Hiroshi Sugimoto

In jeder Arbeit beschäftigt sich Sugimoto intensiv sowohl mit der körperlichen Gestalt der Motive und ihrer besonderen ästhetischen Sprache, als auch mit dem metaphysischen Bedeutungspotential, das das Foto dem Objekt verleihen kann.

Hiroshi Sugimoto wird 1948 in Tokyo geboren. Er studiert dort von 1966 bis 1970 an der Saint Pauls University und wechselt nach dem Bachelor of Arts an das Art Center College of Design nach Los Angeles, um Fotografie zu studieren. Nach dem Bachelor of Fine Arts (1974) zieht er nach New York – in das unangefochtene Zentrum der zeitgenössischen Kunst, wo sich Minimal und Konzeptkunst ausbilden. Die Fotografie ist noch nicht als künstlerisches Medium anerkannt. Beides reizt Sugimoto und hier verortet er sich künstlerisch.

Bald entwickelt er seinen konsequenten, persönlichen Stil: Er fotografiert Serien mit einem konstanten Format und gleichbleibender Kameraeinstellung, ausschließlich in Schwarz-Weiß. Von der Idee über die Umsetzung bis zur Präsentation folgen seine Fotografien also einem festgelegten Plan – einem Konzept. Die erste Serie, Dioramas, entsteht ab 1976 im Museum of American History in New York. Hier ist Sugimoto bereits von der Möglichkeit der Fotografie angeregt, künstliche Objekte und Darstellungen als real erscheinen zu lassen: »However fake the subject, once photographed, it’s as good as real.« (http://www.sugimotohiroshi.com/PhotoDrawing.html [21.05.2014])

In jeder Arbeit beschäftigt sich Sugimoto intensiv sowohl mit der körperlichen Gestalt der Motive und ihrer besonderen ästhetischen Sprache, als auch mit dem metaphysischen Bedeutungspotential, das das Foto dem Objekt verleihen kann. In der Serie Theatres (ab 1978) fotografiert mit einer extrem langen Belichtungszeit Spielfilme ab, sodass als Resultat das Foto einer strahlenden, weißen Fläche bleibt. Das statische Bild enthält den gesamten Film. Ebenfalls in jeweils einer einzigen Einstellung entstehen die Seascapes (1980); Bilder von Horizontlinien an Küsten, in denen die Zeit in einem Bild geronnen scheint.

In der strengen, stark reduzierten Form seiner Komposition öffnet Sugimoto einen Bildraum, in dem die Objekte zu einem eigenen Ausdruck kommen. Dafür trifft er aufwändige Vorbereitungen. Für die überlebensgroßen Porträts (1999) inszeniert er Wachsfiguren berühmter Persönlichkeiten in einem Setting nach Art der Alten Meister und verleiht ihnen damit eine entrückte Aura. In den 2000er Jahren richtet sich sein Interesse mehr und mehr auf wissenschaftshistorische Themen. Für die Mathematical Models (2006) baut er mathematische Kalkulationen als höchst präzise Plastiken in Aluminium und lichtet sie ab, wie die Surface of revolution with constant negative curvature. Angeregt von der Geschichte der Entdeckung der Elektrizität, produziert er 2008 eine Serie zu elektrischen Ladungen auf Fotoplatten: Lightening fields. Mit der Entstehungsgeschichte der Fotografie befasst er sich in den Photogenetic Drawings (2009). Er sammelt Henry Fox Talbots erste Negative und zieht sie ab; fasziniert von ihrer magischen Ausstrahlung und voller Ehrfurcht davor, erstmals Positivabzüge dieser Bilder zu erstellen, sowie wohl wissend, dass er damit ihre Zerstörung riskiert: »With fear and trepidation, I set about this task like an archaeological explorer excavating an ancient dynastic tomb.« (ebd.)

Sugimoto erhält im Jahr 2001 den Hasselblad Foundation International Award in Photography und 2009 den größten internationalen Kunstpreis, den Praemium Imperiale der Japan Art Association. Sugimoto nimmt an vielen Ausstellungen teil. Jüngste Soloschauen zeigen das Getty Museum Los Angeles (2014), das Guggenheim Museum New York (2013), das Museum Brandhorst München (2012) und das Izu Photo Museum in Mishima, Japan (2010).

Sugimoto lebt und arbeitet in New York.

Literaturauswahl

Hiroshi Sugimoto. Revolution: Ausst.-Kat. Museum Brandhorst, München, hg. v. Armin Zweite, Ostfildern-Ruit 2012

Hiroshi Sugimoto: Ausst.-Kat. K20 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf; Museum der Moderne, Salzburg; Staatliche Museen zu Berlin, Neue Nationalgalerie 2008; Kunstmuseum Luzern, hg. v. Kerry Brougher und Pia Müller-Tamm, Ostfildern 2007

Sugimoto. Portraits: Ausst.-Kat. Deutsche Guggenheim, Berlin, hg. v. Hiroshi Sugimoto, Ostfildern 2000

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen

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