Horst Keining

Hat Keining anfangs in Aquarell und später in Öl gemalt, so sprüht er nun vielfach mit der Airbrush, deren Unschärfen seine Intention der Verwebung und Verschleierung unterstützen. Die Arbeiten wandeln sich von der Leere zur Fülle: Er beginnt, mit Schrift, Ornamenten, Stoffmustern, Punktrastern und Motiven aus der Popkultur Schichten übereinander zu legen und die Oberflächen zu verwischen, teils bis zur Unkenntlichkeit.

Horst Keining wird 1949 in Hattingen im Ruhrgebiet geboren. Nach dem Abitur 1970 studiert er zunächst Bauingenieurwesen an der Ruhr-Universität Bochum, wechselt aber nach zwei Semestern an die Staatliche Kunstakademie Düsseldorf. Er schließt das Malerei-Studium 1976 ab. 1994 bekommt er ein Stipendium für einen Aufenthalt in Slowenien.

In den frühen Jahren seines Schaffens befasst sich Keining insbesondere mit architektonischen Grundrissen. Er abstrahiert sie durch starke Vergrößerung bzw. Heranzoomen zu rein geometrischen Mustern. Wenige Farben sorgen für einen Fokus auf die Komposition seiner Bilder. Er legt einfachste Formen auf beinahe monochrom modulierte Bildgründe, wie die schmalen schwarzen Vertikalen auf rostrotem Fond im Bild Teilung auf Rot (1994). Keining arbeitet mehr und mehr mit großen Formaten und legt in Industriefarben Bilderserien an, aus denen Linien gänzlich verschwunden sind. Dies und die Reduktion auf nur eine Farbe führt Keining unter anderem zu der Reihe Streifenbilder (1996) – einfarbigen, mehr als drei Meter breiten Tafeln; jede zu einem Ton desselben Grüns.

Danach wandern neue Motive in die Bilder ein: Zum Beispiel kleine quadratische Farbflächen in einem Raster wie Kacheln auf einer Wand, so in der Reihe Bisazza (1999). Die neunteilige Serie Lukas-Bilder (2000) stellt jeweils eine dunklere und eine hellere Farbnuance gegenüber, mit Nummerierung und Bezeichnung wie im Katalog des Farbherstellers. Keining konzentriert sich auf das Darstellen von Farben selbst. Damit schließt er an ein uraltes künstlerisches Thema an: das Nachdenken über die Tätigkeit des Malens, über das Verhältnis von tatsächlicher und gemalter Wirklichkeit, von Vorstellungskraft und Realität. Dafür steht auch der Namensgeber der Serie: der Heilige Lukas als Schutzpatron der Maler.

Hat Keining anfangs in Aquarell und später in Öl gemalt, so sprüht er nun vielfach mit der Airbrush, deren Unschärfen seine Intention der Verwebung und Verschleierung unterstützen; erstmals in den Wandbildern Mariakirchen (2003). Die Arbeiten wandeln sich von der Leere zur Fülle: Er beginnt, mit Schrift, Ornamenten, Stoffmustern, Punktrastern und Motiven aus der Popkultur Schichten übereinander zu legen und die Oberflächen zu verwischen, teils bis zur Unkenntlichkeit. So entstehen dichte Gewebe wie Palimpseste: Bilder mit getrennten, sich jedoch durchwirkenden Bedeutungsebenen auf derselben Fläche. Keining verwendet dafür auch Textfragmente berühmter Autoren, wie in der Arbeit Rilke (2006). Es ist wieder eine Auseinandersetzung mit dem Malen und der Leitfrage: »Wie wird die Welt zum Bild?« (Daniel Spanke, Was das Bild im Innersten zusammenhält. Ornament und Komposition in neueren Gemälden von Horst Keining, in: View. Horst Keining: Ausst.-Kat. Kunsthalle Gießen; Kunsthalle Wilhelmshaven; Ludwig Museum Koblenz, 2006/07, 25 34, hier 25) In den folgenden Jahren werden die Werke zunehmend komplexer und integrieren häufig konkrete Bildvorlagen, z. B. Werbebilder der 1950er Jahre wie in Restrictions (2010) oder zitieren Vorbilder wie Kandinsky (2011).

Seit Horst Keining 1979 seine erste Einzelschau im Westfälischen Kunstverein Münster zeigte, hat er an zahlreichen Ausstellungen teilgenommen. In den jüngeren Jahren sind seine Werke regelmäßig in der Stiftung Museum Schloss Moyland, im Museum van Bommel van Dam in Venlo sowie in der Kranenburger Galerie Ebbers zu sehen (2014). 2011 stellt er im Museum der Stadt Ratingen aus, 2010 im Neuen Kunstverein Gießen und dem Museum Pfalzgalerie in Kaiserslautern, 2007 im Ludwig Museum Koblenz und auf der Painting Trienal in Vilnius, Litauen.

Horst Keining lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Literatur

Horst Keining. Blurred Pop: Ausst.-Kat. Museum Schloss Moyland, hg. v. der Stiftung Museum Schloss Moyland, Sammlung van der Grinten, Joseph Beuys Archiv des Landes Nordrhein-Westfalen, Dortmund 2014

View. Horst Keining: Ausst.-Kat. Kunsthalle Gießen; Kunsthalle Wilhelmshaven; Ludwig Museum Koblenz, hg. v. Daniel Spanke, 2006/07

Horst Keining. Mariakirchen: Ausst.-Kat. Flottmann-Hallen Herne; Stadtmuseum Siegburg; Museum der Stadt Ratingen, Siegburg 2004

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen

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