Gerhard Hoehme

»Den Grenzen der Fläche bin ich immer nur widerwillig gefolgt. Weit mehr hat mich die Gesetzmäßigkeit der Farbe, ihr Strömen und Wachsen, ihre Materie und Struktur interessiert.« (Hoehme). Nicht die subjektive Geste ist für Gerhard Hoehme Ausgangspunkt seiner Arbeit, sondern materielle Prozesse, auf die seine Arbeit unmittelbar eingeht.

Gerhard Hoehme wird 1920 in Greppin bei Bitterfeld geboren. Erst im Alter von 28 Jahren beginnt Hoehme in Halle ein kurzes Studium auf Burg Giebichstein beim Schriftkünstler Herbert Post. 1952 wechselt Hoehme an die Kunstakademie in Düsseldorf, studiert dort bei Otto Coester freie und angewandte Grafik. Der Künstler begegnet Jean-Pierre Wilhelm, der den Kontakt zu Jean Fautrier und Jean Dubuffet herstellt – den bedeutendsten Vertretern des Informel in Paris. Auch Karl Otto Goetz, Manfred de la Motte u.a. zählen zu dem Kreis um den Galeristen Wilhelm. Hoehmes vielschichtiges Œuvre gibt in den 1950er Jahren wesentliche Impulse für das deutsche Informel.

Hoehme wird führendes Mitglied der Düsseldorfer Künstlervereinigung »Gruppe 53« (1953 — 1959), deren Mitglieder (u.a. Mack, Brüning, Werthmann, Fürst) neben dem Informel unterschiedliche künstlerische Richtungen vertreten. 1955 noch der Lyrischen Abstraktion zugewandt, entdeckt der Maler in der zweiten Hälfte der 50er Jahre ungewöhnliche Bildformate in der Tradition der »shaped canvas« (S’amje, 1957) und vermischt das Farbmaterial, um in seinen informellen Bildern räumliche Strukturen auszuloten: »Den Grenzen der Fläche bin ich immer nur widerwillig gefolgt. Weit mehr hat mich die Gesetzmäßigkeit der Farbe, ihr Strömen und Wachsen, ihre Materie und Struktur interessiert.« (Hoehme). Nicht die sujektive Geste ist für ihn Ausgangspunkt seiner Arbeit, sondern materielle Prozesse, auf die seine Arbeit unmittelbar eingeht. Mit Wilhelm gründet der Maler 1957 die »Galerie 22«, die bis 1960 besteht und in der ein reger Austausch zwischen den Künstlern des Informel, Musikern und Literaten stattfindet.

Auf die Documenta 2 in Kassel wird Hoehme 1959 eingeladen.1960 erhält er ein Stipendium in der Villa Massimo in Rom, 1962 wird ihm der Mazotto-Preis verliehen, worauf die Familie nach Nemi, in die Nähe von Rom zieht. Von dort aus nimmt Hoehme auch seine 1960 aufgenommene Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie wahr. In Italien experimentiert Hoehme weiterhin mit Materialien und Bildformaten. Verstärkt setzt er sich mit der Dreidimensionalität in der Kombination von bemalter Fläche und Raumelementen auseinander. Ab 1964 entstehen Raumobjekte, die neben dem klassischen Leinwandgrund u.a. auch Holz, Gaze und Nylonschnüre integrieren. Hier entstehen auch die Werke Römischer Brief, in dem Hoehme Kolumnentitel aus italienischen Tageszeitungen verarbeitet, oder auch der Etna-Zyklus, in dem der Maler das mystische Elemente des speienden Vulkans einzufangen sucht. Zeitgleich gestaltet er die Fenster der Kirche der Missionari Verbiti in Nemi. Ab 1968 folgen Installationen und es entstehen die ersten Damastbilder, mit denen Hoehme einen weiteren Beitrag zum »offenen Bild« leistet. Sein Manifest »Relationen« veröffentlicht Hoehme 1968.

1974 übersiedelt Hoehme nach Neuss. Bis 1984 lehrt er an der Kunstakademie Düsseldorf, dann an der Akademie der Künste in West-Berlin und im Rahmen der Paul-Klee-Professur für Bildende Kunst auch an der Universität Gießen.

Hoehmes Werk wird mit zahlreichen Ausstellungen bedacht, so z.B. 1980 im Dortmunder Museum am Ostwall, Düsseldorf oder 1985/86 in der Städtischen Kunsthalle Mannheim und im Sprengel Museum Hannover. 1998 sind seine Arbeiten im Bonner Kunstmuseum und 2000 in der Kunsthalle Düsseldorf zu sehen.

Gerhard Hoehme stirbt 1989 in Neuss.

Literaturauswahl

In memoriam Gerhard Hoehme – 1920 — 1989, Werke aus privatem und öffentlichem Besitz in Schleswig-Holstein: Ausst.-Kat. Kunsthalle zu Kiel, Kiel 2002

Vom Expressionismus zur Gegenwart. Meisterwerke der Moderne aus der Sammlung des Museum am Ostwall: Ausst.-Kat. Kunsthalle Krems, hg. v. C. Aigner u. I. Bartsch, Wien 2001

Gerhard Hoehme: Ausst.-Kat. mit Beitr. v. Gerhard Hoehme, Margarete Hoehme, Dieter Ronte, Christoph Schreier, Ostfildern-Ruit 1998

Kunst des Informel, Malerei und Skulptur nach 1952: Ausst.-Kat. Museum am Ostwall, Dortmund 1997

Informel, Götz – Schultze – Hoehme: Ausst.-Kat. Museum am Ostwall, Dortmund 1980

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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