Imi Knoebel

Großformatige, rohe Keilrahmenleisten und mit Dachlatten Hartfaserplatten werden zu Bildfiguren bzw. Tafelbildern arrangiert. In seinen puristisch wie analytisch angelegten minimalistischen Arbeiten interessiert Imi Knoebel, wie minimale Veränderungen zunächst sinnentleerter Gegenstände bilderzeugende Kraft entwickeln.

Imi Knoebel wird als Klaus Wolf Knoebel 1940 in Dessau geboren. 1950 zieht er mit seiner Familie nach Mainz. An der Werkkunstschule in Darmstadt studiert er 1962 — 64 gemeinsam mit seinem Freund Rainer Giese, wechselt mit diesem 1964 nach Düsseldorf an die Kunstakademie in die Klasse von Joseph Beuys. 1966 — 69 nutzen beide Künstler, die sich nun dasselbe Pseudonym »Imi« geben, den von Beuys zur Verfügung gestellten Raum 19 der Akademie als Atelier und manifestieren dort ihre gemeinsame »Imi«-Identität künstlerisch: Hier entstehen die ersten, ebenso puristisch wie analytisch angelegten minimalistischen Arbeiten von Imi Knoebel.

Mit der in eben jenem Raum situierten Arbeit Raum 19 realisiert Imi Knoebel erstmals in einem größeren Werk das Prinzip der Variationen und Differenzierungen, mit dem er Akte der Bild- und Formwerdung untersucht. Hier konzentriert er sich auf das Material, das auch in den folgenden Jahren werkbestimmend bleibt: Großformatige, rohe Keilrahmenleisten und mit Dachlatten verstärkte, hier noch rohe, später zumeist weiße, mitunter auch schwarz grundierte Hartfaserplatten werden zu Bildfiguren bzw. Tafelbildern arrangiert, oder dienen scheinbar als Vorratslager für spätere Bildfindungen. Wie Formen entstehen und sich zueinander verhalten, sich figural verdichten, scheint dem Zufall überlassen und erweckt doch den Eindruck einer unverrückbaren Ordnung. Proportionen, Farbigkeit und räumliche Disposition der zunächst flachen Bildobjekte bilden sich je nach Lichteinfall zu skulpturalen Gegenständen. Veränderungen des Werkes nimmt Knoebel stetig vor, bis es als Raum 19 (II) im Hessischen Landesmuseum Darmstadt im Jahr 1992 Aufstellung findet – zuletzt wird 2006 eine dritte Version in Leeds ausgestellt. Knoebel steht dabei erklärtermaßen unter dem Einfluss von Kasmir Malewitschs Theorie des Schwarzen Quadrats und dessen Postulat einer autonomen Malerei ohne Bezug auf eine Wirklichkeit – sei sie subjektiv empfunden oder objektiv gegeben und unter Verzicht auf jegliche Sinnesdaten. Die »Welt der ungegenständlichen Kunst« müsse erst neu »ausgemessen« werden, wie es das Vorbild des »Schwarzen Rechtecks auf weißem Grund« von Malewitsch nahelegt, so Knoebel. Er verändert jedoch die konzeptuellen Vorgaben Malewitschs dahingehend, dass er nun durchaus Elemente seiner Umgebung zum Ausgangspunkt seiner Arbeit wählt. Ihn interessiert, wie minimale Veränderungen zunächst sinnentleerter Gegenstände bilderzeugende Kraft entwickeln. Dies geschieht vornehmlich durch Variation der Materialien und ihrer Verortungen im Raum. Zunächst orientiert Knoebel sich dabei an geometrischen Mustern, Quadrat- und Kreuzformen (Schwarzes Doppelkreuz, 1968/85). Bald ordnet er die nun auch farbig bemalten Sperrholzplatten zu irregulären und asymmetrischen Wand-Gefügen (Kadmiumrot O, 1975/84). Mit seinen ab 1976 entstehenden »Mennigebildern« nimmt er sich nochmals die Farbe Rot vor. Er gestaltet Wandbilder in abgemischten Abstufungen der gleichnamigen Rostschutzfarbe, polygonale und trapezoide Umrisse überwiegen und erzeugen Assoziationen zu sich überlagernden geometrischen Einzelformen (Mennigebilder, 1976/92).

Wie eine Vorübung zur Strenge der beschriebenen Bildformen muten Knoebels Linienbilder an, eine von 1969 bis 1973/75 entstehende Serie von 250.000 Zeichnungen, die in sechs schwarzen Schranktürmen verwahrt sind. Mit Reißfeder und Tusche zieht Knoebel akkurate horizontale und vertikale Linien, erprobt Strukturierungs- und Teilungsmöglichkeiten der Bildfläche, weist das Einzelelement als einer eigenen, autonom verstandenen Ordnung folgend aus. Dabei entstehen verschiedene Bildvarianten mit jeweils festgelegten Linienabständen, ausschließlich vertikal ausgerichteten Lineaments oder divergierenden Strichbreiten. In einigen Arbeiten der Serie überlagern sich auch horizontale und vertikale Linien zu einer Linienstruktur, in denen sich die Komposition der folgenden, auch farbigen Objekt- bzw. Raum-Installationen und Sägeschnitten in Holz- oder Hartfaserplatten vorbereitet.

Im Medium der Bildprojektion – beispielsweise den in den 1970er Jahren entwickelten Dia-Projektionen mit linearen Ritzungen oder Übermalungen, aber auch mit der bisher einzigen Videoarbeit (Projektion X, 1972) – einer Außen-Projektion einer X-Form – setzt Knoebel seine Auseinandersetzung mit Linie und Fläche fort. Diese Markierungen erbringen eine veränderte Form raumbezogener Erschließung. In den Folgejahren nimmt die Farb- und Formvarianz stetig zu (24 Farben/ Für Blinky, 1977). Mit dem Genter Raum von 1980 reflektiert Knoebel scheinbar das nunmehr angewachsene Archiv der gestalterischen Möglichkeiten der Bildrealisierung. Ab Mitte der 70er Jahre wendet er sich schließlich gestischen Farbsetzungen auf geschichteten Sperrholz- oder Metallplatten zu (Drachenzeichnung, 1980), entwickelt aber auch Assemblagen aus sperrigen und formlosen Materialien mit vermehrt bezugsreichen Titeln (Afrika II, 1983). In den 1990er Jahren führt Knoebel diese assoziative Aufladung geometrisierender Bildelemente fort und wendet sich auch dem Porträt zu (Grace Kelly VI-4, 1990). In jüngeren Arbeiten spielt vor allem die Farbigkeit eine zunehmende Rolle, die ein erstaunlich weites Spektrum in Konstruktionen von monochrom gefärbten Aluminiumlatten (LILOLA, 2002) entfaltet.

Neben musealen Einzelausstellungen u.a. 1975 in Düsseldorf und Winterthur, 1983 in Hamburg ist Knoebel sei den 1970er Jahren auch auf internationalen Ausstellungen vertreten. 1972 bis 1987 nimmt er an der Documenta 5, 6, 7 und 8 teil. Im Jahr 1996 findet im Haus der Kunst, München eine Retrospektive seines Werkes statt. 2004 werden seine Arbeiten in der Hamburger Kunsthalle gezeigt.

Imi Knoebel lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Literaturauswahl

Imi Knoebel – Imi gegen groben Schmutz: Ausst.-Kat. Kunstverein Braunschweig. Katalog, hg. v. K. Grässlin, Köln 2003

Imi Knoebel, pure Freude: Ausst.-Kat. Kestner Gesellschaft, hg. v. C. Haenlein, C. Ahrens, Hannover 2002

Imi Knoebel, Linienbilder 1966 bis 1968: Ausst.-Kat. Kunstverein St. Gallen, Köln 1999

Imi Knoebel, Retrospektive 1968 — 1996: Ausst.-Kat. Haus der Kunst, München, hg. v. M. Bloem, H. Gassner. Ostfildern-Ruit 1996

Monochromie, Geometrie: Alan Charlton, Helmut Federle, Imi Knoebel: Ausst.-Kat. Sammlung Goetz, hg. v. I. Goetz, München, 1996

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen

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