Hans Haacke

Heute gilt Haacke als einer der prominentesten Vertreter politischer Konzeptkunst. Er wartet nicht, bis das Publikum zu ihm kommt – er bringt seine Botschaften im wahrsten Sinne unter das Volk.

Hans Haacke wird 1936 in Köln geboren. Von 1956 bis 1960 studiert er an der Staatlichen Werkakademie, Kassel. Er ist Mitarbeiter im Atelier 17 in Paris, bevor er 1961 bis 1962 mit einem Stipendium an die Tyler School of Fine Arts an der Temple University in Philadelphia (USA) geht. Von 1963 bis 1965 lehrt er unter anderem an der Pädagogischen Hochschule Kettwig, übersiedelt dann nach New York und wird 1967 Professor an der Cooper Union for the Advancement of Science and Art in New York City. Zwischenzeitlich ist er Gastprofessor an der Gesamthochschule Essen (1979) und an der Hamburger Hochschule für Bildende Kunst (1994).

Haacke wendet sich in seiner Kunst investigativen Methoden zu und tritt für Demokratie, Bürgerbeteiligung, Menschenrechte und die Unabhängigkeit der Kunst ein. So befragt er im Museum of Modern Art in New York Besucher über ihre politische Haltung zum Gouverneur Rockefeller bezüglich der Indochina-Politik Nixons. Diese Frage ist brisant, weil die Rockefeller-Familie im MoMA federführende Positionen bekleidet. Von nun an konzentriert sich Haacke insbesondere auf undurchsichtige Einflussnahmen durch Personen, Institutionen und Geld.

Heute gilt Haacke als einer der prominentesten Vertreter politischer Konzeptkunst. Er wartet nicht, bis das Publikum zu ihm kommt – er bringt seine Botschaften im wahrsten Sinne unter das Volk. Seine Arbeiten wirken provokant, ohne dass dies sein erklärtes Ziel wäre. »Indirekt spricht durch meine Arbeiten, was ich mir für eine humanere Welt erträume«, so Haacke (zit. n. Munzinger – Internationales Biographisches Archiv, www.munzinger.de/document/00000021417 [09.11.2013]).

1971 löst erstmals ein Haacke-Werk einen Skandal aus: Der Künstler dokumentiert die Immobilienkäufe und -spekulationen der Familie Shapolsky in New York in seiner Arbeit Shapolsky et al. Manhattan Real Estate Holdings, A Real Estate System, as of May 1, 1971. Sie wird sechs Wochen vor der geplanten Ausstellungseröffnung im Guggenheim Museum in New York abgelehnt, der Kurator wenig später entlassen. In der Folge boykottieren mehr als 130 Künstler das Museum. Im Manet-Projekt ’74 dokumentiert Haacke die Verkäufe des Manet-Gemäldes Spargelbündel bis zum Ankauf für das Wallraf-Richartz-Museum Köln mit den Namen und Ämtern der jeweiligen Besitzer. Dabei deckt er die Karriere des Vorsitzenden des Museums-Fördervereins, Hermann Josef Abs, in der Nazizeit auf. Die Arbeit wird abgelehnt, doch wieder solidarisieren sich viele Künstler mit Haacke und ziehen ihre Werke vom Projekt ’74 zurück. Aufsehen erregt 1991 auch das Werk Zum Appell. Deutsche Industrie im Irak. Am Münchner Königsplatz hisst Haacke Banner mit den Namen deutscher Unternehmen, die Kriegsgeräte an den Irak geliefert hatten. Die wohl größte Debatte in Deutschland erzielt Haacke 2000 im Deutschen Bundestag in Berlin. In einen offenen, mit Erde gefüllten Holzkasten setzt er den weißen Schriftzug Der Bevölkerung, quasi als Gegenüber zur Giebel-Inschrift »Dem deutschen Volke« am historischen Gebäude. Das Werk ruft eine Bundestagsdebatte zur Abstimmung hervor.

Haacke wird unter anderem 1978 mit dem National Endowment for the Arts ausgezeichnet. 1991 erhält er den Deutschen Kritikerpreis und den Preis für sein Lebenswerk von der College Art Association, New York. 1993 ehrt ihn die Venedig Biennale mit dem Goldenen Löwen (mit Nam June Paik). Die Bauhaus Universität Weimar verleiht ihm 1998 die Ehrendoktorwürde, die Stadt Bochum 2004 den Peter-Weiss-Preis und 2006 bekommt er den Bremer Rolandpreis.

Soloausstellungen finden unter anderem in der Galerie Schmela, Düsseldorf statt (1965), in der Howard Wise Gallery, New York (1968), dem Museum Haus Lange in Krefeld (1972), der Tate Gallery, London (1984), der Kunsthalle Bern (1985) und dem Musée National d’Art Moderne, Centre George Pompidou (1989). Die Berliner Akademie der Künste und die Deichtorhallen Hamburg zeigen 2006 eine Retrospektive, 2012 das Museo Reina Sofia in Madrid. 1972, 1982 und 1987 nimmt Haacke an den documenta-Ausstellungen teil.

Hans Haacke lebt und arbeitet in New York.

Literaturauswahl

Hans Haacke. Castles in the sky: Ausst.-Kat. Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid hg. v. Mafalda Rodríquez, Madrid 2012

Gabriele Hoffmann: Hans Haacke. Art into society – society into art, Weimar 2011

Hans Haacke, Pierre Bourdieu: Libre-échange. Freier Austausch. Für die Unabhängigkeit der Phantasie und des Denkens, Frankfurt 1995

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen

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