Heinrich Siepmann

In Malerei und Collage spielt Siepmann Kompositionsmethoden geometrischer Formen durch, die ihn in den 1970er Jahren zunehmend zu polygonalen Flächen- und Farbkonstellationen in Öl auf Leinwand und Öl auf Holz führen.

Heinrich Siepmann wird 1904 in Mülheim an der Ruhr geboren. Besuche im Folkwang Museum Essen und die Freundschaft mit dem Maler Max Schulze-Sölde fördern in den 1920er Jahren sein Interesse an der Malerei. 1925 — 27 studiert Siepmann an der Folkwangschule, ab 1928 arbeitet er bereits als freier Maler von Landschaften und Stillleben in Berlin, Xanten, Kassel, München und Amsterdam. Ein Stipendium mit dem Auftrag, alte Meister zu kopieren, führt ihn 1936 — 40 in die Museen von Heilbronn, München und Kassel. 1938 ist er an der Staatschule für angewandte Kunst in Nürnberg.

Nach Kriegsteilnahme und Gefangenschaft ist Siepmann 1948 neben Emil Schumacher, Gustav Deppe, Thomas Grochowiak u.a. Mitbegründer der Künstlergruppe »Junger Westen« und findet nun zur abstrakten Malerei. Das Werkspektrum der 1950er Jahre umfasst Kompositionen, die (auch in der Titelgebung) das Werk Wassily Kandinskys rezipieren (Komposition 24.6.1953), wie auch gestische Linien- und Formfindungen, die zeitweise auch Siepmanns Nähe zu tachistischen Strömungen dokumentieren (Aufbau durch Schwarz, 1957).

Seit den ausgehenden 40er Jahren arbeitet Siepmann verstärkt an konstruktivistisch inspirierten Kompositionen mit geometrischem Formvokabular (Komposition mit gelber Form, 1948). Mit Ende der 1960er Jahre zeugt seine unter dem Titel B nummerierte und datierte Bildfolge von systematischer Bildentwicklung und der Konzentration auf linear strukturierte Quadrat-, Rechteck-, Dreiecksformen. »In der Reduktion und Hinwendung auf Grundformen und klar überschaubare Spannungsverhältnisse im Bildgefüge kam ich«, so Siepmann, »zu Bildern aus einem geometrisch-konstruktiven Ansatz her.« (zit. n.: H. Stachelhaus, in: Ruhrstadt. Die andere Metropole, Essen 2000). In Malerei und Collage spielt Siepmann Kompositionsmethoden geometrischer Formen durch, die ihn in den 1970er Jahren zunehmend zu polygonalen Flächen- und Farbkonstellationen in Öl auf Leinwand und Öl auf Holz führen (B 8 / 1972; B 16 / III / 1973). Über das visuelle Wirkpotenzial der Farben, Farb- und Formkontraste erschließen sich nun auch bildräumliche Dimensionen. Mit seiner konkreten Kunst will Siepmann Ergebnisse schaffen, »die er einmal unter den Begriff ›kombinatorische Ordnungen‹ gestellt hat« (Stachelhaus, ebd.).

In den 1980er Jahren gewinnt dieser Aspekt durch die Verwendung sich überlagernder, teiltransparenter Farbschichten und Layer noch an Bedeutung (B 25 / 1981; B 20a / 1986). Dagegen setzen Siepmanns späte Kompositionen wieder stärker auf linear strukturierte oder konturierte Formkonstellationen (B 10 / 1990; B 33 / 1994) und lassen dabei – insbesondere bei den Bildern auf Leinen – auch zum Teil wieder die Schattierungsansätze und Farbmodulationen früher Arbeiten erkennen (B 11 / 1996).
Bis Heinrich Siepmanns Tod im Jahr 2002 bleibt auch die Collage – und hier unter den ebenso systematisierten Titeln C – bevorzugtes Medium seiner Form- und Farbkompositionen. Hier erlaubt die Schichtung und Konfrontation z.T. unterschiedlicher Materialien, textiler Strukturen oder Wellpappe jene Form- und Farbüberlagerungen, die Siepmann auch in der Malerei beschäftigen.

Früh wendet sich die Kunsthalle Recklinghausen (1956) und das Städt. Museum in Mülheim a.d. Ruhr den Arbeiten Siepmanns zu. 1981 nimmt der Künstler an der 3. Internationalen Biennale für Druckgraphik in Seoul teil. Erste Retrospektiven werden 1989 im Museum Bochum, 1999 im Essener Zollverein gezeigt, seine Gemälde und Collagen im gleichen Jahr in der Kunsthalle Recklinghausen ausgestellt. Im Jahr 2001 sind Siepmanns Arbeiten im Staatlichen Russischen Museum St. Petersburg zu sehen. Zahlreiche Ausstellungen würdigen Siepmanns Œuvre posthum (Städtische Galerie, Lüdenscheid, 2003; Museum Mülheim an der Ruhr, 2005; Städtisches Museum Gelsenkirchen, 2008).

Literaturauswahl

Ullrich, F. (Hg.): Heinrich Siepmann. Monographie, Werkverzeichnis der Gemälde, anl. d. Ausst. im Zollverein Essen u. d. Kunsthalle Recklinghausen, Bielefeld 1999

Müller-Held, A.: Heinrich Siepmann. Vom abstrakten Formenvokabular zur konkreten Bildsprache, zugl. Diss. phil., Münster 1996

Heinrich Siepmann – das Spätwerk, Malerei und Collage: Ausst.-Kat. Von der Heydt-Museum, Wuppertal u.a.O., Bielefeld 1994

Heinrich Siepmann: Ausst.-Kat. Städt. Galerie, Lüdenscheid 1982

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen

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