Gary Hill

Sein Werk umfasst Videoarbeiten, Installationen und Performances, deren Bestandteile der ständigen Veränderung, Synthese, der Deutung und Umdeutung preisgegeben sind – ein kreislaufartiges Fließen. Beeinflusst von der Konzeptkunst, findet Hill seinen künstlerischen Ausdruck in der Zusammenführung von Sprache, Bild, Identität und Körper. Seine Beobachtungen der Beziehungen zwischen Wörtern, elektronischen Bildern und Ton kommt einer ganz grundsätzlichen Auseinandersetzung mit Wahrnehmungsprozessen gleich.

Gary Hill wird 1951 im kalifornischen Santa Monica geboren. Mit sechzehn Jahren beginnt er, sich mit skulpturalen Arbeiten, vor allem deren Materialien auseinander zu setzen. 1969 übersiedelt Hill nach Woodstock / N.Y. und begeistert sich im soziopolitisch gepägtem Klima der beginnenden 1970er Jahre für unabhängige Videokanäle und dezentrales Fernsehen, für RealTimeVideo, Musik und neue Technologien. 1977 gründet und leitet Hill das »Open Studio Video Project« im US-amerikanischen Barrytown (bis 1979) und übernimmt eine Gastprofessur am Center for Media an der State University in Buffalo, NY (1979 — 80). 1984 — 85 lebt er in Japan, unterrichtet anschließend am Cornish College of the Arts in Seattle. Hill erhält zahlreiche Preise und Fellowships. Seine Arbeiten und Installationen werden vielfach international, so auf der Documenta in Kassel (1987, 1992), den Biennalen in Venedig (1995, 2001), Lyon (1995, 1997), Sao Paulo (1994), Sydney (2000) oder Moskau (2007) gezeigt. Zahlreiche internationale Sammlungen zählen Arbeiten Hills zu ihrem Bestand.

Beeinflusst von der Konzeptkunst, findet Hill seinen künstlerischen Ausdruck in der Zusammenführung von Sprache, Bild, Identität und Körper. Seine Beobachtungen der Beziehungen zwischen Wörtern, elektronischen Bildern und Ton kommt einer ganz grundsätzlichen Auseinandersetzung mit Wahrnehmungsprozessen gleich. Synergism (1975 — 76) wird zur ersten intermedialen Performancereihe, die Tanz, Musik und Video vereint. Hill lässt sich von Literatur inspirieren, arbeitet mit Autoren wie George Quasha zusammen (Disturbance, 1988). So basiert die Arbeit Incidence of Catastrophe (1987 — 88) auf einer Vorlage von Maurice Blanchot, »Come On Petunia«. Hills Werk umfasst Videoarbeiten, Installationen und Performances, deren Bestandteile der ständigen Veränderung, Synthese, der Deutung und Umdeutung preisgegeben sind – ein kreislaufartiges Fließen, das der Künstler folgendermaßen umschreibt: »Ich muss ein Krieger des Selbstbewusstsein werden und meinen Körper bewegen, um meinen Geist zu bewegen, meine Worte zu bewegen, meinen Mund zu bewegen und der Eigebung folgend zu trudeln.« (Hill, zit.n.: Ausst-Kat. Selected Works, Catalogue Raisonné, Kunstmuseum Wolfsburg, Köln 2002, 137; Übers. d. Red.)

Seit den 1980er Jahren präsentiert Hill seine Videoarbeiten in raumgreifenden Installationen. In Circular Breathing (1994) positioniert er fünf hochformatig aneinandergereihte Videoprojektionen. So ergibt sich ein zehn Meter langes Panorama wechselnder mathematisch strukturierter Bilder. Je mehr Bilder zu sehen sind, umso langsamer wird die Bildfolge. Die Arbeit wird zum Spiel mit der Zeit und gilt als die herausragende Arbeit Hills im Kontext seiner Auseinandersetzung mit Bewusstsein, Wahrnehmung und Kommunikation.

In seinen jüngeren Arbeiten hinterfragt Gary Hill auch die Funktionen der Kunst als Status- und Machtsymbol. So positioniert er in Frustrum (2006) einen 12,5 Kilogramm schweren Goldbarren in einem 63 Quadratmeter großen, mit Mineralöl gefüllten Becken. Das Öl dient als Videoprojektionsfläche. Der Goldbarren ist mit einer Inschrift geprägt: »For Everything which is visible is a copy of that which is hidden« – alles Sichtbare mag als Kopie dessen erscheinen, was versteckt ist.

Gary Hill lebt und arbeitet seit 1985 in Seattle.

Literaturauswahl

Morgan, R.C.: Gary Hill: Beyond the Image, New York 2009

Graeve Ingelmann, I. (Hg.): Amerikanische Kunst der 90er – Bill Viola, Gary Hill, Roni Horn. Werke aus der Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne, Kat. München 2004

Gary Hill. Selected Works 1976 — 2003. Unfolding Visions: Ausst.-Kat. Museum of Contemporary Art, Taipai 2003

Gary Hill: Selected Works + catalogue raisonné: Ausst-Kat. Kunstmuseum Wolfsburg, Köln 2002

Quasha, G.; Stein, Ch.: Tall Ships. Gary Hill’s Projective Installations – Number 2, Barrytown 1997

Thériault, M.: Gary Hill. Selected Videotapes 1978 — 1990, Toronto 1994

Vischer, Th. (Hg.): Gary Hill. Arbeit am Video: Imagining the Brain Closer Than Eyes, Ostfildern 1995

www.garyhill.com

 

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen

Zu Sammlung hinzufügen…

×
×
×

Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 gibt die museumsplattform nrw einen umfassenden Einblick in die Sammlungen und Aktivitäten ausgewählter NRW-Museen – und regt damit zugleich auch ein neues Publikum zum Museumsbesuch an. Monatlich 13.000 Besucher*innen belegen das Interesse an diesem einzigartigen Instrument zum interaktiven und kommunikativen Umgang mit Kunst im Netz.

Ein intensiv gepflegter und konstant ausgebauter Newsbereich mit Hinweisen zu Ausstellungen und Veranstaltungen oder Features aus der Kunstszene NRWs gehört ebenfalls dazu. 2013 erhielt die bereits seit zehn Jahren aktive Online-Plattform den bedeutenden Grimme Online Award.

Für den Ausbau dieses Online-Angebots sind wir auf den dauerhaften Beteiligungswillen der Museen angewiesen. Auch wenn die aktive Ausgestaltung derzeit nicht erfolgen kann, laden wir Sie doch herzlich ein, unser breites Angebot zum interaktiven und kreativen Umgang mit der Bildenden Kunst und ihren vielfältigen Formen medialer Vermittlung spielerisch zu erkunden.

Ihr NRW KULTURsekretariat