Herbert Falken

Seine Motive und Themen sind der überkonfessionellen, menschlichen Heilssuche gewidmet. Herbert Falken selbst sagt, die »Erschütterung über menschliches Leiden« sei seine »Triebfeder für das künstlerische Schaffen«. Im Zentrum seines malerischen Werkes steht die abstrahierte menschliche Figur, die oft wie illuminiert erscheinenden Kopfformen, deren Transzendenz sich durch die Lichtfülle der Leinwand- oder Blatthelle im Kontrast zur schwarz übermalten Umgebung manifestiert.

Herbert Falken wird am 11. September 1932 in Aachen geboren. Nach seinem Realschulabschluss versucht Falken, als Lehrling eines Reklamemalers sein Hobbydes Zeichnens zum Beruf zu machen. Er bricht die Lehre ab und beginnt in einer Aachener Tuchfabrik eine Lehre zum Industriekaufmann, die er beendet und in diesem Beruf bis 1958 arbeitet. Zugleich entstehen künstlerische Arbeiten, die Falken 1953 Arbeiten im damaligen Suermondt-Museum in Aachen zeigen kann. Am Abendgymnasium in Neuss holt Falken schließlich das Abitur nach. In der Folge studiert er bis 1964 Philosophie und Theologie an den Universitäten in Aachen und Bonn, auch seine künstlerische Arbeit ist von diesen Schwerpunkten bestimmt. 1964 wird Falken zum Priester geweiht und arbeitet als Kaplan in St. Peter in Uerdingen. In den Jahren 1968 bis 1977 ist er Pastor von St. Georgius in Aachen. Ab 1974 wird er zeitweise zugunsten seines künstlerischen Arbeitens von der Seelsorge befreit.

Falkens Motive und Themen sind der überkonfessionellen, menschlichen Heilssuche gewidmet. Er selbst sagt, die »Erschütterung über menschliches Leiden« sei seine »Triebfeder für das künstlerische Schaffen«. Seit 1975 ist Falken Pastor von Schevenhütte. Er lebt und arbeitet in Langenbroich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Heinrich Böll, mit dem er sich anfreundet, und für den er 1985 ein katholisches Begräbnis ausrichtet, obwohl Heinrich Böll längst aus der offiziellen, katholischen Kirche ausgetreten war. Doch eint Falken und Böll grundlegend das Interesse an der Heilsthematik, die sich auch im literarischen Werk Bölls niederschlägt. Die unkonventionelle Handlung Falkens wird von der zeitgenössischen Presse rezipiert.

Im Zentrum von Falkens malerischem Werk steht die abstrahierte menschliche Figur, die oft wie illuminiert erscheinenden Kopfformen, deren Transzendenz sich durch die Lichtfülle der Leinwand- oder Blatthelle im Kontrast zur schwarz übermalten Umgebung manifestiert. Falken schafft weiße Löcher als Kulminationsbild für Heilserfahrung, für Erleuchtung. Beispielhaft ist die Serie seiner Gitterköpfe. Die Apokalypse, Kruzifixe, die Jacobsleiter, Christusbilder und letztlich die menschliche Bedingtheit zwischen Geburt und Tod sind Themen, die sein Werk bestimmen. Das für ihn existenzielle Motiv Gott ist tot, es lebe Gott, so ein Gemälde des Jahres 1969, das sich heute im Diözesanmuseum in Würzburg befindet, prägt seine Arbeiten. Zwar bleibt bei ihm die Gestalt selbst erkennbar, doch setzt er durchaus Elemente der informellen Malerei und der Abstraktion oder Farbreduktion ein, um seinen Motiven eine zeitgemäße Gestalt zu geben. Besonders in seinen Aquarellen reduziert Falken seine Darstellung auf elementare Zeichen wie die reine Kreuzform, ein bloßer Farbbalken oder ein schlichter Kreisring. In diesen Aquarellen zeigt sich auch Falkens Talent zu koloristischen Nuancen. Als malender Priester reflektiert er natürlich die traditionellen Formen christlicher Kunst, wie zum Beispiel die des Triptychons, vertreten hier durch das Geburtstod-Triptychon des Jahres 1983 im Besitz des Rheinischen Landesmuseums in Bonn. An der Documenta VI im Jahr 1977 nimmt Falken teil und erhält so Kontakt zu Wieland Schmied, der ihn 1990 in seine große Berliner Ausstellung »GegenwartEwigkeit. Spuren des Transzendenten in der Kunst unserer Zeit« im Gropiusbau aufnimmt.

Falken, der 1989 aus dem aktiven Kirchendienst ausscheidet, ist seit 1988 Kunstbeauftragter des Bistums Aachen. Neben vielen Auszeichnungen seines Werkes kann er 1990 einen Studienaufenthalt in der Villa Romana in Florenz wahrnehmen. Die Ehrendoktorwürde der Friedrich-Wilhelm-Universität in Bonn erhält Falken 1998. Der Ehrenpreis der Evangelisch-Lutherischen Kirche Bayerns wird ihm 2008 verliehen.

Herbert Falken lebt und arbeitet in Langenbroich in der Voreifel.

Literaturauswahl

Bühren, R. von: Kunst und Kirche im 20. Jahrhundert. Die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils, Paderborn 2008

Plotzek, J.M. (Hg.): Werkbuch. Herbert Falken, Essen 2005

Kraus, St. (Bearb.): Herbert Falken. Arbeiten der 70er und 80er Jahre, Kolumba-Reihe, 1, Köln 1996

Fischer, H. (Hg.): Herbert Falken, aus der Dunkelheit für das Licht, Köln 1993

GegenwartEwigkeit. Spuren des Transzendenten in der Kunst unserer Zeit: Ausst. Kat. Martin Gropiusbau Berlin, hg. v. W. Schmied, Stuttgart 1990

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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