Ingrid Roscheck

Kennzeichnend für Roscheck ist eine sensible Wahrnehmung, die sich im prozesshaften Charakter ihrer Arbeiten widerspiegelt. Sie entwickelt aus unterschiedlichen Materialien Objekte und komplexe Konstruktionen, die ein eigentümliches, assoziationsreiches Zwischenreich aus Skulptur, Architektur, Design und neue Medien darstellen. Ein wichtiges Thema dabei ist die (eigene) künstlerische Haltung sowie das Selbst- und Fremdbild des Komplexes »Beruf: Künstler«.

Ingrid Roscheck wird 1957 in Oberhausen geboren. Sie studiert an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Alfonso Hüppi (1976 — 82). Als Studentin hält sie sich 1978/79 an der American University in Kairo auf. Nach Abschluss des Studiums erhält sie zahlreiche Stipendien (1982/83 am P.S.1 in New York, 1986 Kunstfonds Bonn, 1991 Transfer-Stipendium NRW/DDR, 2008 Bartels Fondation, Basel). Daneben ist sie an der Projektarbeit und der Konzeption in der Galerie Schneiderei, Köln, beteiligt (1990 — 2000) und bildet sie sich im Bereich multimediale Lehr-/Lernsysteme weiter aus (2002/03). Roscheck lehrt 1993 — 95 als Gastprofessorin an der Kunstakademie Münster und ist seit 2005 zunächst als Lehrbeauftragte, dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin für plastisches Gestalten an der Universität zu Köln im Fachbereich Keramik, tätig (2007 — 09).

Roscheck entwickelt aus unterschiedlichen Materialien (gebrannter und glasierter Ton, Holz, Gips, Stahl, Textilien, Fotos, gefundenen Dingen) Objekte und komplexe Konstruktionen, die ein eigentümliches, assoziationsreiches Zwischenreich aus Skulptur, Architektur, Design und neue Medien (Video, digitale Animation) darstellen. Ein wichtiges Thema dabei ist die (eigene) künstlerische Haltung sowie das Selbst- und Fremdbild des Komplexes »Beruf: Künstler«. Das Berufsbild ist bei Roscheck in erster Linie durch die »Bereitschaft zur Kommunikation gezeichnet: ›Bei dieser ‹Ortsbestimmung geht es weniger um Zeit und Raum (…), es geht mir vielmehr um den Duchfluss von Wissen und Denken, der in der Gleichzeitigkeit unserer medialisierten Welt angelegt ist, und diese Gleichzeitigkeit, die Zugriffsmöglichkeit auf verschiedene Wissensgebiete und deren neueste Erkenntnisse bietet ja durchaus eine gewisse Überwindung der persönlichen’Beschränktheit’ – nicht nur bzgl. Zeit und Raum. Das Sich-Beschränken ist keine Qualität meiner Arbeit. (…)] Ich baue an einem Welt-Ort, mit dem Wunsch nach Verstehen. Ich will wissen, in welchem geschichtlichen Tun ich lebe und wie ich mich darin einrichten kann. Ortsbestimmung umfasst den Aufenthaltsraum vom zellhaften Wohnen bis zu den Zellkörpern unserer Hirnareale und seiner Denkmodelle. Dabei ist nicht mein eigenes Leben der Inhalt meiner Arbeit, sondern mein Beruf als Künstler.« (Ingrid Roscheck, 2009).

Kennzeichnend für Roscheck ist eine sensible Wahrnehmung, die sich im prozesshaften Charakter ihrer Arbeiten widerspiegelt. Das Aufbrechen konventioneller Sichtweisen löst eine subtile Veränderung der Wahrnehmung von Welt aus. »Ich denke nicht in Verlusten, also in dem Sinne, dass wir dieser und jener Werte verlustig gegangen sind und für deren Neubelebung sorgen müssen, ich denke in Gewinnen, Zugewinnen, Neuzusammenhängen. So brauche ich z.B. nicht unbedingt diese philosophische Trennung von Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften …. Es gab zu jeder Zeit Forscher, die sich um diese Trennung wenig kümmerten, … die gleichzeitig Arzt und Kosmologe waren, an den christlichen Gott glaubten und gleichzeitig den Weltraum (sozusagen Gottes Wohnzimmer) erforschten, Naturgesetze erkannten und daraus auch philosophische Dimensionen herleiteten.« (Ingrid Roscheck, 2009)

Roschecks Gedanke des Welttheaters konkretisiert sich besonders deutlich in dem Ursula-Projekt, an dem die Künstlerin seit Jahren immer wieder – mal mehr, mal weniger – intensiv arbeitet, und das anlässlich der Aachener Heiligtumsfahrt 2007 erstmals präsentiert wird. Roscheck entwickelt dafür aus ihrem Ursula-Archiv, das weltweit das größte ist, einen virtuellen Infopool über die berühmte Heilige und Schutzpatronin Kölns. Die Ausstellung im Ludwig Forum wird ergänzt durch Leihgaben mittelalterlicher Skulpturen sowie von Schülerinnen-Arbeiten, die im Kunstunterricht am Aachener Ursula-Gymnasium entstanden sind. Das aufwendige digitale Projekt ist strukturiert wie ein Museum und gliedert sich in die Bereiche Kult, Leben und Legende (www.ingridroscheck.com/ursula/start2.htm). Hier wie auch in allen anderen Arbeiten spielt der »Gedanke des Welttheaters« eine zentrale Rolle, so Roscheck: Er »überwindet in meiner Arbeit die Trennung in den Museen und den Bildungsanstalten der Moderne, mit ihren konsequent durchgesetzten Formen der Spezialisierung und Aufteilung in Wissensgebiete, zu einer neuen Form einer Wunder- und Wissenskammer mit Netzwerken zu möglichst vielen Bereichen des Daseins und seines Designs, des Denkens und seiner Datenbanken.« (Ingrid Roscheck, 2009). Dieses gegenseitige Vernetzen spielt auch in einer aktuellen Ausstellung eine entscheidende Rolle, die Roscheck im Museum Sankturbanhof in Sursee / Schweiz (2009/10) eingerichtet hat. Das Museum verfügt über eine historisch gewachsene und sehr heterogene Sammlung, in der Roschecks Arbeiten ausgestellt werden, die sich wiederum teilweise auf die Geschichte Sursees beziehen und in Auseinandersetzung damit entstanden sind.
Seit 1982 hat Roscheck zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in Galerien und Museen in Deutschland, Europa und den USA.

Ingrid Roscheck lebt und arbeitet in Köln.

Literaturauswahl

Roscheck, I.: Zeug 1 — 3, Verlag Bartels Fondation, Basel, 2008/09

Ingrid Roscheck, Rainer Barzen: Selbstcontainer 2_2: Ausst.-Kat. Stiftung Museumsinsel Hombroich 2008

Ingrid Roscheck: Orte, Wandlungen, Zimmer, Sphären, Arbeitsplätze: Ausst.-Kat. Kunstmuseum Magdeburg, Ludwig Forum Aachen u.a.O., 3 Bde., Heidelberg 2005 — 07

Ingrid Roscheck: Orte, Geschehnisse, Nachrichten, Vehikel: Ausst.-Kat. Galerie Konrad Mönter Osterath (u.a.) 2000

Ingrid Roscheck: Ausst.-Kat. Mannheim / Regensburg 1994

 

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen

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