Franz Kline

Er zählt zur zweiten Generation der abstrakten Expressionisten, wird als Wegbereiter der Action Painting verstanden. Franz Kline zielt nicht auf die Wiedergabe des Gesehenen: »nicht das, was ich sehe«, sondern »die Gefühle, die in mir dadurch wachgerufen werden« will er bildlich festhalten.

Franz Kline wird 1910 in Wilkes-Barre/ Pennsylvania als zweites von vier Kindern geboren. Bis 1925 besucht Kline das College, studiert 1931 — 35 an der Boston School of Fine and Applied Arts und der University of Boston. Nach verschiedenen England-Aufenthalten nimmt er 1937 das Kunststudium an der Heatherly School of Fine Arts in London auf und beschäftigt sich dort intensiv mit den europäischen Traditionen der Kunst. Im folgenden Jahr kehrt Kline jedoch bereits in die USA zurück. Dort arbeitet er kurzzeitig in Buffalo als Designer für Damenmode und bezieht anschließend ein eigenes Atelier in New York. Zwischen 1952 und 1954 lehrt Kline am Black Mountain College in Beria, am Pratt Institute in Brooklyn, sowie an der Philadelphia Museum School of Art.

Franz Kline zählt zur zweiten Generation der abstrakten Expressionisten, wird als Wegbereiter der Action Painting verstanden. Der Beginn seiner künstlerischen Arbeit im New York der 1930er Jahre ist zunächst von gegenständlichen, kleinformatigeren Stadtansichten bestimmt. Daneben betätigt er sich auf dem Feld der Wandmalerei, arbeitet zeitweise mit dem Setdesigner Cleon Throckmorton zusammen, der ihm auch Kontakte zur New Yorker Kunstwelt verschafft. 1943 und 1944 kann Kline erfolgreich eigene Arbeiten auf den Jahresausstellungen der National Academy of Design zeigen. In dieser Zeit lernt er auch Willem de Kooning kennen, dessen Kunst wesentlichen Einfluss auf Klines weitere künstlerische Arbeit hat.

Klines Bilder der ausgehenden 1940er Jahre knüpfen an frühere abstrakte Entwürfe an, die Bildformate werden zunehmend größer. Seine abstrakte Formsprache beginnt mit der Verarbeitung gegenständlicher und fotografisch vermittelter Sujets, so von Aufnahmen des legendären Balletttänzers und Choreografen Vaslav Nijinsky (The Dancer, 1946; Nijinsky, 1950), dessen perfekt geltende Tanztechnik bereits zahlreiche Künstler der Moderne zu neuen dynamischen Bildfindungen inspiriert hatte. Auch bei dem Bild Chief aus dem Jahr 1950, das Kline im Rahmen einer Einzelausstellung in New York zeigen kann, nutzt der Künstler die gegenständliche Rückversicherung. Hier handelt es sich um eine dem Werktitel entsprechend benannte Lokomotive, die Kline jedoch in einer expressiven, dynamisch-gestischen Komposition von schwarzen Vertikalen und Horizontalen, Kurven und Schleifen völlig vom Gegenstand löst. Kline zielt dabei nicht auf die Wiedergabe des Gesehenen: »nicht das, was ich sehe«, sondern »die Gefühle, die in mir dadurch wachgerufen werden« will er bildlich festhalten. Und er reduziert dabei die Farbkomposition – wegweisend für seine weiteren Arbeiten – bewusst auf die schwarze Farbe, deren weißer Negativgrund in den konzentrierten und kontrastreichen Bildern ebenso bildbestimmend wird: »Ich male das Weiß genauso wie das Schwarz« (Kline, zit. n. E. Lucie-Smith, New York 1999), Figur und Grund werden gleichrangig aufgefasst.

Klines Arbeiten fußen trotz ihrer spontan anmutenden gestischen Spuren auf sorgsamen Vorüberlegungen und kompositorischen Entwürfen mit linearen und farblichen Variationen. In seinen Gemälden folgt er kompositorischen Aufgaben, erweitert die zunächst reduzierte, auf Schwarz-Weiß basierende Farbpalette in den späten 1950er Jahren auch um intensive Farbsetzungen (The Bridge, 1951; Orange and Black Wall, 1959). Die Vermittlung von Räumlichkeit verdankt sich dem austarierten kompositorischen Verhältnis der schwungvoll ausgeführten, breiten Pinselstriche, die bis zum Rand verlaufend, die Bildfläche malerisch strukturieren. Auch die Schichtung der Farbe, die mit differenziert geführten Pinsel aufgetragen, teils starken Druck, mitunter auch flüchtige Bewegung erkennbar macht, trägt wesentlich zur Vermittlung von Raum in den Bildern bei. Mit diesen Arbeiten avanciert Kline zu einem der Exponenten der us-amerikanischen Malerei der fünfziger Jahre, die neben europäischem Informel und Tachismus ein neues Feld expressiver Ausdrucksmöglichkeiten beschreitet und letztlich New York als neues Kunstzentrum etabliert.

Seit 1952 ist Kline auf den Jahresausstellungen im Whitney Museum of American Art präsent, 1955 werden seine Arbeiten im Rahmen der Ausstellung »Twelve American Painters and Sculptors« im New Yorker Museum of Modern Art gezeigt. International ist Kline 1957 auf der Biennale von Sao Paulo, 1959 auf der Documenta II, im folgenden Jahr auch auf der 30. Biennale in Venedig vertreten. Seit den 1960er Jahren werden Klines Bilder in Deutschland u.a. 1960 im Museum Ludwig in Köln, 1964 posthum auf der Documenta III und 1994 im Saarland Museum gezeigt. 2008 sind sie in der Ausstellung »Action-Painting, Jackson Pollock und die Geste in der Malerei« in der Basler Fondation Beyeler präsent.

Franz Kline stirbt am 13. Mai 1962 in New York.

Literaturauswahl

Action-Painting, Jackson Pollock und die Geste in der Malerei: Ausst.-Kat. Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Stuttgart 2008

Franz Kline: Kunst und Identität: Ausst.-Kat. Fundacio Antoni Tapies, Saarland Museum u.a. Saarbrücken 1994

Franz Kline: Black & White, 1950 — 1961: Ausst.-Kat. Museum of Contemporary Art Chicago, Whitney Museum of American Art, hg. v. D. Anfan, Houston 1994

Franz Kline. The Vital Gesture: Ausst.-Kat. Cincinnati Art Museum, New York 1985

Franz Kline. The Color Abstractions: Ausst.-Kat. Phillips Collection, Washington 1979

Franz Kline: Ausst.-Kat. Stedelijk Museum, Amsterdam 1963

Franz Kline: Ausst.-Kat. Museum Ludwig Köln, Köln 1960

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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