Ivan Morley

Im Zentrum von Morleys Kunst steht sein Interesse für die Wechselfälle von Geschichte und Geschichten. Schon die Art, wie er den Geburtsort kommentiert – »zum Zeitpunkt meiner Geburt starb übrigens Walt Disney in demselben Krankenhaus« (Morley, in: Seewald, 146) – weist auf seine Vorliebe für Anekdotisches hin, das in seinem Werk eine große Rolle spielt.

Ivan Morley wird 1966 in Burbank/ Kalifornien geboren. Schon die Art, wie er den Geburtsort kommentiert – »zum Zeitpunkt meiner Geburt starb übrigens Walt Disney in demselben Krankenhaus« (Morley, in: Seewald, 146) – weist auf seine Vorliebe für Anekdotisches hin, das in seinem Werk eine große Rolle spielt.
Nach einem Englisch-Studium (1985 — 87) an der New York University und einem Kunst-Studium an der School of the Art Institut of Chicago, das er 1989 mit dem Bachelor of Fine Arts abschließt, geht Morley nach Kalifornien, um an dem renommierten Art Center College of Design in Pasadena zu studieren. Dort begegnet er vielen, für ihn wichtigen Persönlichkeiten wie den Installations- und Objektkünstlern Mike Kelley, Stephen Prina, Hirsch Perlman und Liz Larner, dem Musiker und bildenden Künstler Mayo Thompson, dem Maler, Kritiker, Theoretiker und Pädagogen Jeremy Gilbert-Rolfe und dem Kritiker Bruce Hainley. Seine Abschlussarbeit für den Master of fine Arts im Jahre 2000 schreibt Morley über radikale Interpretationen von Zeitlichkeit in Kunstwerken; diese Fragestellung ist auch für seine eigenen künstlerischen Arbeiten von zentraler Bedeutung.
Als Gastdozent und Lektor ist Morley seit 2001 an verschiedenen akademischen und musealen Institutionen tätig (Otis College of Art and Design, Los Angeles; Museum of Contemporary Art, Los Angeles; ArtCenter, UCLA, Los Angeles; Cal State Los Angeles, Washington University, Saint Louis/MO).

Im Zentrum von Morleys Kunst steht sein Interesse für die Wechselfälle von Geschichte und Geschichten. In seinen Gemälden verknüpft er verschiedene historische Tatsachen, Anekdoten und Kuriosa aus der kalifornischen Geschichte des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts aus der Erinnerung miteinander. So beschreibt Morley auf farbintensive und formenreiche, vielstimmige und eindringliche Weise z.B. in den Dig series die archäologische Entdeckung und Ausgrabung des wohl größten Rotlichtbezirks Kaliforniens. In True tales series folgt er einem Unternehmen, das sein Vermögen mit der Verschiffung von Katzen nach San Francisco zur Schädlingsbekämpfung machte. Der vielstimmige »Chor« von Erzählern findet seine Entsprechung in der stilistischen Mischung von mehr als einem »Autor« oder einer »Handschrift«. Diese Strategie des Multiplen verstärkt Morley noch, wenn er wie bei Tehachepi (2003) zwei Arbeiten mit identischen Titeln und Datierungen, aber in verschiedenen Maßen und Darstellungsweisen, herstellt; in der Regel werden sie nebeneinander präsentiert, um Ähnlichkeiten und Unterschiede für das Publikum lesbar zu machen.

Für Morley selbst bedeutet die postmoderne Offenheit seiner Arbeitsweise eine große Freiheit, die es ihm ermöglicht, unterschiedliche Standpunkte und Techniken zu demonstrieren und an verschiedene Traditionen jenseits des westlichen, »hohen« Kunstbegriffs anzuknüpfen (Batik, Hinterglasmalerei, Glasperlen, Stickereien, etc.). So stehen z.B. seine Experimente mit Batik nicht nur für eine Möglichkeit des Farbauftrags auf einen Bildträger aus Stoff jenseits der Leinwandmalerei, sondern sie haben auch einen starken Bezug zur »trivialen« Kunst des Kitsches und des Dekorativen. Die vielen Techniken der Oberflächenbehandlung und die verschiedenen Inhalte innerhalb einer Arbeit sind beabsichtigt, um möglichst viele und vielfältige Assoziationen an die unterschiedlichsten Geschichten auszulösen. Zugleich sollen seine rätselhaften Bilder das Bewusstsein für die Entstehung von Bedeutung schärfen und die Aufmerksamkeit auf die einflussreiche Wirkung des Kontextes lenken. Morley beschreibt seinen Ansatz so: »Wenn mir ein Freund eine Geschichte erzählt, oder ich lese, wie jemand einen anderen ort und eine andere Zeit schildert, dann beginne ich, darauf zu reagieren. Aber nicht, indem ich es mit irgendeinem Wahrheitsanspruch illustriere, sondern durch Handlungen, die in der Tatsächlichkeit des visuellen Gegenstandes gipfeln. Neben der Gewissheit, ein Gemälde wahrzunehmen, das greifbar ist und/oder visuell etwas versprüht, ist Ungewissheit die ein einzige Konstante in meinem Werk, vor allem, wenn ich nicht nur Dinge darstelle, sondern auch Zustände.« Morleys Einschätzung – »ich arbeite, um der Ungewissheit eine Form zu geben« – ist von zentraler Bedeutung. (Morley, in: Jan Seewald: Ich arbeite, um der Ungewissheit eine Form zu geben – Ein Gespräch via E-Mail mit Ivan Morley, März 2006. In: Ausst.-Kat. Imagination Becomes Reality, Sammlung Goetz 2007, 147f.).

Seit 1992 hat Morley Einzel- und Gruppenausstellungen in den USA und in Europa. Seine Werke sind international in Sammlungen vertreten, u.a. in der Londoner Saatchi Gallery, der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (K21) und der Sammlung Goetz in München.

Ivan Morley lebt und arbeitet in Los Angeles

Literaturauswahl

Seewald, J.: Ich arbeite, um der Ungewissheit eine Form zu geben – Ein Gespräch via E-Mail mit Ivan Morley, März 2006, in: Imagination Becomes Reality, Ausst.-Kat. Sammlung Goetz 2007, 144 — 149

Roussel, N.: Ivan Morley, Custodian of Memories. In: Ivan Morley, Ausst.-Kat. Galerie Patrick Painter, Los Angeles 2006, o.S.

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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