Franz Bernhard

Seit 1969 nutzt Franz Bernhard den Eisenguss als wesentlichen und gleichwertigen Bestandteil seiner Arbeit, Holz und Eisen erhalten jeweils unterschiedliche Konstruktionsaufgaben bei der Gestaltung dessen, was er als »anthropomorphe Zeichen« benennt.

Franz Bernhard wird 1934 in Neuhäuser / Böhmen geboren. Im Anschluss an die 1949 begonnene Schreinerlehre studiert er an der Karlsruher Kunstakademie bei Fritz Klemm und Wilhelm Loth. Hier entstehen erste Arbeiten, die zunächst noch vom klassischen Thema des Aktes und Torsos ausgehen. Bald arbeitet er an ersten Assemblagen aus hölzernen Streben und Einzelteilen von schroffer und kompakter Materialität und fügt sie mit korrodierten Eisenteilen zu rechtwinkligen und scharnierartigen Kompositionen zusammen. Er bezeichnet diese Materialcollagen jeweils mit Titeln, die unterschiedliche Bedeutungsdimensionen erschließen: So entsteht 1965 die Figur nach Gerda I, 1967 die Große Liegende I. Die körperlichen Bestimmungen der Arbeiten lenken auf phänomenologische Seinsformen, werden auf das Stehen, Liegen, Sitzen reduziert.

Seit 1969 nutzt Bernhard den Eisenguss als wesentlichen und gleichwertigen Bestandteil seiner Arbeit, Holz und Eisen erhalten nun jeweils unterschiedliche Konstruktionsaufgaben bei der Gestaltung dessen, was er als »anthropomorphe Zeichen« benennt. Im selben Jahr präsentiert seine Werke in einer größeren Einzelausstellung in der Kunsthalle Baden-Baden. Im Jahr 1977 nimmt Franz Bernhard an der Documenta 6 teil.

Ab Ende der 70er Jahre werden die Figuren blockhafter und gewinnen an Schwere. Die labilen Assemblagen werden abgelöst von Arbeiten, die dezidiert körperliche Balance und Volumen ausbilden (Sitzende Wandfigur, 1979; Stille Figur, 1982). Beide Arbeiten zeigen an die Wand gelehnte Metall-Holz-Konstruktionen, bei denen Rumpf und Gliedmaßen jeweils durch unterschiedliche Materialien gekennzeichnet sind, so dass zugleich der Eindruck einer schaufelartigen Gerätschaft mit hölzernem Griff und metallenem Werkteil entsteht. Die raumgreifende Ausdehnung der Figuren, die nun nicht mehr vereinzelt auf dem Boden lagern, sondern die museale Wand als Stützelement nutzen, führt eine neue Verankerung der Skulptur im Ausstellungsraum vor Augen.

In den 80er Jahren folgen Ausstellungen im Kunstmuseum Düsseldorf, der Städtischen Kunsthalle Mannheim (1980) und im Wilhelm-Lehmbruck-Museum Duisburg (1985). Nun entstehen deutlichere plastische und großformatige Arbeiten im öffentlichen Raum, die aufgrund ihrer Monumentalität den früheren dinghaften und werkzeugartigen Eindruck aufheben. Als Übergangsfigur kann noch die Konstanzer Liegende von 1983 gelten. Dann aber erscheinen die folgenden frei schwingenden abstrakten Stahlskulpturen wie vorgefertigte architektonische und geometrisierte Formen, die nur noch die Labilität der Auflager und des Balancierens mit den vorangegeangenen kleineren Arbeiten teilen (Große Braunschweiger Figur, 1987; Große Aachener, 1989). Diese späten Arbeiten erinnern an die Werke Richard Serras, der – wenn auch in radikalerer Abwendung von der Darstellung des Menschen – ebenso Phänomene der Labilisierung und Raumausdehnung in seinen Skulpturen behandelt.

Von 1990 — 1992 ist Franz Bernhard Mitglied der Akademie der Künste, Berlin. Heute lebt und arbeitet er in Jockgrim / Pfalz.

Literaturauswahl

Franz Bernhard, Der Morat-Block, Skulpturen, Zeichnungen, Radierungen: Ausst.-Kat. hg. v. Andreas Pfeiffer, Heidelberg 2001

Weber, Andrea: Figur und Abstraktion im Werk Franz Bernhards, Frankfurt, Berlin u.a. 2001

Franz Bernhard: Ausst.-Kat. Badischer Kunstverein, Karlsruhe 1990


Franz Bernhard, Köpfe und Figuren: Ausst.-Kat. Heidelberger Kunstverein, hg. v. Erich Thies, Ostfildern-Ruit 1994

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen

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