Fernand Léger

Von vornherein technikbegeistert baut Léger seine kubistischen Gemälde aus Röhren, Kuben, Kegeln, Kreis- bzw. Radfragmenten auf, die dicht verzahnt in einander greifend die Bildfläche füllen. Die großflächigen Formen dieser Kompositionen zeigen kontrastierende, kräftige Buntfarben. Mit diesen Bildern hat Léger 1912 seine erste Einzelausstellung in der Galerie Kahnweiler.

Fernand Léger wird am 4. Februar 1881 in Argentan in der Normandie geboren. In Caen studiert er von 1897 bis 1899 Architektur und siedelt 1900 nach Paris über. Dort ist er zum Gelderwerb Architekturzeichner und studiert ab 1903 an der Ecole des Arts décoratifs. 1907 beginnt seine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Werk von Paul Cézanne. Er wird mit Robert Delaunay und Henri Rousseau bekannt und stößt 1910 in die Gruppe um Picasso und Braque.
Von vornherein technikbegeistert baut Léger seine kubistischen Gemälde aus Röhren, Kuben, Kegeln, Kreis- bzw. Radfragmenten auf, die dicht verzahnt in einander greifend die Bildfläche füllen. Die großflächigen Formen dieser Kompositionen zeigen kontrastierende, kräftige Buntfarben. Mit diesen Bildern hat Léger 1912 seine erste Einzelausstellung in der Galerie Kahnweiler. Léger ist 1914 bis 1917 Soldat im 1. Weltkrieg, wird durch Gas verletzt und danach frei gestellt. Im Jahr 1913 ist er beim ersten deutschen Herbstsalon in Berlin vertreten. Bis 1923 dominieren die technoiden Objektelemente seine Werke. Erst im Jahr 1920, in dem Léger seine eigene Galerie L»esprit nouveau gründet, nimmt er wieder menschliche Körper, vorzugsweise stehende, sitzende oder liegende Frauen in seine Kompositionen auf. Die vormals enorme Formdichte seiner Bilder weicht einer klar und in der Fläche geschichteten Formabfolge von Objekt und Subjekt. Der Farbauftrag ist glatt und farbklar, stoffliche Intentionen vermeidet Léger. Die zwischen Volumen und reiner Farbfläche pendelnde Farbe, immer wieder durch quasi monochrome Töne wie Grau, Braun oder Schwarz gebremst, organisiert die Tektonik der Komposition und nobilitiert oder reflektiert die mechanistischen Figurinen der Sujets. Durchaus beeinflusst von der gleichzeitigen «klassischen’ Periode Picassos, vermeidet Léger dessen Stofflichkeit und dessen schwere, aber anatomisch korrekte Körperlichkeit und bricht wie ein böses Kind an seiner Puppe die Extremitäten der Figurinen zugunsten der Klarheit der Komposition.

In dieser Zeit beschäftigt sich Léger mit dem zeitgenössischen Film, der von Nahaufnahmen, die in Film-Stills veröffentlicht werden, geprägt ist. Sehr entscheidend für seine weitere künstlerische Entwicklung ist die freie Ateliergemeinschaft, die er in diesem Jahr mit Amédée Ozenfant und Marie Laurencin eingeht. Ozenfant hat 1918 gemeinsam mit Le Corbusier das Manifest des Purismus ›Après le cubisme‹ verfasst, und so wird auch Léger mit Le Corbusier bekannt, mit dem er 1933 eine Griechenlandreise unternimmt. Auch Ozenfant bleibt als Künstlerfreund wichtig. Léger folgt ihm 1934 nach London. Ozenfant vermittelt auch die USA-Kontakte, die 1931 eine erste Reise Légers zur Folge haben. 1935 kann Léger seine Arbeiten im Museum of Modern Art in N.Y. zeigen, 1938/39 dekoriert er die New Yorker Wohnung von Nelson A. Rockefeller. Und schließlich emigriert er in den Jahren 1940 bis 1945 in die USA und lehrt dort zunächst an der Yale University und später am Mills College in Oakland, das als Wiege der amerikanischen Kunst nach 1945 gilt.
Im Dezember 1945 kehrt Léger nach Paris zurück. Seine lebenslange Affinität zur Architektur äußert sich in Wandbildern, Wandteppichen, Mosaiken und Glasfenstern. 1949 entstehen erste Keramiken und in Paris wird eine Retrospektive von Légers Werken gezeigt.

In den späten Arbeiten bleibt Léger bei seinen klaren, schwarz betonten Konturen. Die Formen neben den rein stereometrischen Figuren werden biomorpher in ihrer Gestalt. Die menschliche Figur, die Léger nach Einflüssen von Henri Rousseau und den Figurinen de Chiricos gestaltet, werden formal und farblich ihrer Umgebung immer ähnlicher (z.B. Adam und Eva, 1935/39). Blockhaft, statuarisch, frontal dem Betrachter zugewandt repräsentieren sie Légers heroisch gestimmtes, monumentales, seltsam emotionsloses Bild des modernen Menschen in einer Art mechanistischer Euphorie.

Fernand Léger stirbt am 17. August 1955 in Gif-sur Yvette, in das er 1952 übersiedelt war.

Literaturauswahl

Fernand Léger: Aust.-Kat., bearb. D. Ciuha, R. Bouvier, Fondation Beyeler, Ostfildern-Ruit 2008

Fernand Léger, contrast of forms: Ausst.-Kat. hg. M. Affron, Virginia Art Museum, Charlottesville 2007

Figur – Objekt, Objekt – Figur: Ausst.-Kat. Graphikmuseum Pablo Picasso Münster, hg. M. Müller, Münster 2005

Bauquier, G.: Fernand Léger: le catalogue raisonné de l’oeuvre peint, Paris 2003

Lachner, C. (Hg.): Léger, The Museum of Modern Art, New York 1998

Bauquier, G., Maillard, N.: Fernand Léger. Catalogue raisonné de l’oeuvre peint 1903 — 1931, Paris 1990 — 1995

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen

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