Francis Bacon

Mit engem Bezug zu Fotovorlagen und thematisch um Greuel, Martyrium, Angst und Krieg kreisend, entwickelt Francis Bacon skulptural geprägte figürliche Szenarien. Die intensive Beschäftigung mit malerischen Gestaltungsmöglichkeiten dokumentiert sich gleichermaßen im Studiencharakter der Arbeiten wie deren serieller Anlage.

Francis Bacon wird am 28. Oktober 1909 als Sohn englischer Eltern in Dublin geboren. 1931 gibt Bacon seine Arbeit als Designer und Innenarchitekt auf und wendet sich der Malerei zu. Erste Ölbilder, wie die Arbeit Crucifixion von 1934 entstehen. Doch malt Bacon zunächst nur sporadisch und zerstört viele seiner Werke wieder. Aus der Zeit zwischen 1929 und 1944 bleiben lediglich 15 Gemälde erhalten.

Nach vernichtenden Kritiken erster Werke zieht Bacon sich zurück und gibt die Malerei zunächst auf. Erst in der Arbeit Three Studies for Figures at the Base of a Crucifixion, die 1945 in der Londoner Gallery Lefevre ausgestellt wird, sieht Bacon rückblickend den eigentlichen Beginn seiner künstlerischen Laufbahn. Wie auch in späteren Arbeiten mit engem Bezug zu Fotovorlagen und thematisch um Greuel, Martyrium, Angst und Krieg kreisend, entwickelt er skulptural geprägte figürliche Szenarien, die in der Nachkriegsöffentlichkeit große Aufmerksamkeit erregen.

Bacon beteiligt sich an zahlreichen, auch internationalen Gruppenausstellungen. Mit seinem Gemälde 1946 wendet er sich stärker linear-malerischen Kompositionen zu. Seine Werke finden Anklang bei Sammlern, erste Museumsankäufe werden getätigt.
1949 beendet Bacon in London seine Serie der sechs Köpfe (Head I-VI), in der erstmalig die Figur des schreienden Papstes erscheint. Die intensive Beschäftigung mit malerischen Gestaltungsmöglichkeiten dokumentiert sich gleichermaßen im Studiencharakter der Arbeiten wie deren serieller Anlage.

Die Porträtserien der 50er Jahre lassen sich als Studien gesellschaftlicher Deformation des Individuums lesen. Bacon setzt bei fotografischem Material an, das ihm seine Freunde (u.a. John Deakin, George Dyer, John Edwards) liefern. Bewusst löst er die Individualität durch einen zerstörerischen Malduktus, durch brachiale Spuren der Malerei auf, die im Zentrum seines Interesses steht. Er fügt die Figuren in begrenzende Räume ein, stellt subtile Bezüge zu einzelnen Gegenständen im Raum her oder schreibt die Portraitierten käfigähnlichen Konstruktionen ein. Daneben entstehen Landschaftsdarstellungen und Figurendarstellungen unter freiem Himmel mit weitläufigen räumlichen Szenarien.

1953 malt Bacon seine Study after Velazquez’s Portrait of Pope Innozent X und die achtteilige Serie Study for a Portrait. Bacon hat erste Einzelausstellungen in New York und London, 1954 gefolgt von der Teilnahme an der Biennale in Venedig. In London entsteht 1956 Bacons erstes Selbstportrait. Mit dem Bild etabliert sich der Typus der sitzenden Figuren: »in sich gekehrt, mit verschränkten Händen, die häufig zwischen den übereinander geschlagenen Beinen verschwinden, mit Gliedmaßen, die eine Art Knoten bilden, angespannt und unsicher zugleich« (Hervé Vanel 1996).

1962 organisiert die Tate Gallery eine große Retrospektive mit 92 Gemälden Bacons, für die Three Studies for a Crucifixion entsteht. Bacon lernt im selben Jahr Alberto Giacometti in London kennen, wird 1965 zeitgleich mit diesem in London ausgestellt. 1963 und 1965 zeigt die Marlborough Gallery Francis Bacon gemeinsam mit Henry Moore. Bacon malt 1964 das erste große Triptychon Three Figures in a Room und das erste Portrait seines Freundes und Modells George Dyer.

Nach dem Tod der Freunde George Dyer (1971) und John Deakins (1972) beschäftigt sich Bacon in zahlreichen Arbeiten mit dem Thema des Selbstbildnisses. Zugleich beginnt er mit der Serie der sog. »Schwarzen Triptychen«. Er entwirft klarere Bildkompositionen, die Farbpalette ändert sich zugunsten starker Kontraste, auch leuchtender Orange- und Rottöne.
1975 erscheinen zeitgleich mit einer Bacon-Ausstellung in New York die ersten Künstlerinterviews, die David Sylvester zwischen 1962 und 1974 führt. Bacons Gespräche über die Malerei werden zu einer wesentlichen Quelle für die Maler des 20. Jahrhunderts.

»Mit 77 Jahren liefert Bacon uns etwas ganz Neues. (…) Eine neue Sparsamkeit der Mittel und eine extreme Vereinfachung der Kompositionsweise scheinen eine wirkungsvolle Synthese zu bilden. Dies wird deutlich in der neueren Studie nach einem menschlichen Körper, in der nachdrücklichen Nacktheit der Malerei.« (Piguet 1987)

Auf einer Reise anlässlich einer Velazquez-Ausstellung stirbt Francis Bacon am 28. April 1992 in Madrid.

Literaturauswahl

Francis Bacon. Die Portraits. Ausst.-Kat Hamburger Kunsthalle, hg. v. Christoph Heinrich, Hamburg 2005

Francis Bacon: Ausst.-Kat. hg. v. Haus der Kunst, München 1996

Davies, H. u. Yard, St.: Bacon, New York 1986

Schmied, W.: Francis Bacon. Vier Studien zu einem Porträt, Berlin 1985

Sylvester, David: Gespräche mit Francis Bacon, München 1982

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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