George Maciunas

Für eine Zeitschrift, die er mit Almus Salcius in den 60er Jahren herausgeben will, wählt George Maciunas erstmalig den Titel »Fluxus«. Die Zeitschrift erscheint nicht, doch wird der Titel namensgebend für die zukünftigen künstlerischen Aktivitäten eines ganzen Künstlerkreises.

George (Yurgis) Maciunas wird 1931 in Kaunas / Litauen geboren. 1944 flüchtet die Familie nach Deutschland, 1947 wandert sie in die USA aus. Maciunas nimmt dort bald breit angelegte Studien auf: 1949 — 52 studiert er zunächst Bildende Kunst, Graphik und Architektur an der Cooper Union School of Art in New York und bis zu seinem Abschluss 1954 Architektur und Musikwissenschaft am Carnegie Institute of Technology in Pittsburgh. Nach der Übersiedelung nach Manhattan setzt er 1955 — 60 seine Studien fort und belegt Kunstgeschichte an der New York University.

Ab 1960 arbeitet Maciunas als Designer in New York. Für eine Zeitschrift, die er mit Almus Salcius während dieser Zeit herausgeben will, wählt er erstmalig den Titel »Fluxus«. Die Zeitschrift erscheint nicht, doch wird der Titel namensgebend für die zukünftigen künstlerischen Aktivitäten eines ganzen Künstlerkreises.

Der Besuch der Kompositionsklasse von Richard Maxfield an der New School of Social Research in New York 1960 führt ihn mit La Monte Young, George Brecht, Al Hansen, Dick Higgins, Allan Kaprow und anderen Künstlern zusammen. Mit ihm gewinnt die New Yorker Fluxus-Gruppe einen wichtigen Mitstreiter und Organisator. An der Madison Avenue gründet Maciunas 1961 gemeinsam mit Salcius die »AG Gallery«, eine nur ein Jahr bestehende Organisation für Literatur-, Musik- und Filmveranstaltungen, in der Maciunas auch Vorlesungen hält. Neben Richard Maxfield und John Cage gehören auch Storm de Hirsch, Dick Higgins, Toshi Ichiyanagi, Yoko Ono, Jackson Mac Low, Joseph Byrd, La Monte Young, Henry Flynt, Walter de Maria, Ray Johnson u.a. zu den Autoren dieses Projekts.

Für die von Jackson Mac Low und La Monte Young 1961 publizierte »Anthology« – eine Quellensammlung für Fluxus und die »neuen Künste« – liefert Maciunas das Design, das für den Graphikstil von Fluxus charakteristisch werden wird. Nach der Schließung der »AG Gallery« verlässt Maciunas die USA und geht im Auftrag der U.S. Air Force nach Wiesbaden. Bald steht er durch Vermittlung von Nam June Paik in Kontakt mit Künstlern in Deutschland und Frankreich, die zu zahlreichen Fluxus-Veranstaltungen (Fluxus-Festival in Wiesbaden,1962, dann Amsterdam, London, Kopenhagen, Paris, Düsseldorf, Stockholm u.a.) zusammenfinden und gemeinsam die intermediale Bewegung »Fluxus« gründen.

1963 nach New York zurückgekehrt, realisiert Maciunas zahlreiche Fluxus-Konzerte in der »Fluxhall« (359, Canal Street). Die Ablehnung jeder theoretischen Festlegung, die den Fluxus-Künstlern von Beginn an zu eigen ist, zieht eine Vielfalt an Manifesten und Schriften nach sich. Auch Maciunas konzentriert sich nun stärker auf die Produktion von Drucksachen und Multiples, Objekten, Boxen, Filmen und Büchern die er zu Gruppeneditionen zusammengefasst, weltweit vertreibt. Dem politischen Ideal des Kollektivismus versucht er mit Projekten in der von ihm gegründeten »Fluxhouse Cooperative, Inc.« nachzukommen, für die er mehrere Häuser in Soho erwirbt und Künstlern, Filmemachern und Tänzern zur Verfügung stellt.

Neben der verlegerischen Arbeit erwacht in den 70er Jahren erneut Maciunas Interesse an Performance-Aktivitäten, Fluxus-Events und Festessen. Doch muss er neben finanziellen und organisatorischen Problemen, die den Fortbestand seines Projekts gefährden, 1975 auch eine unfallbedingte schwere Verletzung und den Verlust eines Auges verkraften. Nach der Übersiedelung nach New Marlborough / Mass. im Jahr 1976 versucht er dort in einer Farm und einer verfallenen Villa ein fluxusorientiertes Kunstzentrum aufzubauen. 1976 installiert Maciunas mit einigen Kollegen sein Flux Labyrinth in der Akademie der Künste auf. 1977 übernimmt er letztmalig die Organisation und Leitung des Fluxus-Festivals in Seattle.

George Maciunas stirbt am 9. Mai 1978 in Boston.

Literaturauswahl

Schmidt-Burkhardt, Astrit (Hg.): Maciunas’ learning machines. From Art History to a Chronology of Fluxus. The Gilbert and Lila Silverman Fluxus Collection, Berlin: Vice Versa Verlag 2003

Williams, E. u. Notl, A. (Hg.): Mr. Fluxus. Ein kollektives Porträt von George Maciunas 1931 — 1978, Wiesbaden 1996

Fluxus. Today and Yesterday. Art and Design, London 1993

Block, René (Hg.): Wiesbaden Fluxus 1962 — 1982, Eine kleine Geschichte von Fluxus in drei Teilen, Harlekin Art, Berliner Künstlerprogramm des DAAD, Wiesbaden / Berlin, 1983

Fluxus 1962 — 1982: Ausst.-Kat. Kunstverein Wiesbaden u.a., Wiesbaden 1982/83

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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