Hans Uhlmann

Uhlmanns Arbeiten sind insbesondere von den Plastiken Naum Gabos und Alexander Calders geprägt, die in ähnlicher Weise die Entmaterialisierung der Skulptur, ihre Reduktion auf umrisshafte bzw. abstrakte Linienführungen von Metallstäben angestreben. Allerdings geht Uhlmanns Beschäftigung mit dem Material Eisen und Stahl, mit dem er sich bereits als Ingenieur beschäftigte, häufig von der menschlichen Figur aus.

Hans Uhlmann wird im Jahr 1900 in Berlin geboren. 1919 nimmt er ein Studium an der Technischen Hochschule Berlin im Fach Elektromaschinenbau auf, das er 1924 als Diplomingenieur abschließt. Noch während der folgenden zwei Jahre beruflicher Praxis in Kiel beschäftigt er sich mit ersten bildhauerischen Entwürfen. Es folgt von 1926 bis 1933 die Lehrtätigkeit an der Technischen Hochschule Berlin. Bereits 1930 stellt er erstmals seine Skulpturen in der Galerie Gurlitt in Berlin aus. Die Inhaftierung durch die Nationalsozialisten von 1933 bis 1935 im Gefängnis Berlin-Tegel bildet eine entscheidende Zäsur. Anschließend arbeitet er bis 1945 als Ingenieur in Berlin, künstlerisch ist er weitestgehend isoliert.

Nach dem Krieg erst stellt er die Draht- und Eisenblechplastiken aus, die ihn seit 1935 beschäftigen. Uhlmanns Arbeiten sind insbesondere von den Plastiken Naum Gabos und Alexander Calders geprägt, die in ähnlicher Weise die Entmaterialisierung der Skulptur, ihre Reduktion auf umrisshafte bzw. abstrakte Linienführungen von Metallstäben angestreben. Allerdings geht Uhlmanns Beschäftigung mit dem Material Eisen und Stahl, mit dem er sich bereits als Ingenieur beschäftigte, von der menschlichen Figur aus und wurde vor allem in den Zeichnungen während seines Gefängnisaufenthaltes vorbereitet. In den beiden Alben Kleines Verbrecher-Album, Ganoven und Schwerenöter, Hundert Tegeler und Köpfe, Zöpfe, Bärte, Locken und Büsten aus Draht von 1934/35 widmet er sich dem Porträt und seiner konstruktiven Analyse in Metalldraht. Die Zeichnungen dienen ihm als Vorlage für eine Reihe von Drahtskulpturen, die als Köpfe und Büsten gestaltet sind (Kopf (Drahtfigur), 1934). Bald entstehen auch figurale Büsten aus geometrischen Eisenblech-Platten, deren räumliche Verspannungen vor allem mittels Licht- und Schatteneffekten körperliche Volumina suggerieren (Kopf, 1937).

Von dieser figuralen Orientierung wendet Uhlmann sich zunächst nach und nach ab, erarbeitet aus dem Material des gebogenen Eisendrahtes »skulpturale Zeichen« (Roters 1989), deren schwebender Charakter zunächst, wie in der Arbeit Vogel von 1947 noch motivisch begründet wird, dann jedoch in abstrakten geometrisierten Bewegungszügen mündet (Zeichen, 1948). 1950 übernimmt Uhlmann eine Professur an der Hochschule der Künste, Berlin. Er ist nachfolgend 1951 auf der Biennale São Paulo und 1954 auf der Biennale Venedig und der Triennale Mailand vertreten. Schließlich nimmt er in den Jahren 1955, 1959 und 1964 an der Documenta teil.

Mit der deutlich verbesserten Arbeitsausstattung an der Hochschule der Künste ergibt sich für Uhlmann die Möglichkeit, sich den Aufgaben der Denkmalsskulptur zuzuwenden und damit öffentliche Auftragsarbeiten zu übernehmen, die der Künstler zu seinen »wichtigsten Realisierungen« zählt. (Uhlmann, in: Haftmann, 1975). Zu ihnen gehört Concerto von 1954, eine Arbeit für das Foyer des Konzertsaales der Hochschule für Musik in Berlin. Hier kann Uhlmann sich insbesondere der Übersetzung musikalischer Modulierung in die künstlerische Struktur einer Metallskulptur widmen, ein Thema, das auch weitere Arbeiten u.a. vor der Deutschen Oper, Berlin (1960 — 61) oder für die Philharmonie Berlin (1963) bestimmt. Mit der rotierenden Gestaltung schmaler Messingbänder bei der Arbeit Concerto macht sich ein formales Grundmotiv seiner monumentalen und raumgreifenden Arbeiten bemerkbar, das in späteren Werken von der Faltung großflächiger Eisenbleche ergänzt wird. Letztere erwecken den Eindruck aufgespannter Tragflächen oder Flügel und erzeugen den Eindruck zielgerichteter Bewegung. In seinem Mahnmal zum Gedächtnis des Widerstandes im Dritten Reich, das 1960 in Leverkusen errichtet wird, avanciert diese Form zum beherrschenden Motiv. Weitere Arbeiten stellen sich wiederum in die Nähe zu pflanzlichen Gebilden (Wachstum, 1962).

Besonders eigenwilligen Charakter hat eine weitere Werkgruppe Uhlmanns, die er als Fetische benennt. Sie enstehen zwischen 1958 und 1966, sind kleinformatiger und kommen auf das Thema der Büste zurück. Formalisierte Köpfe werden aus geometrischen Elementen montiert, zylindrische Augenlöcher und horizontale Mundspalten vervollständigen den befremdlichen Eindruck. Auf schmalen Metallröhren oder eckigen zylindrischen Elementen wirken diese Objekte wie aufgespießt und evozieren Assoziationen zu exotischen bzw. technoiden Masken (Fetisch, 1958; Kopf-Fetisch I, 1967).
Schließlich gehören architektonisch orientierte Skulpturen, die sich nun Fragen der Raumbildung in Türmen und Säulen widmen, zu den bevorzugten Motiven seiner letzten Arbeitsjahre. Auch hier bleibt die anthropomorphe Ausrichtung, die sich in Vertikalität, dem Wunsch nach All-Ansichtigkeit und der Unterscheidung von körperhaftem Inneren und äußerer Hülle äußert, sein Hauptinteresse. Wichtig bleibt ihm jedoch auch hier der Verzicht auf körperliche Masse. Vielmehr wird durch die Transparenz und scheinbare Leichtigkeit der eingesetzten Gestaltungsmittel der Eindruck eines bewegten Körpers erzeugt (Großer Turm 1961; Viereck-Säule, 1970;Turm allseitiger Ausstrahlung, 1972).

Uhlmann ist zu Lebzeiten in zahlreichen Ausstellungen zu sehen, so u.a. auf der Weltausstellung Montreal 1967, in der Akademie der Künste Berlin (1968), im Musée Cantonal des Beaux-Arts Lausanne (1968 — 69), der Hamburger Kunsthalle (1973 — 74) und der Nationalgalerie Berlin (1974).
Im Jahr 1975 stirbt Hans Uhlmann in Berlin. Das skulpturale und das zeichnerische Werk Uhlmanns ist, dank Dauerleihgaben aus Privatbesitz, auf zwei öffentliche Sammlungen konzentriert: die Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum und die Berlinische Galerie. In Duisburg ist dem Werk Uhlmanns ein eigener Raum gewidmet.

Literaturauswahl

Hans Uhlmann (1900 — 1975), die Aquarelle und Zeichnungen (mit Werkverzeichnis): Ausst.-Kat. Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg, bearb. von Carmela Thiele, hg. v. C. Brockhaus und J. Merkert, Berlin 1990

Momentaufnahme: Ausst.-Kat. Staatliche Kunsthalle Berlin, hg. v. W. Schmied und W. Haftmann, Berlin1987

Hans Uhlmann, 1900 — 1975. Plastik und Zeichnungen: Ausst.-Kat. Städtische Kunsthalle, Mannheim 1978

 

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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