Günter Tollmann

1969 ist er gemeinsam u.a. mit Helmut Bettenhausen, Friedrich Gräsel, Kuno Gonschior und Ferdinand Spindel an der Gründung der nach einem Straßennamen benannten Künstlergruppe »B1« beteiligt, die mit ihren Aktionen wesentliche Impulse für das zeitaktuelle Design, die Architektur, Raum- und Landschaftskunst gibt. In den 1960er und 70er Jahren gewinnt Tollmann mit seinen kinetischen Großplastiken zunehmend auch international Anerkennung und erhält zahlreiche Preise.

Günter Tollmann wird 1926 in Gelsenkirchen geboren. Nach einer Lehre als Schriftmaler, die er 1959 mit dem Meister abschließt, studiert er bis 1959 an Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. 1969 ist er gemeinsam u.a. mit Helmut Bettenhausen, Friedrich Gräsel, Kuno Gonschior und Ferdinand Spindel an der Gründung der nach einem Straßennamen benannten Künstlergruppe »B1« beteiligt, die mit ihren Aktionen wesentliche Impulse für das zeitaktuelle Design, die Architektur, Raum- und Landschaftskunst gibt. In dieser Zeit wird auch das Atelier Tollmanns in Gelsenkirchen (»Kegelbahn«) zu einem Zentrum der zeitaktuellen Objektkunst und Plastik. In den 1960er und 70er Jahren gewinnt Tollmann mit seinen kinetischen Großplastiken zunehmend auch international Anerkennung und erhält zahlreiche Preise. 1976 ziehen die Tollmanns nach Niedersachsen auf einen Bauernhof in Harbergen, der Künstler behält jedoch das Gelsenkirchener Atelier bei. Ab 1982 hat Tollmann einen Lehrauftrag an der Hochschule für Gestaltung in Bremen. 1989 wird er Mitglied des Westdeutschen und Deutschen Künstlerbundes.

Auf anfängliche Arbeiten im Bereich der Grafik und Malerei, nach abstrakt-gestischen Kompositionen, die dem Informel nahe stehen (Abstrakte Komposition, 1964;Visagen aufeinander bezogen, 1969), aber auch Collagen, die bereits die Grenzen zum bildhaften Objekt erkennbar überschreiten, wendet sich Günter Tollmann ab Mitte der 1960er Jahre vor allem der Skulptur zu. Von Beginn an bezieht sich sein Formenvokabular aus einem Kanon geometrisch-räumlicher Grundformen, zylindrischer oder quaderhafter Formelemente meist aus Stahl, seltener farbig gefasst.

1967 entsteht sein erstes bewegliches Objekt. Ein entscheidender Aspekt der meist unbetitelten Plastiken ist – trotz der statisch-stelenartig wirkenden Konstruktionen – deren Beweglichkeit, ebenso durch Windeinfluss wie auch durch Einwirkung des zur Aktion aufgeforderten Betrachters. Durch äußere Einflüsse können so jeweils neue Gegenstandskonstellationen und Raumwirkungen, per Zufall oder konkretes Zutun, hergestellt werden. 1968 folgen erste Auftragsarbeiten für den öffentlichen Raum, in dem Tollmanns Arbeiten bis heute präsent sind. Seine unbetitelte Plastik von 1969 auf dem Vorplatz des Städtischen Museums Gelsenkirchen verdeutlicht ebenso die raum- und architekturorientierte Objektkonzeptionen und veränderlichen innerstädtischen Installationszusammenhänge wie die Mobile Plastik aus Edelstahl von 1973 nahe Schloss Horst in Gelsenkirchen, an der einzelne Zylinderkompartimente um die vertikalen Achsen gedreht werden können. Weitere mobile Plastiken im Außenraum (so vor dem Amtsgericht Gelsenkirchen-Buer oder dem Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie) Anfang der 1970er Jahre belegen mit ihren sich windabhängig drehenden zylindrischen Blöcken, die zu veränderlichen Formationen an Schaft oder Skulpturenkrone führen, die Einwirkungsmöglichkeiten der Wetterverhältnisse. Dabei fällt den Plastiken neben ihrer veränderlichen Präsenz und ihrer Markierungsfunktion im städtischen Kontext bisweilen auch Zeichen- bzw. Zeigecharakter zu. Motive der Richtungsweisung, räumliche Koordinaten, räumliche Verschiebungen von Volumina, wie sie vor allem an den windgedrehten Objekten auftreten, stellen die Bedeutung des Objekt-Raum-Verhältnisses unter Beweis.

Tollmann beteiligt sich seit den 1960er Jahren an zahlreichen Ausstellungen, vielfach in seiner Heimatstadt Gelsenkirchen, aber auch im internationalen Kontext ( . 1973 nimmt er an der 12. Biennale für Plastik in Antwerpen, 1975 am Festival International d’Art d’Albonnes, 1976 an der Biennale für Plastik in Mailand teil. 2009 fand unter dem Titel »Die Künstlergruppe B1« eine nordrhein-westfalenweite Ausstellung seiner Werke im Kunstkontext der Zeit statt.

Günter Tollmann stirbt 1990 in Hannover.

Literaturauswahl

Günter Tollmann: Malerei / Skulpturen 1948 — 1990: Ausst.-Kat. Gelsenkirchen-Stiftung, Gelsenkirchen 1991

Hartung, H.: Günter Tollmann – Paintings from the grey series 1964 — 1965, Galerie Gordon Pym & Fils, Paris 1990

Günter Tollmann. Collagen und Objekte 1976 — 1978, Selbstverlag des Künstlers, 1979

Tollmann, G.: Zu meiner Arbeit, in: Kunst und Öffentlichkeit. Beitrag d. Intern. Gesellschaft der Bildenden Künste zum Weltkongress der AIAP in Stuttgart 1979, Stuttgart 1979

Günter Tollmann: Ausst.-Kat. Städtische Kunstsammlung Gelsenkirchen, Gelsenkirchen 1969

 

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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