Hans Arp

»Ich wollte eine andere Ordnung, einen anderen Wert des Menschen in der Natur finden. … Alle Dinge und der Mensch sollten wie Natur sein, ohne Maß. Ich wollte neue Erscheinungsbilder schaffen, neue Formen aus dem Menschen gewinnen.« Diese »neuen Formen« manifestieren sich in Hans Arps selbst gerahmten, damit begrenzten Reliefbildern, die die konsequente Synthese aus konkreter Abstraktion, der Technik des Collagierens, der dekonstruktiven Intention des Dada, der künstlereigenen Weltsicht des Surrealismus und des Kompositionskalküls der Konstruktivisten in sich vereint.

Am 16. September 1886 wird Hans Arp in Straßburg im Elsass geboren. Er besucht dort 1904 die Kunstgewerbeschule. 1905 — 07 studiert er in Weimar bei Ludwig von Hofmannn und wird durch ihn mit Impressionismus und Jugendstil konfrontiert. In Paris studiert Arp 1908 an der Académie Julian. In Zürich ist er 1911 Mitbegründer der Malergruppe »Der moderne Bund«. Im gleichen Jahr lernt er Kandinsky kennen. Arp stellt 1912 gemeinsam mit dem »Blauen Reiter« in München aus, lernt Robert Delaunay und dessen besondere Rezeption des Kubismus kennen. Zugleich setzt sich Arp mit Kandinskys »konkreter« Abstraktion auseinander.

In diesen Jahren pendelt Arp zwischen Köln, Paris, Zürich und Berlin, wo er 1913 seine Arbeiten in Herwarth Waldens Galerie »Der Sturm« ausstellt und zeitweise bei der gleichnamigen Zeitung mitarbeitet. Max Ernst lernt er 1914 bei der Werkbundausstellung in Köln kennen. In Paris hat er Kontakt zu Max Jacob, Apollinaire, Modigliani und Picasso. In Zürich zeigt er seine erste Einzelausstellung mit Collagen und Wandteppichen in der Galerie Tanner, befreundet sich mit Sophie Taeubner, mit der er intensiv zusammenarbeitet. Es entstehen Duo-Collagen und Duo-Zeichnungen. 1922 heiraten die beiden Künstler. Zwischenzeitlich ist Arp aktives Mitglied der Dada-Bewegung in Köln und Zürich. 1916 ist er im Cabaret Voltaire in Zürich neben Hugo Ball, Richard Huelsenbeck und Tristan Tzara Mitbegründer der dortigen Dadaisten. In diesem Jahr entstehen erste bemalte Holzreliefs, Reliefs aus Karton und Materialcollagen aus Papier und Stoffen. Arp hat Kontakt zu Schwitters und ist mit Baargeld und Ernst Mitglied der Kölner Dada-Gruppe – partizipiert an der gesamten Erscheinungsbreite der internationalen Dada-Bewegung. Zugleich setzt er sich 1919 mit der Arbeit des Konstruktivisten El Lissitzky auseinander.

In Paris entsteht 1920 Arps Gedicht »Die Wolkenpumpe«. Seither arbeitet er als Maler, Bildhauer und Dichter. 1922, nach erneuter Zusammenarbeit mit Eluard, Ernst und Tzara, ist er auf der internationalen Dada-Ausstellung in Paris vertreten. Bei Schwitters MERZ-Verlag in Hannover veröffentlicht Arp seine 7 Arpaden. Nicht ganz so konsequent wie Schwitters MERZ-Bildwelt ist es bei Arp bis in sein Todesjahr entweder die Welt der Arpaden oder später die der Arpadien. Dieser Name für Arps eigene Formwelt alliteriert nicht von ungefähr das pagan-utopische Arkadien, dem sich Künstler seit Poussin immer wieder malend zu nähern suchen. Arp äußert sich 1966 zur Autonomie seiner arpadischen / arkadischen Bildwelt ganz dezidiert: »Ich wollte eine andere Ordnung, einen anderen Wert des Menschen in der Natur finden. … Alle Dinge und der Mensch sollten wie Natur sein, ohne Maß. Ich wollte neue Erscheinungsbilder schaffen, neue Formen aus dem Menschen gewinnen.« Diese »neuen Formen« manifestieren sich in seinen selbst gerahmten, damit begrenzten Reliefbildern, die die konsequente Synthese aus konkreter Abstraktion, der Technik des Collagierens, der dekonstruktiven Intention des Dada, der künstlereigenen Weltsicht des Surrealismus und des Kompositionskalküls der Konstruktivisten in sich vereint. Malerisches ist Arp nicht so wichtig, er streicht seine Reliefbilder oft in harten Farbkontrasten an (schwarz/weiß, schwarz/gelb oder grün/gelb).

Weit in die Abstraktion gelangt Arp mit seinen monochromen Reliefbildern, in denen die Schatten der reliefierten Formen markant sind. Arpadien besteht aus biomorph an- und abschwellenden Formen. Mal steht die Relieffigur im Bildzentrum, mal die glatt gestrichen aufgetragene, gemalte Hauptfigur eines Reliefbildes. Immer gelingt es Arp, seiner Aussage gemäß, innerhalb seiner (Theater-) Bühnenkästen ein eigenwillig bewegtes, klug kompositionell gesteuertes Gewese zu erstellen. 1930 entwickelt er mit seinen papiers déchirés, den freihand gerissenen Papieren eine neue Collagetechnik. Zugleich entstehen in diesem Jahr erste dreidimensionale, frei stehende Skulpturen, die sein späteres Werk dominieren. Wie kooperativ und synthetisierend Arps Ansatz ist, zeigt alleine seine Gruppenmitgliedschaft der Jahre 1930/32: bei den Pariser Surrealisten, bei »Cercle et Carré« in Paris, bei »abstraction – création, art non figuratif« in Meudon, wo er sich 1926 niederlässt.

Die Besatzungs- und Kriegsjahre verbringt Arp zunächst in Südfrankreich (1940), später in Basel und Zürich (1942). 1946 kehrt er nach Meudon zurück. Die Nachkriegsjahre sind geprägt durch monumentale Freiplastiken, internationale Aufträge und Ausstellungen (1949 erste Ausstellung Buchholz Gallery, N.Y). Auf der Biennale in Venedig erhält er 1954 den großen Preis für Skulptur. Eine Retrospektive zu Arp und Sophie Taeubner-Arrp wandert 1955 durch Deutschland, 1958 folgt eine große Arp-Ausstellung im Museum of Modern Art, N.Y., 1962 ehrt ihn Paris mit einer Retrospektive.

Am 7. Juni 1966 stirbt Hans Arp in Basel.

Literaturauswahl

Hans Arp, Fritz Winter: Dialog ohne Begegnung: Ausst.-Kat. Bayerische Staatsgemäldesammlung, München, hg. v. K. Klingsöhr-Leroy, Köln 2008

Licht auf Arp. Hans Arp und Sophie Taeubner-Arp: Ausst.-Kat. Stiftung Bahnhof Rolandseck, hg. v. K. Gallwitz, Düsseldorf 2008

Suter, R.: Hans Arp: Weltbild und Kunstauffassung im Spätwerk, Bern 2007

Hans Arp: die Natur der Dinge: Ausst.Kat. Stiftung Bahnhof Rolandseck, hg. v. K. Gallwitz, Düsseldorf 2007

Robertson, E.: Arp, Painter, Poet, Sculptor, New Haven 2006

Schwitters – Arp: Ausst.-Kat. Kunstmuseum Basel, hg. v. H. Fischer, Ostfildern-Ruit 2004

Rau, B.: Hans Arp. Die Reliefs, Oeuvrekatalog, Stuttgart 1981

Jean, M. (Hg.): Arp on Arp – poems, essays, memoires by Jean Arp, New York 1972

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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