Hartwig Ebersbach

Seine Bilder geben durch die breiten sich überlagernden Pinselstriche Orientierungspunkte bei den Gemälden Lovis Corinths und seines Lehrers Bernhard Heisig zu erkennen. Dabei geht Hartwig Ebersbach mit seinen in orgiastischen Rot- und Fleischtönen gehaltenen Figuren, die er auf die Leinwand wirft, zugleich vom ostdeutschen Gattungskanon des Historienbildes aus.

Hartwig Ebersbach wird 1940 in Zwickau geboren. Er studiert 1959 bis 1964 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Ab 1961 gehört er der von Bernhard Heisig geleiteten Fachklasse für Malerei an.

Ebersbachs Bilder geben durch die breiten, sich überlagernden Pinselstriche Orientierungspunkte bei den Gemälden Lovis Corinths und seines Lehrers Bernhard Heisig zu erkennen. Dabei geht er mit seinen in orgiastischen Rot- und Fleischtönen gehaltenen Figuren, die er auf die Leinwand wirft, zugleich vom ostdeutschen Gattungskanon des Historienbildes aus. In seinen ersten Porträts (Selbstbildnis mit Barbara, 1960; Porträt Ibrahim H. I, 1962) und großformatigen Gruppenbildern (Versuch einer Deutung, 1962) wird überdies die Zugehörigkeit zum ästhetischen Formenkanon der Leipziger Hochschule deutlich. Veränderungen zu einem eigenwilligeren und verschlüsselteren expressiven Malstil, die mit Arbeiten wie Selbstbildnis mit Freunden (1965) erkennbar werden, führt zu ersten Kollisionen Ebersbachs mit dem ästhetischen Kurs der Machthaber. Dennoch erlangt er 1968 die Vollmitgliedschaft im Verband Bildender Künstler der DDR.

Der folgende Werkabschnitt zeichnet sich durch Formen ästhetischer Selbstreflexion aus, die Ebersbach mit »Kaspar«, seinem Alter Ego, gestaltet (Kaspar / Abwicklung eines Porträts I, 1973). Er experimentiert mit neuen Formen der politischen Kunst, nutzt Installationen (Widmung an Chile, 1974; Antiimperialistische Solidarität, 1977) und Aktionen als neue und ungewohnte Gestaltungsmittel im Rahmen überkommener Propagandathemen.

1978 schließt Ebersbach sich mit dem Komponisten Friedrich Schenker und der »Gruppe Neue Musik Hanns Eisler« in Leipzig zusammen. Sie erarbeiten gemeinsam das Aktions- und Musiktheater »MISSA NIGRA«, für dessen Aufführung im Jahr 1979 Ebersbach die Bühnendekoration gestaltet. Die »Missa Nigra« wird 1981 in Italien und Frankreich aufgeführt. 1979 bis 1983 übernimmt Ebersbach eine Lehrtätigkeit an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Hier lehrt er das Spezialgebiet »Experimentelle Kunst«. Erste Ausstellungen seiner Werke finden ab 1980 auch im Westen statt, zunächst in Galerien Berlins, Altenburgs und Stuttgarts. 1981 bis 1983 arbeitet er mit der experimentellen »Gruppe 37,2«, die unter der Leitung seines ehemaligen Schülers, des Psychotherapeuten und Konzeptkünstlers Hans Joachim Schulze steht, in Leipzig zusammen. 1983 werden Ebersbachs Arbeiten in der Düsseldorfer Kunsthalle, 1984 in München ausgestellt.

Nach der Maueröffnung beteiligt sich Ebersbach aktiv an der Debatte um die Freie Akademie der Künste in Leipzig und wird 1992 deren Gründungsmitglied. Im selben Jahr beginnt eine intensive Arbeitsphase mit dem Medium des Holzschnittes (Tor, 1992; Mappe Ahnen, 1991/92). Nach einer Afrikareise widmet Ebersbach sich skulpturalen Arbeiten aus Pappmaché, die »afrikanische« Motive verarbeiten (Mama Africa 1993; Löffel, 1993; Arche Noah, 1995).

1996 erhält er eine erste große Retrospektive im Leipziger Museum der Bildenden Künste.

Hartwig Ebersbach lebt und arbeitet in Leipzig.

Literaturauswahl

Hartwig Ebersbach, Gemälde, Installationen, Plastiken: Ausst.-Kat. Museum der Bildenden Künste Leipzig, hg. v. Herwig Guratzsch, Ostfildern Ruit 1996

Hartwig Ebersbach, Malerei, Installation, Grafik: Ausst.-Kat. Kunsthalle Darmstadt u.a., Frankfurt/M. 1992

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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