Hans-Martin Ihme

Die technische Perfektionierung der programmgesteuerten Maschinen ist zunächst sein Anliegen. Doch gelingen Hans-Martin Ihme mit seinen kontrolliert geschalteten, früh bereits computerprogrammierten kinetischen Lichtobjekten poetische Eingriffe in den Raum.

Hans-Martin Ihme wird 1934 im kanadischen Montreal geboren und kommt 1937 nach Deutschland. Nach der Schulzeit nimmt er 1960 das Studium der Physik an der Universität Kiel auf, ist dort nach seinem Abschluss bis 1999 wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Angewandte Physik.
Ihmes künstlerische Interessen liegen zunächst auf dem Feld der Musik. Erst die Konfrontation mit der kinetischen Kunst und technoid-bewegten Objekten initiiert die Arbeit an eigenen lichtkinetischen Objekten, die er zeitlebens neben seiner Arbeit am Kieler Universitätsinstitut entwickeln wird.

Unter dem Eindruck technisch ungenügsamer lichtkinetischer Lösungen nimmt Ihme 1968 die Arbeit an seinen Lichtmaschinen auf. Die technische Perfektionierung der programmgesteuerten Maschinen ist zunächst sein Anliegen. Doch gelingen ihm mit seinen kontrolliert geschalteten, früh bereits computerprogrammierten kinetischen Lichtobjekten poetische Eingriffe in den Raum. Sie finden bald ebenso in museale Sammlungen (Kunstmuseum Gelsenkirchen; Kunsthalle zu Kiel) wie in den öffentlichen Raum (Lichtmaschine, 1970, Georgsplatz/ Hannover), für den Ihme beispielsweise auch im Fall einer internationalen Ausschreibung für die Stadt Eindhofen (NL) Entwürfe liefert (vgl. Ausst.-Kat. Ars Electronica, Linz 1980, 120).

Auf Basis nüchterner Versuchsaufbauten, die scheinbar der Natur entnommene Baupläne und meist geometrische Rahmenkonstruktionen aufweisen, entwickelt Ihme Lichtobjekte mit kleinen Dioden-Feldern oder Strängen, die in ihrer exakten Schaltung frappierende tiefenräumliche Effekte erzeugen. Geometrische Körper, kristalline Formen oder Tiefenraumkonstruktionen gewinnen durch die Lichtpunkte Präsenz. Sie werden durch ihr sequenzielles Aufleuchten oder das Verfahren der flächenhaft-simultan geschalteten Reihungen auch zu ephemeren schematischen Erscheinungen. Durch ihre derart veränderliche, doch immer konstruktionsbezogene Lichtchoreografie erhalten die Lichtformationen temporär körperliche Präsenz, mutieren bisweilen auch zu abgegrenzten Lichtfeldern, in denen spezielle Konstruktionsdetails betont oder ähnlich dem malerischen Verfahren der Höhung pointiert hervorgehoben werden (Lichtmaschine I und II). Zeitweise treten die körperlichen und räumlichen Eigenschaften der Objekte auch ganz in den Hintergrund, wo lediglich lichte Flächenstrukturen und Lichtmuster ausgebildet werden.

Neben Einzelausstellungen – wie z.B. »Lichtmaschinen«, in der Kunsthalle zu Kiel, 1974 – oder den regelmäßigen Landesschauen des Bundesverbandes Bildender Künstler werden Ihmes lichtkinetische Objekte seit den 1970er Jahren auch in zahlreichen Themenausstellungen gezeigt (1971: »Spielen und Spielzeug«, Kunsthalle zu Kiel; »Aspekte der Plastik in Schleswig-Holstein«, Flensburg, Städtisches Museum; »Kunstszene Kiel«, Finnland; 1977: »Kunst und Kybernetik«, Braunschweiger Kunstverein; 1978: »Figur und Raum«, Museum am Dom, Lübeck; »Kinetik – Kybernetik«, Linz; »Lichtsculptures«, Eindhoven/Holland, Philips-Kulturzentrum).

Licht, Raum und Zeit bleiben bis zum Tod Hans-Martin Ihmes im Jahr 2010 die Materialien seiner künstlerischen Arbeiten.

Literatur

Kinetik in Schleswig-Holstein: Ausst.-Kat. Stadtgalerie im Elbeforum, Brunsbüttel 2007

nordskulptur:licht: Ausst.-Kat. Sagerhalle, hg. v. C. Friede, Neumünster 2007

Guderian, Dietmar: Mathematik in der Kunst der letzten dreißig Jahre, Ebringen 1991

Elektronische Kunst – Kybernetische Objekte. Vier Beispiele: Günter Dohr, Walter Giers, Hans-Martin Ihme, Peter Vogel: Ausst.-Kat. Kunstverein Braunschweig, hg. v. B. Holeczek, Braunschweig 1977

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen

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