalen, hg. v. der Stiftung Museum Schloss Moyland, Bedburg-Hau 1999

Wide Wite Space, hinter dem Museum, 1966 1977: Ausst.-Kat. Palais des Beaux Arts Bruxelles; Kunstmuseum Bonn; Galeries contemporaines des Musées de Marseille, Düsseldorf 1995

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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