Hans Geipel

Seit 1955 macht er sich als Grafik-Designer einen Namen, als er u.a. für den Süddeutschen Rundfunk das Erscheinungsbild in Programmen, Publikationen und Ausstellungen gestaltet. Parallel entstehen freie künstlerische Arbeiten wie Bilder und Objekte, reliefartige Materialmontagen, geschweißte Eisenplastiken und kinetische Objekte. Als 75-Jähriger beendet Geipel sein letztes großes Projekt, eine aus 10.000 Einzelbildern zusammengesetzte Lichtinstallation am Frankfurter Messeturm.

Hans Geipel wird 1927 in Meiningen/ Thüringen geboren. Nach dem Studium an der Landesschule für angewandte Kunst in Erfurt (1946 — 49) flieht er 1950 aus der DDR und kommt zunächst in der »Ruine« in Stuttgart am Bubenbad unter, mit Willi Baumeister als Nachbarn. An der Werkkunstschule in Offenbach studiert er Schrift und Typographie bei Herbert Post (1950 — 52). Gleichzeitig ist Geipel als leitender Mitarbeiter im Grafik-Studio des Office of the US-High Commissioner for Germany in Frankfurt/M. u.a. für die Ausstellungstafeln der U.S.Information Centers der Amerikahäuser verantwortlich. Enttäuscht von der Korea-Politik der USA, beendet er diese Arbeit und gründet am Bodensee zusammen mit dem Maler und Grafiker Georg Müller das »Werkhaus Horn«, einen alternativen Wohn- und Atelierort; hier begegnet er auch Otto Dix und Max Ackermann, die in der Nachbarschaft wohnen.

Seit 1955 macht er sich als Grafik-Designer einen Namen, als er u.a. für den Süddeutschen Rundfunk das Erscheinungsbild in Programmen, Publikationen und Ausstellungen gestaltet (1955 — 75). Außerdem entwickelt er Leit-, Orientierungs- und Farbsysteme für öffentliche Gebäude (Universitätsklinikum Göttingen, Museum für Einspritzpumpen der Robert Bosch GmbH, Stuttgart-Feuerbach, u.a.) und arbeitet an Zeichentrickfilmen für den Hessischen Rundfunk (1957). 1965 gründet er mit anderen die Zeitschrift »Format« (für visuelle Kommunikation), deren Chefredakteur er von 1966 bis 1967 ist. An der FH Stuttgart ist er freier Dozent für Typographie und Gestaltungslehre (1967 — 71). 1967 bezieht Geipel sein nach einem Entwurf von Hans Scharoun entstandenes Haus in Gerlingen bei Stuttgart. Mit Anton Stankowski arbeitet er zusammen (1974) und sie gründen, zusammen mit anderen, den Arbeitskreis Grafik und Wirtschaft (AKW) (1962) und später die Gruppe »Konstruktive Tendenzen« (1983).

Seit 1957 entstehen parallel zu seinem grafischen Werk freie künstlerische Arbeiten wie Bilder und Objekte, reliefartige Materialmontagen (1957), seit 1960 geschweißte Eisenplastiken (Tetraeder, 1961, eine abstrakte Form, aus einem Paket von Nägeln geschweißt) und seit 1962 kinetische Objekte (Emma, 1962;Kinetische Wand, 1965 im Pavillon des Süddeutschen Rundfunks bei der Deutschen Funkausstellung in Stuttgart; Kinetisches Environment, 1973 in der August Thyssen Hütte AG, Duisburg). Viele der Arbeiten sind für den Außenraum konzipiert (Kinetischer Turm und Installationen, 1975 im Berufsschulzentrum Bietigheim; Windobjekt Farbkreis, 1984 im Kindertagheim, Stuttgart-Feuerbach).
Geipel konstruiert in 30 Jahren rund 1200 kinetische Objekte aus den Grundformen Quadrat, Kreis und Rechteck. Metall, Licht, Spiegel und Computergrafiken sind sein Material. Sein Leitmotiv ist die der Bauhaus-Tradition verpflichtete Vorstellung, dass die Idee Klarheit gewinnen muss, ehe sie Form wird. Geipels Objekte sind, anders als die zeitgleich entstehenden geräuschvollen Schrottmaschinen von Jean Tinguely – von denen Geipel nach eigenen Aussagen erst später erfährt –, eher »Maschinen der Meditation« (vgl. Leonhard, in: Hans Geipel Retrospektive 1947 — 87. Kunst Design. o.O. o.J., 38). Diese erscheinen immer wieder in anderen Varianten: 1985 entwickelt Geipel das Spiegelmobile (Neubau Rathaus Gerlingen), von 1985 bis 1992 entstehen kinetische Objekte und Installationen im Architekturbereich sowie Kunstkonzeptionen für öffentliche und private Bauprojekte. Als 75-Jähriger beendet Geipel sein letztes großes Projekt, eine aus 10.000 Einzelbildern zusammengesetzte Lichtinstallation am Frankfurter Messeturm.

Man kann konzeptuelle Parallelen zwischen Geipels Arbeiten als Designer und als Künstler feststellen. Wie das Corporate Design (Systemdesign) für den Süddeutschen Rundfunk sich langsam entwickelt und dann Variationen sichtbar werden, so werden kinetische Objekte konstruiert, »deren Programm der Bewegungen ja oft über einen langen Zeitraum läuft, ehe sich über einem gleichbleibenden, basalen Aufbau – dem Moment der Konstanz – die vielfältig variierenden Konstellationen wiederholen.« (vgl. Seitz, in: ebd., 8). Dabei zeichnen sich seine freie Arbeiten alle durch die Verbindung von Konstruktivität und einem »Sinn für das Wachstumshafte« aus (Seitz, in: ebd., S. 6). Dieses Interesse an Variationen führt den »Generalisten« Geipel 1975 zu der intensiven Auseinandersetzung mit der Entomologie (Insektenkunde), aber auch zu Gartengestaltungen, in den künstlerische und ökologische Aspekte miteinander vereint werden (z.B. im Steinbruch in Gerlingen, 1967 — 87, in einem Privatgarten im Tessin, beim Entwurf für den japanischen Garten im Foyer des Bundespostministeriums).

Geipel erhält Preise und Auszeichnungen für sein grafisches und künstlerisches Werk. Er hat Ausstellungen in Galerien und Museen und seine Objekte und Installationen findet man in zahlreichen öffentlichen Gebäuden.

Hans Geipel stirbt 2007 in Gerlingen.

Literaturauswahl

Kinetische Kunst: Sammlungs-Kat. Städt. Museum Gelsenkirchen, Heidelberg 1998

Idee – Werk Konstruktive Tendenzen: Ausst.-Kat. Galerie am Fischmarkt, Erfurt 1995

Hans Geipel, Retrospektive 1947 — 87. Kunst Design: Ausst.-Kat.. o.O. o.J.

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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