Fabrizio Plessi

Performances zeigen, wie Plessi einen See mit der Säge durchtrennt, Löcher in Wasser schlägt oder einen Strahl im Waschbecken zu durchtrennen versucht. Das Wasser ist dabei generell Träger vielfältiger Bedeutungen. Seit Ende der sechziger Jahre, befasst sich Plessi überwiegend mit dem Element des Wassers, das er als Material oder auch medial vermittelt verwendet.

Fabrizio Plessi wird 1940 im italienischen Reggio Emilia geboren. Er studiert an der Accademia di Belle Arti in Venedig, an der er seit 1983 Malerei lehrt. Von 1989 bis 2000 hat er den Lehrstuhl für Humanisierung der Technik und ab 1994 der Elektronischen Szenographie an der Kunsthochschule für Medien in Köln inne.

Seit Ende der sechziger Jahre, befasst sich Plessi überwiegend mit dem Element des Wassers, das er als Material oder auch medial vermittelt verwendet. Zunächst setzt er sich mit diesem Element in Projektzeichnungen und Performances, später in Fotografien und Videobändern auseinander. Performances zeigen, wie Plessi einen See mit der Säge durchtrennt, Löcher in Wasser schlägt oder einen Strahl im Waschbecken zu durchtrennen versucht. Das Wasser ist dabei generell Träger vielfältiger Bedeutungen. Sei es als Sinnbild der Zeitlichkeit und Endlichkeit oder auch als Metapher der Erinnerung.
Mitte der 70er Jahre entstehen die ersten raumbezogenen Video-Installationen in denen Plessi Monitore als skulpturenhafte Bildträger verwendet und zu Environments aus Materialen wie Erde, Steinen, Metall, rostigem Eisen, Holz und Stroh formiert. Die Videos zeigen meist Feuer, Lava und Wind. Seine audio-visuellen Installationen sind meist aus vielen Bildschirmen zusammengesetzt, wobei die Wiederholung gleicher Filmsequenzen narrative Momente ausblenden. Insofern versteht sich Plessi, der als Begründer der Video-Installation gilt, nicht als Videokünstler, sondern betrachtet den Einsatz der Videotechnik vielmehr als Teil seiner bildhauerischen und malerischen Arbeit.

Internationale Anerkennung erlangt er mit dem auf der Documenta 8 (1987) gezeigten Werk Roma, einer raumfüllenden Installation mit 43 kreisförmig aneinander gereihten Monitoren, umgeben von Travertin-Tafeln und einem Förderband. Die Monitore zeigen das strömende Wasser des Tiber, zeugen von einer neuartigen theatralischen Inszenierungsform, die sich der Mittel der Bildhauerei wie Medienkunst bedient. Seit 1986 dokumentieren die Zeichnungen Plessis die Entstehung der Installationen, die sich fortan und der Arte Povera nahe stehend, durch eine Auswahl an Materialien auszeichnen.
Auch Tempo Liquido (1993) weist derartige Bezüge zwischen traditionellen und neuen künstlerischen Technologie und Medien, zwischen Vergangenheit und Zukunft auf: In die Schaufeln eines fünf Meter hohen Wasserrades aus rostigem Stahl sind hier 21 Monitore eingelassen, die jeweils dieselbe Sequenz eines rauschenden Wasserstroms zeigen. Das Wasserrad, das zu den alten Technologien der Energiegewinnung zählt, dreht sich durch ein 18 Meter langes Becken, das mit echtem Wasser gefüllt ist. Plessi inszeniert ein Aufeinandertreffen von Fiktion und Realität, von medial Reproduziertem und Echtem. Durch seine Installationen demonstriert der Künstler die menschliche Entfremdung von der Natur durch die Technologie. Es ist sein Anliegen, die Technik zu humanisieren, indem er mit ihrer Hilfe die Urelemente der Natur erfahrbar macht.

Weitere aufwendige Installationen, mit denen Plessi Bekanntheit erlangt, sind Fiume della storia (1996) für das Landesmuseum Mainz, Aquedotto (1996) im Heidelberger Kunstverein, Stanza del Fuoco (1999) in der Kestner-Gesellschaft Hannover. Viel Aufsehen erregt die um den Markusplatz in Venedig führende Videoinstallation Waterfire (2001), bei der Plessi auf 15 Videoleinwänden ununterbrochen Wasserfälle und Feuerkaskaden inszeniert. In Zusammenarbeit mit Frédéric Flamand entwirft Plessi mehrere Bühnenentwürfe, zum Beispiel für die Opern The Fall of Icarus (1989) oder Ex machina (1994). Reisen nach Fez, Bombay oder Kairo inspirieren Plessi zu gleichnamigen Videoinstallationen.

1970 präsentiert Plessi sein Werk erstmals auf der Biennale von Venedig, an der er elf weitere Male teilnimmt. Es folgen einige Ausstellungen bis hin zur einer ersten Werkschau 1982 im Centre Pompidou. 1998 findet eine große Einzelausstellung im Guggenheim Museum in New York statt, die als Wanderausstellung in weiteren us-amerikanischen Museen zu sehen ist. 2004 widmet der Martin-Gropius-Bau dem Künstler eine aufwendige Retrospektive mit dem Titel Traumwelt, in der 16 große Installationen, den Städten der Welt gewidmet, gezeigt werden. Zentrale Arbeit ist hier La Flotta di Berlino aus zwölf venezianische Lastkähne, die sich über den Köpfen der Besucher bewegen. In den Öffnungen der auf dem Kopf gedrehten Barken spielen Monitore Feuerkaskaden ab. Auch hier schließt sich der Kreis zwischen den Elementen der Natur.

Der Künstler lebt und arbeitet in Venedig und Mallorca.

Fabrizio Plessi. Traumwelt: Ausst.-Kat. Martin Gropius-Bau, Berlin 2004

Fabrizio Plessi: Ausst.-Kat. Guggenheim Museum SoHo/ N.Y., hg. v. A. Dornbracht, Mainz 1998

Fabrizio Plessi. Il Fiume della Storia: Aust.-Kat. Landesmuseum Mainz, Mainz 1996

Plessi – Retrospektive 1976 — 1993: Ausst.-Kat. Museum am Ostwall, hg. v. I. Bartsch, Dortmund 1993

Kubisch & Plessi – Konzerte, Video, Performances, Installationen: Ausst.-Kat. Neue Galerie Sammlung Ludwig, Aachen 1978

Plessi: Ausst.-Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus, hg. v. A. Zweite, München 1974

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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