Günther Förg

Sein Werk zeichnet sich sowohl durch eine material- wie medienübergreifende Bildsprache aus. Dabei stellt neben der Materialität v.a. der Raumbezug ein wesentliches Merkmal dar – sei es in Installationen, in denen Günther Förg durch große Farbflächen die Raumwirkung des Ausstellungsraum verändert, neue Interieurs entwickelt oder Raumsegmente mittels Objekt und Fotografie um- und neudefiniert.

Günther Förg wird 1952 in Füssen im Allgäu geboren. 1973 bis 1979 absolviert er ein Kunststudium an der Kunstakademie München bei Karl Fred Dahmen, beschäftigt sich hier mit materialbetonter abstrakter Malerei und erschließt sich bereits neue Bildträger wie Blei und Aluminium (Bleibild 26/88, 1988). Im Anschluss an das Studium findet seine erste Einzelausstellung in München statt. 1992 — 98 lehrt Förg Malerei an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, seit 1999 ist er Professor für Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste in München.

Förgs Werk zeichnet sich sowohl durch eine material- wie medienübergreifende Bildsprache aus. Seit Ende der 1970er Jahre entwickelt er sie in der Fotografie und Malerei, mit Papierarbeiten und großformatigen Leinwandbildern, aber auch im Bereich der Skulptur und Installation. Dabei stellt neben der Materialität v.a. der Raumbezug ein wesentliches Merkmal dar – sei es in Installationen, in denen Förg durch große Farbflächen die Raumwirkung des Ausstellungsraum verändert (Wandarbeit, 1979), neue Interieurs entwickelt oder Raumsegmente mittels Objekt und Fotografie um- und neudefiniert (Installation, 1981).

Auch mit den fotografischen Serien von architekturgeschichtlich bedeutungsvollen Repräsentationsbauten des 20. Jahrhunderts (Haus Lange, Krefeld 1, 1986/1998;Villa Malaparte, 1990/98; Haus Wittgenstein, 1986; Villa Tugendhadt, 1989) bleiben Bezugnahmen auf Raum und Architektur wirksam. Die Fotobücher Förgs belegen dabei den Umfang wie die systematische Anlage seines fotografischen Archivs (Moskau / Moscow, 1995). Auch spezifische Bauten als Träger politischer Ideen, wie beispielsweise die italienische Architektur des Faschismus (Palazzo della civilità italiana, 1984/2000; Lingotto, 1989), wecken Förgs Interesse an architektonischen Strukturen und Bauelementen, die der Künstler bisweilen auch in Objekten, so beispielsweise farbig gefassten Holzwürfelchen, auf spielerischere Weise behandeln kann (Baukasten, 1996). Von ganz anderer Art sind dagegen die Anfang der 1990er Jahre entstehenden Skulpturen, z.B. die Reihe kleinformatiger Bronze-Masken aus dem Jahr 1990, die sich in Form, Materialität und Oberflächenstruktur offenkundig an außereuropäischer und antiker Kunst orientieren.

Neben dem fotografischen und skulpturalen Œuvre bedient sich Förg einer Vielzahl weiterer künstlerischer Techniken. Im Rahmen einer Ausstellung im Städtischen Museum Abteiberg in Mönchengladbach rezipiert er auch die Malerei der Moderne im Medium der Malerei. In Großformaten (Die große Decke, 1998) oder auch kleinformatigen Aquarellen bezieht er sich hier u.a. auf Werke von Mondrian, Nay, Newman, Cliffort Still, Polke, Palermo oder Richter. In den großteils unbetitelten Arbeiten bleibt auch hier Förgs Interesse an materiellen und architekturbezogenen Strukturen des Bildes wach, wenn er auch hier die Bezugspunkte bei den »Größen« der Architekturgeschichte gegen die Exponenten der Malerei des 20. Jahrhunderts eintauscht. Auch in jüngerer Zeit steht die Malerei stärker im Zentrum von Förgs Arbeit: 2008 präsentiert er über 100 neue Arbeiten, Farbfeldmalerei und farbige Rhythmen mit starkem Pinselduktus, die an frühe Bilder anknüpfen.

Seit Beginn der 1980er Jahre sind Förgs Arbeiten in internationalen Ausstellungen präsent, die er meist selbst kuratiert. So werden seine Arbeiten u.a. 1989 im Museum of Modern Art in San Francisco, 1998 im Städtischen Museum Abteiberg in Mönchengladbach und 1999 im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia in Madrid gezeigt. 1992 ist Förg auf der Documenta IX vertreten. Jüngere Ausstellungen widmen sich seinem Werk u.a. 2006 in der Kunsthalle Bremen und im Gemeentemuseum Den Haag oder 2008 in der Sammlung Essl in Klosterneuburg/ Wien.

Günther Förg lebt und arbeitet in Freiburg im Breisgau und im schweizerischen Areuse.

Literaturauswahl

Günther Förg – Back and Forth: Ausst.-Kat. Klosterneuburg 2008

Günther Förg, Fotografie: Ausst.-Kat. Bremen 2006

Günther Förg, Bilder 1973 — 1990: Ausst.-Kat. Galerie Max Hetzler, hg. v. Th. Groetz, Berlin 2004

Günther Förg präsentiert: Karl von Pidoll: »Aus der Werkstatt eines Künstlers. Erinnerungen an den Maler Hans von Marees aus den Jahren 1880 — 81 und 1884 — 85«, München 1930, Reprint. Köln 2004

Günther Förg, Moskau / Moscow. Köln 2002

Günther Förg: Ausst.-Kat. Kunsthaus Bregenz, hg. v. E. Schneider, 2 Bde. Bregenz 2001

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen

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