Erwin Heerich

Sein umfangreiches Werk entsteht aus der zielstrebigen Recherche im Bereich der isometrischen Zeichnung, die als Maßgabe und Gestaltungsvorgabe seiner Arbeit anzusehen ist. Das Interesse an der Strenge und Regelmäßigkeit sterometrischer Strukturen teilt Heerich mit den Vertretern der Klassischen Moderne, so dem Bauhaus und dem Internationalen Stil. Allerdings stehen nicht die realisierten Architekturen, sondern vielmehr das skulpturale Verständnis der entwickelten und vermessenen Baukörper im Vordergrund seines Interesses.

Erwin Heerich wird 1922 in Kassel geboren. Nach dem Krieg beginnt Heerich sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er bis 1950 der Bildhauerklasse Ewald Matarés angehört. Von 1950 bis 1954 übernimmt er dort selbst ein Meisteratelier. Erste Kartonplastiken und Zeichnungen, die mit isometrischen Darstellungen experimentieren, zeigen sein Interesse an einer Öffnung der Gattungsgrenzen zwischen Architektur und Skulptur. In den Folgejahren, in denen Heerich zunächst freiberuflich tätig ist, lassen sich immer wieder Phasen der Lehrtätigkeit verzeichnen, so zunächst als Assistent Matarés 1957 in der Sommerakademie von Oskar Kokoschka in Salzburg, 1961 am Seminar für werktätige Erziehung in Düsseldorf.

Im Lauf der sechziger und siebziger Jahre entwickelt Heerich in Zeichnungen und Graphiken und schließlich Kartonplastiken ein umfangreiches Formen- und Anschauungsrepertoire, das er später auch in begleitenden Schriften publiziert. Die hier archivierten Gestaltungsvorgaben setzt er dann in vielfältigen Projekten, u.a. Möbelentwürfen, architektonischen Kleinplastiken und Architekturmodellen um. Sein umfangreiches Werk entsteht aus der zielstrebigen Recherche im Bereich der isometrischen Zeichnung, die als Maßgabe und Gestaltungsvorgabe seiner Arbeit anzusehen ist. Das Interesse an der Strenge und Regelmäßigkeit sterometrischer Strukturen teilt er mit den Vertretern der Klassischen Moderne, so dem Bauhaus und dem Internationalen Stil. Allerdings stehen nicht die realisierten Architekturen, sondern vielmehr das skulpturale Verständnis der entwickelten und vermessenen Baukörper im Vordergrund seines Interesses. Ihnen gewinnt Heerich ästhetische Wirkungen ab, die jedoch nur oberflächlich als Vorwegnahme der amerikanischen Minimal Art betrachtet werden können. Auch fehlen seinen frühen Kartonplastiken die ironischen Brechungen eines Sol LeWitt, der die Wiederholung modularer Strukturen zum Prinzip erklärt. Vielmehr zielt Heerich auf die Gestaltung objektivierter Schönheit: »Architekturen sind vor jedem Gebrauch zuerst skulptural gestaltete Körper. Die Kluft zwischen Gestalt und Funktion ist hier überwunden. In der logisch entwickelten Gestalt ist auch das praktische Funktionieren gewährleistet. Als Denk- und Anschauungsmodell führen die Skulpturen Heerichs das Schöne und das Praktikable untrennbar zusammen. (…) Zwar illustrieren Heerichs Skulpturen und Bauten keine Philosophie. Sie sind aber durchaus Haus für metaphysische Durchmessung von Kunst und Leben.« (Stephan von Wiese Ausst.-Kat. 1995).

In den Jahren 1968 und 1977 ist der Erwin Heerich auf der Documenta vertreten. Erste wichtige Einzelausstellungen finden ab 1967 in Mönchengladbach, Köln, Düsseldorf, Bonn statt. 1969 erhält Heerich eine Professur an der Düsseldorfer Akademie, die er bis 1988 innehat. 1974 wird er Mitglied der Akademie der Künste, Berlin. Im Jahr 1979 ist er auf einer Wanderausstellung zu sehen, die von Berlin nach Hannover, Nijmwegen und Krefeld führt.

Im Jahr 1980 beginnt die Planung zu dem wohl bekanntesten baulichen Projekt Heerichs, den Arbeiten für die Museumsinsel Hombroich. In diesem ab 1982 erneuerten und erweiterten Areal eines Landschaftsgartens entstehen nach Heerichs Entwürfen und gemeinsam mit dem Architekten Hermann Müller zunächst drei Ausstellungspavillons (Orangerie, Graubner-Pavillon, Hohe Galerie 1983). In den Folgejahren gestaltet er weitere Ausstellungspavillons, begehbare Großskulpturen und Stahlobjekte, Bibliotheks- und Schulungsräume (Labyrinth 1985/86; Turm 1988; Tadeusz Pavillon, Schnecke, Zwölf-Räume-Haus 1991 — 1993). Die Idee der begehbaren Skulptur findet eine weitere, nun deutlicher erzählerisch orientierte Gestaltung in einer Holzskulptur für den Skulpturenpark des Museums Schloss Moyland (Ohne Titel (Trojanisches Pferd), 1997).

Erwin Heerich stirbt 2004 in Meerbusch-Osterath.

Literaturauswahl

Stiftung Insel Hombroich. Museum und Raketenstation, Neuss 2002

Erwin Heerich Museum Insel Hombroich: Ausst.-Kat. Kunsthaus Bregenz, hg. v. Joachim Peter Kastner, Stuttgart 1996

Kunst + Design. Erwin Heerich. Plastische Modelle für Architektur und Skulptur. Preisträger der Stankowski-Stiftung 1995: Ausst.-Kat. Kunstmuseum Düsseldorf, hg. v. Erwin Heerich, Wolfgang Schepers, Stephan von Wiese, Düsseldorf 1995

Erwin Heerich, Quadrat: Ausst.-Kat. Josef Albers Museum, hg. v. Ulrich Schumacher, Bottrop 1993

// Erwin Heerich. Plastische Prozesse: Ausst.-Kat. Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg, hg. v. Christoph Brockhaus u. Erwin Heerich, Duisburg, 1992

Kastner, Joachim Peter: Erwin Heerich, Köln 1991

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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