Gregorio Vardanega

Mit industriell gefertigten transparenten oder opak glänzenden Materialien und Oberflächen wie Acrylglas oder Metall, mit Licht und Motoren erzielt Gregorio Vardanega lumino-kinetische und synästhetische Effekte, die Kennzeichen der Op Art werden.

Grégorio Vardanega wird 1923 in Venedig geboren. 1926 wandert er mit seinen Eltern nach Argentinien aus, studiert an der National Academy of Beautiful Arts in Buenos-Surfaces und beginnt 1946 mit der Arbeit an (Acryl-)Glasscheiben, die sich sphärisch in Drahtstrukturen überlagern. Vardanega bereist Europa. In den späten 1950er Jahren beginnt er, sich mit dem Bewegungspotenzial von abstrakter Formmustern und Farbfiguren zu beschäftigen. Er erforscht Steuerungstechnik, Licht- und Reflexionseigenschaften von Materialien und erweitert damit nicht nur das künstlerische Vokabular, sondern nimmt damit auch unmittelbar Bezug auf die veränderten Bedingungen einer zunehmend technisierten Alltagswelt. Über Serienschaltungen von Lichtquellen kann er bald an seinen Objekten unterschiedliche Licht-, Farb- und Schattenmuster erzeugen, die in unregelmäßigen Intervallen leuchten – kinetische Kunst, deren luzid-dynamisches Wirkpotenzial sich ebenso der technischen Anlage und der Form- und Farbkonstellationen wie der Wahrnehmungseigenschaften und Geschwindigkeit des Auges verdankt.

1959 lässt sich Vardanega in Paris nieder. Hier trifft er die argentinische Künstlerin Martha Boto. Sie heiraten und entwickeln gemeinsam den von ihnen sogenannten »Chromokinetismus« – ein Bekenntnis zu polychrom-dynamischer Bild- und Objekthaftigkeit, die sich ebenso in Projektionen wie in transparent-räumlichen Objekten dokumentiert. Im gleichen Zeitraum werden die beiden Teil der Gruppe »Arte Nuevo« rund um Eduardo Jonquières in Buenos Aires. Vardanega unterhält auch Kontakte zu der in Buenos Aires wirkenden Künstlergruppe MADI.

Gregorio Vardanegas Licht- und Farbobjekte werden durch geometrische Formen und deren Schichtungen und räumlichen Anordnungen bestimmt. Mit industriell gefertigten transparenten oder opak glänzenden Materialien und Oberflächen wie Acrylglas oder Metall, mit Licht und Motoren erzielt er lumino-kinetische und synästhetische Effekte, die Kennzeichen der Op Art werden. Es entstehen sowohl Wand-Licht-Bilder (Couleur en diffraction,1965 — 68, Rhythme joyeux, 1969) wie Lichtskulpturen und raumgreifende Installationen (Couleurs sonores n°3, 1963/66, Tour Orthogonale, 1987).

Vardanega zeigt seine Arbeiten in vielen Ausstellungen in Europa, in Argentinien, Uruguay und in den USA (Museum of Modern Art, New York, 1990). Auch posthum bleiben seine Arbeiten in internationalen Museumsausstellungen präsent, in Europa, Lateinamerika und den USA sind seine Werke in Sammlungen vertreten. In den vergangenen Jahren werden sie u.a. im Rahmen umfangreicher Themenausstellungen, so 2005 im ZKM in Karlsruhe (»Lichtkunst aus Kunstlicht«) oder 2007 in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt (»Op Art«) und 2008 in der Jubiläumsausstellung der Galerie Suciu in Ettlingen (»20 Jahre. Konstruktiv-konkrete Kunst«) gezeigt.

Gregorio Vardanega stirbt 2007 in Paris.

Literaturauswahl

Giunta, A.: Avant-Garde, Internationalism, and Politics. Argentine Art in the Sixties, Durham 2007

Op Art: Ausst.-Kat. Schirn Kunsthalle Frankfurt, hg. v. M. Weinhart, u. M. Hollein, Köln 2007

Bewegliche Teile. Formen des Kinetischen: Ausst.-Kat. Kunsthaus Graz, Graz 2004

Bethell, L.: The Cambridge History of Latin America. Vol. X. Latin America since 1939. Ideas, Culture, and Society, Cambidge 1995

Argentina 1920 — 1994. Art from Argentina: Ausst.-Kat. Museum of Modern Art, hg. v. D. Elliott, Oxford 1994

Gadney, R.: Kinetic Art. An Introduction, Cambridge o.J.

Boto, M.; Vardanega, G.: Chromocinétisme. Paris 1964

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen

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